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Pharma : Boehringer Ingelheim kritisiert deutsche Gesundheitspolitik

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Der größte deutsche Pharmahersteller ist in den Vereinigten Staaten abermals kräftig gewachsen; Deutschland und Europa hingegen haben am Konzernergebnis einen immer kleineren Anteil.

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          Der größte deutsche Pharmahersteller ist in den Vereinigten Staaten abermals kräftig gewachsen; Deutschland und Europa hingegen haben am Konzernergebnis einen immer kleineren Anteil. Rolf Krebs, der Sprecher der Boehringer-Ingelheim-Unternehmensleitung, führt diese Entwicklung besonders auf den Einfluß der Gesundheitspolitiker in Berlin und Brüssel zurück. "Sie tun leider alles Erdenkliche, um die Wettbewerbsfähigkeit der forschenden Pharmaindustrie in Deutschland und Europa weiter zu schwächen", sagte Krebs.

          Den Unternehmen fehle wegen immer neuer Vorschläge zur Kostensenkung im Gesundheitswesen jegliche Verläßlichkeit für ihre Planung. Eingriffe in die freie Preisbildung beziehungsweise Kürzungen der Preise für patentgeschützte Produkte, wie sie in Deutschland zur Zeit diskutiert würden, zerstörten das Vertrauen in die Zukunft der forschenden Arzneimittelindustrie.

          Boehringer Ingelheim ist es aber dennoch gelungen, seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 7,58 Milliarden Euro und seinen Jahresüberschuß um 34 Prozent auf 537 Millionen Euro zu steigern. Der Jahresüberschuß ist allerdings ausschließlich wegen steuerlicher Einflüsse überproportional gewachsen. Beim Bruttobetriebsergebnis ergibt sich ein Plus von 10,4 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Das durchschnittliche Wachstum des Betriebsergebnisses über die vergangenen fünf Jahre hinweg betrug nach den Worten des für die Finanzen zuständigen Marbod Muff 34 Prozent. Allerdings geht Muff wegen eines Investitionsprogramms zum Aufbau neuer Marketing- und Vertriebswege sowie von Produktionsanlagen für neue Medikamente vor allem in den Vereinigten Staaten von einer kurzfristigen Unterbrechung dieses konstanten Wachstumspfades aus. Die Investitionen in Sachanlagen von 634 Millionen Euro (plus 16 Prozent) konnten indes auch im vergangenen Jahr bequem aus dem Mittelzufluß (Cash-flow) von 1,05 Milliarden Euro (minus 6 Prozent) bezahlt werden.

          Große Hoffnungen, aber auch hohe Investitionen, verbindet Boehringer Ingelheim mit dem Präparat "Spiriva" zur Behandlung der chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung, das seit Mitte 2002 erfolgreich in den ersten Ländern eingeführt worden ist, und mit dem Produkt "Duloxetine", einem Wirkstoff, der gegen streßbedingte Harninkontinenz und Depression eingesetzt wird. Duloxetine ist ein Medikament, das ursprünglich vom Pharmahersteller Eli Lilly entwickelt worden ist. Medikamente zur Behandlung von Atemwegserkrankungen wiederum sind trotz eines inzwischen ausgeglicheneren Portfolios weiterhin eine Spezialität von Boehringer Ingelheim. Spiriva wurde im Januar 2003 in Kanada als erstem nordamerikanischen Markt eingeführt. Im weiteren Jahresverlauf wird die Einführung unter anderem in Südamerika sowie in weiteren europäischen Ländern erwartet.

          Bei der Verfolgung seiner Wachstumsziele im Pharmamarkt ist das Familienunternehmen trotz seiner inzwischen in Deutschland erreichten Position noch immer ein kleiner Mitspieler. Der Weltmarktführer Pfizer wird nach dem Zusammenschluß mit Pharmacia einen Marktanteil von 11 Prozent haben. Boehringer Ingelheim kommt auf einen Wert von 1,5 Prozent.

          Dennoch glaubt Muff, daß sich Boehringer Ingelheim mit seiner Entwicklungspipeline und Kooperationen mit Partnern auch künftig gut schlagen wird. Wichtigstes Produkt im Jahr 2002 war das Präparat "Alna/Flomax" gegen gutartige Prostatavergrößerung, bei dem der Umsatz um rund 23 Prozent auf 760 Millionen Euro gestiegen ist. Die Aktivitäten des Konzerns konzentrieren sich auf die Geschäfte Humanpharma und Tiergesundheit, wobei der Erlösanteil des Humanpharmageschäfts bei 96 Prozent liegt. (Kno.)

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