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Pharma : Der Teamchef

Der zurückhaltende Alessandro Banchi, der Chef von Boehringer Ingelheim, ist das Gegenteil eines Vorstandsvorsitzenden mit Star-Charakter. Das ist als Kompliment gemeint.

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          Der zurückhaltende Alessandro Banchi ist das Gegenteil eines Vorstandsvorsitzenden mit Star-Charakter. Das ist als Kompliment gemeint. Wie steht Apple da, wenn es Steve Jobs an der Spitze nicht mehr gibt? Schlecht. Was hat es Ron Sommer genutzt, daß man seinen Namen mit dem der Deutschen Telekom einst in einem Atemzug genannt hat? Nichts. Gar nicht zu reden vom ehemaligen Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff, der am Ende die Machtsituation in seinem Familienkonzern nicht mehr richtig eingeschätzt hat. Anders bei Banchi, dessen Person und Name hinter dem seines - in der Öffentlichkeit auch nicht sehr bekannten - Arbeitgebers vornehm zurücktritt. "Es zeichnet ihn aus, daß er nicht nur ein perfekter Fahrer, sondern der Anführer eines gut funktionierenden internationalen Teams ist." Das sagt der elegant gekleidete Banchi zwar nicht über sich selbst, sondern über den Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher. Aber der Satz über Schumacher beschreibt eben auch sehr treffend, wie der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim vom Teamchef Banchi, dessen tatsächlicher Titel "Sprecher der Unternehmensleitung" ist, geführt wird: in Form eines reibungslosen Zusammenspiels qualifizierter Kollegen aus vielen Ländern. Der Mann ist Erster unter Gleichen.

          Carsten Knop
          Herausgeber.


          Daß sowohl Ferrari als auch das Unternehmen, für das Banchi tätig ist, auf eine große Tradition zurückblicken, ist Zufall. Von Schumacher hält der Italiener Banchi aber auch deshalb viel, weil der mit Ferrari für den aus seiner Sicht einzig wahren Rennstall fährt. Wer Banchis Büro besucht, blickt auf ein Regal mit vielleicht 25 roten Mini-Ferraris, die er in den Etagen seiner weißen Schrankwand geparkt hat. Natürlich hat Banchi das jüngste Rennen auf dem Hockenheimring besucht, auch wenn man vom eigentlichen Rennverlauf dort nicht soviel mitbekomme und den Überblick besser am Fernseher daheim behalte. "Beim Rennen sehen Sie aber die Geschwindigkeit, hören, ja, spüren die Lautstärke. Diesen Teil der Emotion bekommt man zu Hause nicht mit", sagt der im Geschäftsleben sicher nicht oft zu Gefühlsausbrüchen neigende Banchi sichtlich begeistert. Denn Formel 1-Fan ist er schon seit seiner Jugend.

          Der größte deutsche Pharmakonzern

          Den professionellen Überblick muß Banchi Tag für Tag bei einem Pharmakonzern behalten, der eben nicht Bayer, Schering oder Merck heißt, an die Markenbekanntheit von Ferrari ohnehin nicht annähernd heranreicht, wohl aber Deutschlands führendes Unternehmen der Branche ist. Die Zentrale von Boehringer Ingelheim ist in einem modernen Haus aus Stahl und Glas im idyllischen Ingelheim am Rhein zu finden, einer Stadt mit 25000 Einwohnern in der Nähe von Mainz. Wein gedeiht hier gut, zudem gibt es eine Kaiserpfalz, die um 800 nach Christus erbaut worden ist. Die Säulen der Pfalz zieren das Logo eines Unternehmens, das sich im Besitz der Familien Boehringer und von Baumbach befindet und mit dieser Eigentümerstruktur abseits der Kurzatmigkeit der Börse in den vergangenen Jahren bestens gefahren ist. Banchi weiß diese Konstellation sehr zu schätzen. Auch die von ihm geübte freundliche Zurückhaltung mit Blick auf die Beschreibung seiner eigenen Person läßt sich in einem Familienunternehmen besser pflegen. Banchi muß seine Irritation nicht heucheln, wenn er darum gebeten wird, stellvertretend für sein Unternehmen Porträt zu stehen.

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