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Pharma : Boehringer läßt Konkurrenz hinter sich

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Der größte deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim wächst schneller als der Markt, und das aus eigener Kraft, ohne andere Unternehmen zu übernehmen. So soll es auch in Zukunft sein.

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          Der größte deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim wächst schneller als der Markt, und das aus eigener Kraft, ohne andere Unternehmen zu übernehmen. So soll es auch in Zukunft sein: "Wir planen keine Akquisitionen, auch nicht von Herstellern von Nachahmermedikamenten", sagte Alessandro Banchi, der Sprecher der Unternehmensleitung, in Ingelheim am Rhein.

          Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hatte dieses Geschäft jüngst durch die Übernahme des deutschen Unternehmens Hexal deutlich ausgebaut. Auch die deutsche Merck KGaA strebt den weiteren Ausbau ihrer Generikasparte durch Übernahmen an. "Generika sind aber kein globales, sondern ein lokales Geschäft", sagte Banchi. Das eigene Unternehmen sei auf diesem Markt in den Vereinigten Staaten vertreten. Dort sei man darum bemüht, auch in den kommenden Jahren wettbewerbsfähig zu sein. Aber wiederum ebenfalls aus eigener Kraft. Das Unternehmen verfügt andererseits durchaus über die Liquidität für größere Übernahmen.

          Doch kann sich der bei Boehringer für die Finanzen zuständige Marbod Muff allenfalls den Erwerb von Vermarktungsrechten von Medikamenten vorstellen, die zuvor von Dritten entwickelt worden sind (sogenannte Einlizenzierungen). Nach den Worten von Forschungschef Andreas Barner sind solche Einlizenzierungen nicht - wie bei zahlreichen anderen Pharmakonzernen - auf bestimmte Therapiegebiete beschränkt: "Vielmehr suchen wir Präparate, die ein klares medizinisches Bedürfnis befriedigen." Das scheint derzeit besonders mit dem neuen Medikament Spiriva zur Behandlung der chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung zu gelingen. Das Medikament wurde von Boehringer Ingelheim entwickelt und wird gemeinsam mit Pfizer, dem größten Pharmakonzern der Welt, vermarktet. Mit Spiriva hat Boehringer im vergangenen Jahr einen Umsatz von 525 Millionen Euro gemacht (plus 130 Prozent). Schon in diesem Jahr hält es Banchi für möglich, mit Spiriva die Marke von 1 Milliarde Dollar Umsatz zu überschreiten. Dann hätte das Medikament den in der Branche vielbeachteten, sogenannten "Blockbuster"-Status erreicht.

          So hat Spiriva seinen Anteil daran, daß der Umsatz der Gruppe im vergangenen Jahr um 10,5 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro gestiegen ist. Bereinigt um die Auswirkungen von Wechselkursen liegt das Umsatzwachstum sogar bei 16 Prozent. "Und für das laufende Geschäftsjahr erwarte ich, bereinigt um Wechselkurseffekte, eine Erlösentwicklung in der gleichen Größenordnung wie im vergangenen Jahr", sagte Banchi. Noch sehr viel stärker als der Umsatz ist mit einem Plus von gut 50 Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro das Ergebnis vor Steuern gestiegen. Damit erreicht das Unternehmen eine operative Rendite von 16,8 (Vorjahr: 12,2) Prozent und hat sich erstmals in den selbstgesteckten Zielkorridor von 16 bis 24 Prozent vorgearbeitet.

          Der Jahresüberschuß als Ergebnis nach Steuern ist mit einem Plus von 69 Prozent auf 908 Millionen Euro sogar noch deutlicher gestiegen. Doch liegt dies daran, daß die bei den Personengesellschaften in Deutschland anfallende Einkommensteuer der Gesellschafter nicht in der Gewinn- und-Verlust-Rechnung unter der Position "Steuern", sondern in der Bilanz unter "Kapitalentnahme" ausgewiesen wird. Da Boehringer als nicht börsennotiertes Familienunternehmen eine solche Personengesellschaft ist, führt dies 2004 zu einer deutlich niedrigeren Steuerquote, die aber nicht mit derjenigen von Kapitalgesellschaften verglichen werden kann.

          Die wichtigsten Umsatzträger waren im vergangenen Jahr Medikamente zur Behandlung gutartiger Prostatavergrößerung, gegen Arthritis und gegen Bluthochdruck sowie Mittel gegen Atemwegserkrankungen. Allein mit dem Medikament Alna/Flomax zur Behandlung von Prostatavergrößerung setzte das Unternehmen 740 Millionen Euro um (plus 0,6 Prozent). In diesem Jahr soll das neue Aidsmedikament Tipranavir eingeführt werden. Im vergangenen Jahr hat Boehringer rund 1,2 Milliarden Euro für die Forschung und Entwicklung ausgegeben. Auf dem lukrativen Markt in den Vereinigten Staaten setzte der Konzern mit verschreibungspflichtigen Medikamenten 2,65 Milliarden Euro um, 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit entfallen mittlerweile 44 Prozent des Umsatzes in diesem Bereich auf die Vereinigten Staaten. Der Konzern beschäftigte 2004 rund 35500 Menschen (plus 4 Prozent), und auch in Deutschland wurden in den vergangenen fünf Jahren 2000 Arbeitsplätze geschaffen.

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