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Pharma : Eli Lilly rät von großen Pharma-Zusammenschlüssen ab

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Der Zusammenschluß großer Pharmakonzerne steigert die Effizienz der Forschung nicht. Dieser Meinung ist Charles E. Golden, Finanzvorstand des in Indianapolis ansässigen Unternehmens Eli Lilly.

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          Kno. FRANKFURT, 1. April. Der Zusammenschluß großer Pharmakonzerne steigert die Effizienz der Forschung nicht. Dieser Meinung ist Charles E. Golden, Finanzvorstand des in Indianapolis ansässigen Unternehmens Eli Lilly, und gibt damit einen Tag vor der nächsten Aufsichtsratssitzung des französisch-deutschen Pharmakonzerns Aventis aus grundsätzlichen Überlegungen heraus einen Hinweis darauf, wie lohnend es sein kann, in der Pharmabranche aus eigener Kraft zu wachsen. Aventis sieht sich derzeit einem von seinem Management als feindlich empfundenen Übernahmeversuch durch den französischen Wettbewerber Sanofi-Synthélabo gegenüber und muß am heutigen Freitag darüber entscheiden, ob ein mögliches Angebot durch den Schweizer Pharmakonzern Novartis für Aventis und seine Aktionäre die bessere Lösung wäre. Branchenkenner halten es für sehr wahrscheinlich, daß der Aventis-Aufsichtsrat dem Wunsch des Novartis-Chefs Daniel Vasella entsprechen wird, eine Einladung zu einem Übernahmeangebot auszusprechen.

          Wie zu hören ist, haben die Novartis-Großaktionäre Novartis-Stiftung, die Sandoz-Familie, die Investmentbank JP Morgan Chase und die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse Verhandlungen mit Aventis inzwischen gebilligt. Auch der einzige Aventis-Großaktionär Kuwait Petroleum Company steht Verhandlungen mit Novartis offenbar positiv gegenüber. Nach Ansicht von Golden geschehen große Zusammenschlüsse indes "grundsätzlich aus der Position der Schwäche mindestens eines der beiden Partner" heraus. Zudem bleibe die Entwicklung des Aktienkurses der fusionierten Konzerne oft hinter derjenigen der weiterhin selbständigen Unternehmen zurück. Nicht zuletzt sorge eine solche Transaktion in den für die jeweiligen Pharmakonzerne so wichtigen Forschungsabteilungen für große Unruhe.

          "Wir würden uns über den nächsten großen Zusammenschluß in der Branche freuen, gibt uns so ein Vorgang doch in der Regel die Möglichkeit, gute Forscher von den beteiligten Unternehmen aufzunehmen", sagte Golden im Gespräch mit dieser Zeitung. Lilly hat in der Vergangenheit stets auf große Übernahmen verzichtet und setzt auf kleinere Zukäufe sowie auf Entwicklungs- und Vermarktungspartnerschaften. Das Ergebnis: Nach der Ansicht der Investmentbank Merrill Lynch hat Lilly unter den führenden amerikanischen Pharmakonzernen die besten Wachstumschancen. So geht Merrill-Lynch-Analyst David Risinger davon aus, daß Lilly seinen Umsatz im kommenden Jahr um 11 Prozent steigern kann, während der Industriedurchschnitt nur bei 5 Prozent liege. In den vergangenen zwölf Monaten hätten sich die Aktien zudem besser entwickelt als die von Pfizer, Merck & Co. oder Schering-Plough.

          Der Analyst erwartet, daß Lilly innerhalb eines Jahres drei neue sogenannte "Blockbuster"-Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehr als 1 Milliarde Dollar auf den Markt bringen wird. Den Erfolg in seiner Forschung führt Golden unter anderem auf rigide und regelmäßige Erfolgskontrollen für jedes einzelne in der Entwicklung befindliche Molekül zurück, zudem ziehe der gute Ruf der Forschungseinrichtung von Eli Lilly andere, hochqualifizierte Mitarbeiter gleichsam automatisch an. "Das funktioniert wie ein Magnet." Anders als etwa Aventis und Sanofi-Synthélabo kann sich Lilly auch darüber freuen, daß bis zum Jahr 2011 keine wichtigen Patente bedroht sind. Zudem hat sich das 2003 eingeführte Potenzmittel Cialis auf dem Markt sehr bewährt. Nach den Worten von Rolf Hoffmann, Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft Lilly Pharma Holding, liegt der Marktanteil von Cialis in Deutschland schon bei einem Drittel. Hinzu komme, daß das Marktvolumen insgesamt um gut 30 Prozent gewachsen sei.

          Während die Übernahme von Aventis sowohl für Novartis als auch für Sanofi besonders wegen der Marktstellung interessant ist, die sich Aventis in Amerika erarbeitet hat, muß auch Lilly einräumen, daß die teuren Forschungsarbeiten in der Branche nur deshalb bezahlbar sind, weil wenigstens in den Vereinigten Staaten noch attraktive Preise für innovative Arzneimittel gezahlt werden. "Dennoch ist Deutschland für uns ein wichtiger Markt, und wir sind froh, uns hier in den vergangenen acht Jahren von der 27. auf die 15. Position unter den größten Anbietern vorgearbeitet zu haben", sagt Golden. Auch werde am deutschen Forschungsstandort in Hamburg festgehalten. Doch müsse um die geplante Verdopplung seiner Größe gekämpft werden, sagt Hoffmann, der den deutschen Politikern vor diesem Hintergrund empfiehlt, für innovative Medikamente die freie Preisbildung zuzulassen und die Festbeträge für Nachahmerpräparate (Generika) zu streichen. "Mit der freien Preisbildung für alle ließen sich in jedem Jahr 1,4 Milliarden Euro sparen", sagt Hoffmann, denn Generika seien in Deutschland durchschnittlich 25 Prozent teurer als in den Vereinigten Staaten.

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