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Pharma : Umstrittene Kapitalerhöhung

Generika bleiben ein Wachstumsthema Bild: Dieter Klein/STOCK4B

Analysten sind sich nicht immer einig, und das gilt selbst für die Beurteilung solcher Erfolgsunternehmen wie dem Bad Vilbeler Generikahersteller Stada.

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          Analysten sind sich nicht immer einig, und das gilt selbst für die Beurteilung solcher Erfolgsunternehmen wie dem Bad Vilbeler Generikahersteller Stada. Grund für die Meinungsverschiedenheit ist die zur Zeit laufende Kapitalerhöhung des Anbieters von Nachahmerpräparaten, deren Ankündigung sich unmittelbar negativ auf den Aktienkurs der Gesellschaft ausgewirkt hat. Den Bezugspreis für die Tranche der neuen Aktien, für die die Aktionäre ein Bezugsrecht erhalten, hat das Unternehmen auf 37,50 Euro festgelegt, was einem Abschlag von 20 Prozent gegenüber dem Kurs unmittelbar vor der Bekanntgabe des Bezugspreises entspricht. Die Bezugsrechte können von diesem Dienstag an bis zum 9. Oktober gehandelt werden.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Die Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz halten diese Kapitalmaßnahme, die unter anderem den Zukauf von Unternehmen finanzieren soll, für sinnvoll und empfehlen optimistisch, den Kursrückschlag, der mit der Kapitalmaßnahme verbunden ist, zum Kauf von Stada-Aktien zu nutzen. Schließlich hatte das Papier am 30. Mai dieses Jahres ein Allzeithoch von 57,50 Euro erreicht. Das Kursziel zum Ende des Jahres 2004 setzt die Bank auf 65 Euro.

          Kritischer kommentiert hingegen Isabella Zinck von der Hypo-Vereinsbank (HVB) die Transaktion. Zinck verweist auf die Ergebnisverwässerung je Aktie, die mit der Ausgabe der neuen Papiere zwangsläufig verbunden ist. Zudem habe Stada noch immer eine Eigenkapitalquote von 42 Prozent, die Finanzierung der geplanten Zukäufe über Kredite wäre deshalb kein Problem gewesen. Ihre negativere Einschätzung für die weitere Entwicklung der Stada-Aktie verändert Zinck nicht: Das Stada-Papier wird von der HVB weiterhin mit "unterdurchschnittlich" bewertet, das Kursziel liegt bei 55 Euro. Die Bankgesellschaft Berlin hat wegen der Kapitalerhöhung ihr Stada-Anlageurteil ebenfalls nicht verändert und empfiehlt weiterhin lediglich, die Aktie zu halten. Die Bankgesellschaft Berlin weist zudem darauf hin, daß der Stada-Vorstand eine Kapitalerhöhung noch bis April ausgeschlossen habe und die Nachricht auch deshalb vom Kapitalmarkt negativ aufgenommen werde.

          Stada erhöht sein Kapital in einer Zeit, in der der Markt, auf dem sich das Unternehmen bewegt, von Sparanstrengungen im Gesundheitswesen gekennzeichnet ist. Für das Unternehmen wiederum ist das offenbar ein gutes Umfeld, denn die Sparbemühungen sind für Stada offensichtlich eine große Hilfe. Vor allem für Generika, also vergleichsweise günstige Nachahmerpräparate, erwartet Stada-Vorstandsvorsitzender Hartmut Retzlaff auch künftig auf der ganzen Welt ein besonders dynamisches Marktwachstum. "Das Wachstum wird durch die Notwendigkeit preiswerter Therapien ebenso gefördert wie durch einen kontinuierlichen Strom patentfrei werdender Wirkstoffe", sagte Retzlaff schon bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen des Unternehmens. Nach den Angaben von Stada werden in den wichtigsten Ländern der Europäischen Union von 2003 bis 2007 Wirkstoffe mit einem heutigen Umsatzvolumen von 7,2 Milliarden Euro aus dem Patentschutz entlassen und damit für Generika als Marktpotential verfügbar. Da Stada an diesem Potential für sich einen Marktanteil von 10 Prozent unterstellt, ergeben sich durch diesen Zusammenhang gleichsam automatisch Wachstumsmöglichkeiten für das Unternehmen.

          Vor diesem Hintergrund ist nach Ansicht von Retzlaff für Stada 2003 das achte Rekordjahr in Folge so gut wie sicher. Im Sommer wiederholte Retzlaff auch den Wunsch, Zug um Zug Unternehmen zuzukaufen. Dabei geht es nach seinen Worten besonders um die Stärkung des Gebiets Markenprodukte. Doch damals hieß es ebenfalls, daß das Geld dafür nach wie vor ausreichend vorhanden sei, was eine baldige Kapitalerhöhung unwahrscheinlich erscheinen ließ. Doch weit gefehlt: Nun ist davon zu hören, daß Finanzvorstand Wolfgang Jeblonski einen Großteil der kurzfristigen Verbindlichkeiten von 150 Millionen Euro ablösen will. Mit dem Rest der frischen Mittel will der Konzern in den Vereinigten Staaten zukaufen, um die Produktpalette sichtlich zu erweitern.

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