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Pharma : Sanofi-Aventis greift nach Genzyme

  • Aktualisiert am

Genzyme ist eines der ältesten Biotech-Unternehmen der Welt Bild: REUTERS

Der französische Pharmakonzern will sich das BiotechUnternehmen einverleiben. Doch die Amerikaner lehnen das Angebot über 18,5 Milliarden Dollar in bar ab.

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          chs./lid. PARIS/NEW YORK, 30. August. Der Übernahmekampf um das amerikanische Biotech-Unternehmen Genzyme verschärft sich. Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis, der das Unternehmen gerne kaufen würde, hat erstmals seine Offerte detailliert der Öffentlichkeit vorgelegt und sich damit auch an die Genzyme-Aktionäre gewendet.

          Die Führung des amerikanischen Unternehmens hat bisher Verhandlungen mit dem französischen Konzern abgelehnt und am Montag das Übernahmeangebot auch offiziell zurückgewiesen. Daraufhin sind die Kursgewinne der Sanofi-Aventis-Aktie von zeitweise 5 Prozent an der Pariser Börse am Montag auf ein kleines Plus zusammengeschmolzen. Die Genzyme-Aktie gewann in New York dagegen im frühen Handel fast 4 Prozent auf 70,4 Dollar und notierte damit über den von Sanofi-Aventis gebotenen 69 Dollar je Aktie. Etliche Analysten sehen die Übernahmeschlacht erst an ihrem Anfang.

          Genzyme, das seinen Sitz in Cambridge, Massachusetts hat, ist eines der größten amerikanischen Biotech-Unternehmen. Im vergangenen Jahr hat es bei einem Umsatz von 4,5 Milliarden Dollar einen Nettogewinn von 422 Millionen Dollar ausgewiesen. Genzyme ist vor allem auf seltene Erkrankungen spezialisiert; sein Spektrum reicht von Erkrankungen der Niere und des Immunsystems bis zu Krebs. Die Bekämpfung seltener Erbkrankheiten wie Morbus Gaucher oder Morbus Fabry gehören zu seinen besonderen Stärken. Genzyme kämpfte in jüngster Zeit allerdings mit Problemen in seiner wichtigsten Produktionsanlage, die wegen Verunreinigungen zwischenzeitlich geschlossen werden musste. Chris Viehbacher, der Vorstandsvorsitzende von Sanofi-Aventis führte dies am Montag in einem Telefonat mit Analysten als einen Beleg dafür an, dass Genzyme einen großen Partner brauche. „Genzyme schneidet seit mehreren Jahren schlechter ab als seine Konkurrenten“, kritisierte Viehbacher.

          Der französische Konzern, der mit seinen traditionellen Verkaufsschlagern stark unter Druck der Generikahersteller steht, bietet insgesamt 18,5 Milliarden Dollar in bar für Genzyme. Dies entspricht einem Aufschlag von 38 Prozent gegenüber dem Kurs am 1. Juli, als erste Übernahmegerüchte aufkamen. Die Summe erreicht auch das 36fache des für 2010 und das 20fache des für 2011 erwarteten Genzyme-Gewinns.

          Doch Genzyme hat Sanofi-Aventis am Montag zunächst abblitzen lassen. Der Verwaltungsrat habe das Angebot am Sonntagabend einstimmig zurückgewiesen, hieß es in einer Mitteilung. Der Genzyme-Vorstandsvorsitzende Henri Termeer sprach in einem scharf formulierten Brief an Viehbacher von einem „opportunistischen Angebot mit einem unrealistischen Startpreis, der unser Unternehmen dramatisch unterbewertet.“ Termeer sagte, es gebe keine Basis für Übernahmeverhandlungen, da das am Sonntag vorgelegte Übernahmeangebot keinerlei Verbesserung gegenüber der im Juli gemachten, nicht-öffentlichen Offerte darstelle. Nach den Worten von Termeer hätten Viehbacher und seine Berater die Bereitschaft signalisiert, einen höheren Preis zu bezahlen, wollten aber nicht gegen sich selbst bieten.

          Abgesehen von einigen Telefongesprächen zwischen Viehbacher und Termeer, sowie einem kurzen Treffen der Investmentbänker gab es bisher keinen Kontakt zwischen den beiden Unternehmen. Der Sanofi-Chef unterstreicht in einem Brief an Termeer seine Entschlossenheit. „Wir ziehen alle Optionen in Betracht, um diese Transaktion abzuschließen“, also auch ein feindliches Übernahmeangebot. Sanofi-Aventis setzt dabei nicht zuletzt auf die Aktionärs-Aktivisten bei Genzyme, Carl Icahn und die Gesellschaft Relational Investors, die die Genzyme-Führung kürzlich scharf angegriffen haben, weil der Aktienkurs anderthalb Jahre lang kaum von der Stelle kam. (Kommentar, Seite 16)

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