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Pharma : Marktführer Takeda in Kauflaune

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Japans Pharmaunternehmen planen harsche Einschnitte, um im härter werdenden Wettbewerb zu bestehen.

          2 Min.

          Japans Pharmaunternehmen planen harsche Einschnitte, um im härter werdenden Wettbewerb zu bestehen. Während die Regierung in Tokio den Markt für ausländische Anbieter weiter öffnen und die Preise für viele Medikamente drastisch reduziert sehen will, haben die Marktführer Takeda Chemical Industrie Ltd. und Sankyo Co. nach dem profitablen Geschäftsjahr 2002 nun angekündigt, ihre Vorstände neu zu besetzen, Produktion und Vertrieb zu straffen und den Unternehmenswert mittelfristig zu steigern. So könnten für sie vor allem kleine, aber gewinnträchtige heimische Anbieter interessante Einstiegs- und Übernahmekandidaten sein.

          Unternehmen mit hoher Eigenkapitalrentabilität wie Yamanouchi Pharmaceutical erfreuen sich bei ausländischen Portfolioinvestoren bereits großer Beliebtheit. Finanzkräftige europäische und amerikanische Unternehmen wie Schering, Roche oder Merck haben die schrittweise Öffnung des Marktes schon für Akquisitionen genutzt. Die Roche-Gruppe erwarb im Herbst Chugai Pharmaceutical Co., Merck kaufte vor wenigen Wochen Banyu Pharmaceutical. Nun werden ähnliche Schritte von Takeda erwartet. Derzeit verfügt Japans Marktführer über liquide Mittel von umgerechnet 7,5 Milliarden Euro. Seit Monaten drängen die Aktionäre darauf, dieses Kapital zur Steigerung des Marktwertes von momentan 25 Milliarden Euro einzusetzen.

          In diesem Zusammenhang kündigte Takeda nun an, für 140 Milliarden Yen (1 Milliarde Euro) eigene Aktien zurückkaufen zu wollen. Diese könnten unter anderem als Akquisitionswährung eingesetzt werden. Damit ließe sich weiteres Wachstum generieren. Wurde doch für das laufende Jahr im angestammten Geschäft gerade ein leichter Rückgang der Erlöse abgekündigt. Gründe dafür sind unter anderem die Sparmaßnahmen der Regierung im Gesundheitswesen. Dennoch geht Takeda von einer konstanten Entwicklung seiner Gewinne aus. Anders als Sankyo, die Nummer zwei auf dem Markt, steigerte Takeda 2002 seinen Überschuß dank bereits eingeleiteter Neuausrichtungen um 15 Prozent auf umgerechnet zwei Milliarden Euro. Die Erlöse wuchsen um vier Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Dagegen mußte Sankyo das vierte Jahr in Folge einen Rückgang seines Überschusses verbuchen.

          Trotz einer leichten Erhöhung der Erlöse rutschte der Nettogewinn mehr als zehn Prozent ab. Dabei standen dem gut verlaufenden Auslandsgeschäft herbe Einbußen im heimischen Markt gegenüber. Dafür macht das Management unter anderem die Medikamentenpolitik der Regierung verantwortlich. So wird auch für das im April begonnene Geschäftsjahr abermals mit Ertragsrückgängen gerechnet. Nun geht Sankyo an die Kosten. Im Rahmen eines Drei-Jahres-Planes sollen vier Produktionsstandorte ausgegründet, Führungspositionen neu besetzt und tausend Arbeitsplätze gestrichen werden. Damit sind den Angaben nach Kosteneinsparungen von umgerechnet 75 Millionen Euro verbunden. Nichtsdestotrotz werden die jährlichen Forschungsaufwendungen auf knapp 100 Milliarden Yen (750 Millionen Euro) erhöht, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Takeda hat diese Grenze bereits durchbrochen. Yamanouchi Pharmaceutical Co. steht das noch bevor.

          Das, gemessen an Erlösen, drittgrößte Pharmaunternehmen Japans gibt im Jahr umgerechnet knapp 500 Millionen Euro für die Forschung aus. Damit sieht es sich weiterhin auf gutem Wege. Werden doch nach den zurückliegenden Rekordergebnissen in diesem Jahr weitere Zuwachsraten von drei Prozent versprochen. Auch Eisai Co., die Nummer vier in Japan, hat nach dem vergangenen Rekordjahr abermals ein kräftiges Wachstum in Aussicht gestellt. Dabei sollen 500 Milliarden Yen (3,7 Milliarden Euro) erlöst werden. Der Überschuß wird auf 50 Milliarden Yen veranschlagt. Wachstumsmöglichkeiten sehen die japanischen Anbieter angesichts der gespannten Lage auf dem heimischen Markt vor allem im Ausland. So setzen etwa Takeda, Yamanouchi und Eisai seit den neunziger Jahren verstärkt auf Europa und Amerika. (fib.)

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