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Pharma : Schering-Übernahme steht auf des Messers Schneide

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Zukunft von Schering ist offener denn je. Merck fehlen noch sechs Prozent der Anteile an dem Berliner Unternehmen, um die Übernahme durch Bayer zu vereiteln. Aber auch die Leverkusener warten nicht mehr ab.

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          Die geplante Übernahme des Berliner Pharmakonzerns Schering durch die Leverkusener Bayer AG steht auf des Messers Schneide. Die Zukunft von Schering ist offener denn je. Wie zu hören ist, treibt Schering bereits die Sorge um, daß eine Zerschlagung bevorstehen könnte. Am Montag nachmittag wird der Schering-Vorstand zu Beratungen in Berlin zusammentreffen. Denn die Merck KGaA in Darmstadt, die im Frühjahr im Rennen um Schering gegen Bayer den kürzeren gezogen hatte, versucht das derzeit von Bayer vorgelegte Angebot über 86 Euro in bar je Schering-Aktie durch Käufe des Papiers zu unterlaufen.

          Wenige Tage vor Ablauf der Bayer-Offerte am Mittwoch fehlen Merck nur noch etwas mehr als 6 Prozent der Schering-Anteile, um die Übernahme durch den Rivalen vereiteln zu können. Das Angebot von Bayer gilt nur, wenn die Leverkusener bis dahin Zugriff auf mindestens 75 Prozent der Schering-Aktien erlangen. Aber auch Bayer wartet nicht mehr ab, wieviel Aktien dem Unternehmen von den Aktionären im Rahmen des Übernahmeangebots angedient werden.

          Schering-Aktien schließen bei 86,25 Euro

          Die Leverkusener haben am Freitag für rund 3,8 Milliarden Euro knapp ein Viertel der Aktien von Schering gekauft. Zusammen mit den Bayer inzwischen von Schering-Aktionären angedienten Aktien hat sich Bayer nach eigenen Angaben den Zugriff auf 61,52 Prozent der Schering-Papiere gesichert.

          Was ist Schering den Bietern wert?

          Einige Aktionäre, die Bayer ihre Aktien angedient hatten, waren von dieser Zusage am Freitag wieder zurückgetreten. Wohl deshalb hat Bayer nicht nur über die Börse, sondern offenbar auch in direkten Vereinbarungen mit institutionellen Anteilseignern von Schering 23,09 Prozent der Schering-Aktien zu Preisen von je 84,71 bis 86 Euro gekauft. Damit hat Bayer maximal so viel gezahlt, wie den Schering-Aktionären im Rahmen der Übernahmeofferte je Aktie in bar geboten wird.

          Das Schering-Papier hatte am Freitag 0,5 Prozent höher zu einem Kurs von 86,25 Euro geschlossen. Auch dieser trotz hoher Umsätze nur geringe Kursgewinn deutet darauf hin, daß der weit größte Teil der Transaktionen direkt zwischen Bayer beziehungsweise seinen Investmentbanken und institutionellen Aktionären abgewickelt worden sein muß. Denn zeitgleich hat auch Merck seine Schering-Beteiligung auf 18,6 von zuvor gut 10 Prozent aufgestockt. Wie es in einer Mitteilung an die amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde SEC heißt, hat Merck am Freitag weitere 16,2 Millionen Aktien zum Durchschnittskurs von 85,95 Euro gekauft.

          Die angestrebte Dreiviertelmehrheit ist fraglich

          Die Beteiligung war erst in den Tagen zuvor kräftig erhöht worden. Zu seinen Motiven wollte Merck abermals keinen Kommentar abgeben. Auch Bayer lehnte eine Stellungnahme ab, hatte das Vorgehen von Merck am Freitag aber noch scharf kritisiert (siehe auch:Bayer wirft Merck Blockadepolitik vor). Unter Beobachtern gilt es als wahrscheinlich, daß Bayer die angestrebte Dreiviertelmehrheit verfehlen wird. Das Übernahmeangebot wäre dann hinfällig.

          Sowohl Bayer als auch Merck könnten dann einen neuen Anlauf zur Übernahme unternehmen oder in Verhandlungen zu einer gütlichen Einigung kommen, die bis hin zur Zerschlagung von Schering führen kann. Für Merck könnten die Aktivitäten von Schering in der Krebsforschung interessant sein oder auch das Vertriebsnetz in den Vereinigten Staaten und Japan. Nachdem zuvor zunächst Merck versucht hatte, Schering zu einem Preis von 77 Euro je Aktie und gegen den Willen des Schering-Vorstands zu übernehmen, hatte sich Bayer mit dem Schering-Vorstand auf die Übernahme zum Preis von 86 Euro je Aktie geeinigt. Das Übernahmeangebot hat damit ein Volumen von 16,5 Milliarden Euro.

          Merck hatte immer wieder betont, Schering sei so viel nicht wert. Die Frist zur Annahme seines Angebots hatte Bayer vor anderthalb Wochen überraschend verlängert. Deshalb ist es Bayer rechtlich nun nicht mehr möglich, seine Offerte noch einmal aufzustocken. Seit Beginn der Verlängerungsfrist kauft Merck Schering-Aktien auf und setzt damit Bayer unter Druck.

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