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Pharma : MSD kann Vioxx-Verlust 2005 ausgleichen

  • Aktualisiert am

Die deutsche Tochtergesellschaft des amerikanischen Pharmakonzerns Merck & Co. geht davon aus, den Umsatzverlust durch den Vermarktungsstopp des Schmerzmittels Vioxx im laufenden Jahr durch einen höheren Absatz anderer Produkte ausgleichen zu können.

          Die deutsche Tochtergesellschaft des amerikanischen Pharmakonzerns Merck & Co. geht davon aus, den Umsatzverlust durch den Vermarktungsstopp des Schmerzmittels Vioxx im laufenden Jahr durch einen höheren Absatz anderer Produkte ausgleichen zu können. Zwar hatte Vioxx bis zum vergangenen Jahr einen Umsatzanteil von rund 20 Prozent. "Doch unser Umsatz von zuletzt wahrscheinlich rund 535 Millionen Euro wird nicht unbedingt weiter sinken, den Vioxx-Effekt können wir in Deutschland hoffentlich auffangen", sagte Stefan Oschmann, der Vorsitzende der Geschäftsführung der MSD Sharp & Dohme GmbH in Haar bei München, dieser Zeitung.

          Daß das Wachstumstempo der Jahre zwischen 1992 und 2002 nicht zu halten sein würde, wußte Oschmann zudem schon vor den Schwierigkeiten mit Vioxx. In dieser Zeit hatte MSD seinen Umsatz von 301 Millionen auf 689 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Im gleichen Tempo war die Zahl der Mitarbeiter des Unternehmens, das in Deutschland wegen der in Darmstadt ansässigen Merck KGaA nicht Merck & Co. heißen darf, von 789 im Jahr 1994 auf rund 1400 gestiegen.

          Dieser Aufstieg nahm ein absehbares Ende, denn Oschmann hatte schon vor den Vioxx-Problemen mit dem Patentablauf für den Cholesterinsenker Zocor zu kämpfen, der einmal das zweitwichtigste Medikament auf dem deutschen Pharmamarkt gewesen ist und MSD einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro beigesteuert hat. Vorhersehbare Patentabläufe regen Oschmann trotz ihrer zum Teil gravierenden Auswirkungen auf den Umsatz aber noch lange nicht so auf wie die deutsche Gesundheitspolitik.

          Dort hat MSD zwar das Glück, mit keinem seiner patentgeschützten Medikamente in den neuen Festbetrags-Jumbogruppen vertreten zu sein, in denen für geschützte Präparate und solche, deren Patent schon abgelaufen ist, ein einheitlicher Preis festgesetzt wird. Auch geht MSD nicht davon aus, daß sich an dieser Situation kurzfristig in möglichen neuen, noch zu bildenden Festbetragsgruppen etwas ändern wird. Dennoch lehnt Oschmann diese Regelung grundsätzlich ab. "Wir sind gegen Festbeträge in jeder Form, sie schaden langfristig dem Gesundheitssystem, sind schlecht für das Innovationsklima und sie sparen auch kein Geld", sagt Oschmann. "Hier signalisiert ein Monopoleinkäufer, welchen Preis er bezahlen möchte, der Preiswettbewerb ist ausgeschlossen." Viel besser wäre es, wenn in der Branche Prinzipien des Wettbewerbs Einzug hielten: "Bei den Medikamenten, die heute in den Festbetragsgruppen der Triptane und Sartane zusammengefaßt werden, gab es früher große Preisunterschiede und damit auch Wettbewerb. Der wird nun verhindert", sagt Oschmann. Bei Triptanen handelt es sich um Medikamente zur Migränebehandlung, Sartane dienen unter anderem zur Behandlung des Bluthochdrucks.

          Oschmann ist zwar davon überzeugt, daß sich an dem zur Zeit gültigen System bis zu den nächsten Bundestagswahlen nichts Grundsätzliches mehr ändern wird. "Doch ist das derzeitige Verfahren zur Festsetzung der Festbeträge und zur Entscheidung darüber, welche Medikamente einbezogen werden und welche nicht, völlig ungeeignet." Es gebe mit dem zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen keinen Dialog und bei den Entscheidungen keine Kontrollmöglichkeit durch die Öffentlichkeit. Im Dialog mit der Politik hat Oschmann eine überraschende Erkenntnis gewonnen: "Ich gehe davon aus, daß auch die Bundesregierung über die bisherige Anwendung der Innovationsschutzklausel im Gesetz überrascht ist." Tatsächlich hat diese Klausel bei den bisherigen Entscheidungen des Ausschusses noch in keinem Fall Anwendung gefunden.

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