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Pharma : Pfizer spürt die Konkurrenz für Viagra

Viagra bekommt Konkurrenz Bild: dpa

Viagra, das Medikament, das manchmal etwas abfällig als "Potenzpille" bezeichnet wird, hilft allein in Deutschland mehr als einer Million Männern bei Erektionsstörungen. Jetzt gibt es Konkukurrenz. Über die Folgen äußert sich der Deutschland-Chef von Pfizer im Gespräch mit der F.A.Z.

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          Viagra, das Medikament, das manchmal etwas abfällig als "Potenzpille" bezeichnet wird, hilft allein in Deutschland mehr als einer Million Männern bei Erektionsstörungen. Für seinen Hersteller Pfizer war das bisher ein glänzendes Geschäft. Doch inzwischen gibt es Konkurrenz von zwei Wettbewerbern. Eli Lilly hat seit März ein Wettbewerbsprodukt zu Viagra mit dem Namen "Cialis" auf dem Markt. Vor wenigen Tagen hat Bayer mit seinem Partner Glaxo Smith Kline und dem Medikament "Levitra" nachgezogen. Schon spürt Pfizer die ersten Auswirkungen: Der Umsatz mit Viagra stagniert in Deutschland zur Zeit. Gleichwohl gibt sich Walter Köbele, Vorsitzender der Geschäftsführung der Pfizer Deutschland GmbH, kämpferisch: "Es gibt allein in Deutschland noch immer rund vier Millionen Männer, deren Erektionsstörungen nicht behandelt werden." Die Konkurrenz belebe in diesem Fall tatsächlich das Geschäft. Die stärkere Aufklärung durch die verschiedenen Anbieter von Tabletten, die alle einem vergleichbaren Wirkprinzip folgen, baue Tabus ab und weite die Zahl der erreichbaren Patienten erheblich aus.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          "Der Markt ist allein durch den Eintritt von Eli Lilly um 30 bis 40 Prozent vergrößert worden", sagte Köbele im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Marktanteil von Pfizer sei zwar von etwa 90 auf nun rund 60 Prozent zurückgegangen, wozu bisher vor allem Cialis beigetragen hat. Köbele rechnet aber damit, daß sich Viagra im Wettbewerb durchsetzen wird. Der im Medikament enthaltene Wirkstoff zeichne sich unter anderem dadurch aus, entsprechend den Bedürfnissen der meisten Paare vier bis fünf Stunden zu wirken und dann wieder rasch aus dem Körper ausgeschieden zu werden. Schließlich werde es nicht unbedingt von jedermann gewünscht, den Körper über Tage mit einem Medikament wie Cialis zu belasten, obwohl keine Wirkung mehr nötig sei. Zum anderen werde bei Cialis laut Beipackzettel von einer täglichen Einnahme deutlich abgeraten. Mit Blick auf das neue Bayer-Medikament, das Viagra in seiner Zusammensetzung und damit auch Wirkung ähnlicher ist als Cialis, setzt Köbele darauf, daß Viagra inzwischen sehr viel besser untersucht worden ist und damit auch größere Gewißheit über die Nebenwirkungen besteht.

          "Wir wissen zum Beispiel, daß Viagra einen positiven Einfluß auf die Herz- und Gefäßfunktion hat, das ist bei Levitra und Cialis nicht nachgewiesen." In diesem Zusammenhang würde es Köbele begrüßen, wenn es den Arzneimittelherstellern, die nach durchschnittlich zwölf Jahren Erforschung und Entwicklung eines Wirkstoffes das meiste Wissen über die Präparate hätten, auch in Europa erlaubt werden würde, den Verbraucher direkt zu informieren. Das sei im vergangenen Jahr vom Europäischen Parlament aber trotz eines entsprechenden Vorstoßes der Europäischen Kommission abgelehnt worden.

          Eine direkte Ansprache der Patienten könnte Pfizer wohl auch dabei helfen, sein neues Rheumamittel "Bextra" zu vermarkten, das ähnlich wie das schon auf dem Markt eingeführte "Celebrex" die Magenschleimhaut sehr viel weniger belastet als herkömmliche Schmerzmittel, etwa mit dem Wirkstoff "Diclofenac" oder "Ibuprufen". "Die neuen Präparate werden zwar von den Krankenkassen wegen ihrer hohen Kosten kritisiert, doch wird dabei übersehen, daß in Deutschland in jedem Jahr zwischen 2000 und 3000 Menschen wegen eines von älteren Medikamenten verursachten Magendurchbruchs sterben", sagt Köbele.

          Anstatt couragierten Patienten mehr Gestaltungsmöglichkeiten auf ihre Versicherung, die abgedeckten Leistungen und die für sie zugänglichen Medikamente zu geben, entwickle sich das deutsche Gesundheitssystem in die Gegenrichtung. Deshalb hält Köbele auch gar nichts vom geplanten neuen "Zentrum für Qualität in der Medizin", das eine zentrale Kosten-Nutzen-Analyse von bereits zugelassenen Medikamenten vornehmen soll und in der Konsequenz nicht nur nach der Befürchtung von Köbele, sondern der gesamten Branche die Verschreibung innovativer Medikamente für Kassenpatienten verzögern wird. Nach den Worten von Köbele wird bei allen Kostenbetrachtungen zu Medikamenten ohnehin unterschätzt, wie segensreich sich etwa eine frühzeitige Behandlung mit cholesterinsenkenden Präparaten auf die künftige Zahl von Schlaganfällen oder Herzinfarkten und damit Patienten und Angehörige auswirken kann. "In 20 bis 30 Jahren werden 40 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre sein. Schon heute zählen wir aber jedes Jahr 200 000 bis 250 000 Schlaganfälle. In zwanzig Jahren wird diese Zahl, wenn wir nichts dagegen tun, oberhalb von 500 000 liegen."

          Künftig werde Deutschland daher auf einem Berg von Problemen sitzen, den die heutige Sparpolitik im Gesundheitswesen aufhäufe. Ziel der Gesundheitspolitik und der forschenden Arzneimittelhersteller müsse es hingegen sein, ihren Beitrag zu leisten, daß die Menschen gesünder alt werden. Das sogenannte Qualitätszentrum sorge aber in der geplanten Konzeption dafür, daß ein Standard verschrieben werde, der schon heute nicht mehr dem Stand der Wissenschaft entspreche und schon gar nicht die bestehende Unterversorgung mit modernen Medikamenten abbauen werde.

          Pfizer beschäftigt nach der Übernahme von Pharmacia in Deutschland in Vertrieb, Verwaltung und Produktion rund 6000 Mitarbeiter und setzt hier 1,9 Milliarden Euro um.

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