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Pharma : "Keine Regierung kann den Bedarf der Menschen unterdrücken"

Das Wachstum der vergangenen zehn Jahre ist beeindruckend: Zwischen 1992 und 2002 hat MSD Sharp & Dohme, die eher mittelständisch strukturierte deutsche Tochtergesellschaft des amerikanischen Pharmakonzerns Merck & Co., ihren Umsatz von 301 Millionen auf 689 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

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          Das Wachstum der vergangenen zehn Jahre ist beeindruckend: Zwischen 1992 und 2002 hat MSD Sharp & Dohme, die eher mittelständisch strukturierte deutsche Tochtergesellschaft des amerikanischen Pharmakonzerns Merck & Co., ihren Umsatz von 301 Millionen auf 689 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Im gleichen Tempo ist die Zahl der Mitarbeiter des Unternehmens, das in Deutschland wegen der in Darmstadt ansässigen Merck KGaA nicht Merck heißen darf, von 789 im Jahr 1994 auf 1432 im vergangenen Jahr gestiegen. Doch wird es so nicht weitergehen. "In den Jahren 2003 und 2004 erwarten wir eher eine Seitwärtsbewegung beim Umsatz", sagt Stefan Oschmann, Vorsitzender der MSD-Geschäftsführung, im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Grund dafür sei einerseits der Patentablauf für den Cholesterinsenker Zocor, das nach den Worten von Oschmann das zweitwichtigste Medikament auf dem deutschen Pharmamarkt gewesen ist und einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro beigesteuert hat. "Auf den vorhersehbaren Verlust des Patentschutzes konnten wir uns aber einstellen und haben zum Beispiel mit Schering-Plough ein neues Mittel zur Cholesterinsenkung auf den Markt gebracht." Das werde einen Teil des negativen Zocor-Einflusses ausgleichen.

          Den anderen, wichtigeren Grund für die bevorstehende Stagnation glaubt Oschmann deshalb auch in der deutschen Gesundheitspolitik ausgemacht zu haben. "Das jüngste Gesetz zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen betrifft 80 bis 90 Prozent der von uns angebotenen Produkte. Das ist im Wettbewerbsvergleich viel", sagt Oschmann. Belastender Faktor für MSD sind nach seinen Worten besonders die inzwischen beschlossenen Zwangsrabatte auf patentgeschützte Arzneimittel, die von derzeit 6 auf 16 Prozent steigen werden. Diese Neuregelung werde MSD allein im kommenden Jahr rund 80 Millionen Euro Ertrag kosten. Zudem: "Ohne den höheren Zwangsrabatt könnten wir im kommenden Jahr ein zweistelliges Umsatzwachstum schaffen, mit dem Rabatt wird das aber sehr schwer."

          Die schlechteren Aussichten schlagen sich schon jetzt auch in der Entwicklung der Zahl der Arbeitskräfte nieder. "Bei uns gilt inzwischen ein Einstellungsstopp. Dabei hatten wir eigentlich vor, noch mehrere hundert Arbeitsplätze aufzubauen." Der ursprünglich geplante Aufbau liege nun auf Eis. Tatsächlich sei die Zahl der Stellen durch die Ausnutzung der natürlichen Fluktuation schon um rund 100 reduziert worden. Das müßte nicht so sein, denn Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten und Japan nach wie vor der drittgrößte Pharmamarkt der Welt und für einen amerikanischen Konzern wie Merck & Co. daher entsprechend wichtig. Merck & Co. ist deshalb schon seit fast 40 Jahren mit einer eigenen Tochtergesellschaft in Deutschland vertreten; seit 1994 sitzt das Unternehmen in Haar bei München. Neben dem Vertrieb ist die Gesellschaft mit der klinischen Forschung befaßt, für die bei Merck & Co. nur in den Vereinigten Staaten mehr Mitarbeiter tätig sind.

          "In der Regel liegt Deutschland beim Umsatz der international tätigen Pharmakonzerne trotz dieser Bedeutung aber nicht mehr an dritter Stelle", beklagt Oschmann. Das Widersprüchliche daran sei, daß Deutschland gerade wegen des in dieser Situation verborgenen Aufholpotentials eigentlich ein besonders interessanter Markt sein müsse. Das gelte besonders für die Hersteller innovativer, patentgeschützter Arzneimittel wie eben Merck & Co., weil gerade die von diesen Unternehmen angebotenen Medikamente im Vergleich zu anderen Ländern in Deutschland sehr viel seltener eingesetzt würden. Das sei auch der Grund, warum Merck & Co. und damit MSD in den vergangenen Jahren in Deutschland viel Geld investiert habe.

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