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Pfleiderer : Comeback der Spanplatte

Zwei Jahre nach der Insolvenz: Der Spanplattenhersteller Pfleiderer produziert wieder Holzplatten im großen Stil. Bild: Tobias Schmitt

Pfleiderer war insolvent. Jetzt hat der Holzwerkstoffhersteller eine moderne Fabrik und will die Spanplatten edler machen - auch für das Kreuzfahrtschiff Aida.

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          Ein warmer Wind hat die Luft mit einem feinen Staubschleier erfüllt, im Grau-in-Grau der menschenleeren Werkshalle ist das Sägemehl auf dem langen Förderband fast nicht zu erkennen. Besser ist die Sicht auf den Monitoren im gläsernen Leitstand. Hier überwachen drei Mitarbeiter die computergesteuerte Produktion, greifen ein, falls etwas schiefgeht beim Pressen der Holzspäne zu Spanplatten.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Aber eigentlich geht nichts schief, alles läuft vollautomatisch. 150 Lastwagen liefern hier im oberpfälzischen Neumarkt jeden Tag zerkleinerte Hölzer und Hackschnitzel ab, aus denen im Jahr 900 000 Kubikmeter Platte im Drei-Schicht-Betrieb hergestellt werden - genug, um damit ein Bundesland von der Größe Bayerns zu bedecken.

          „Spanwerk IV“, vor genau einem Jahr von der Pfleiderer GmbH in Betrieb genommen, ist die modernste Spanplattenfertigung Europas. Sagt jedenfalls Prozessingenieur Patrick Cappello, der die Fabrik ans Laufen gebracht hat. „Es ist das ökologischste Spanplattenwerk in Europa“, behauptet auch Michael Wolff, der Sprecher der Geschäftsführung. „Für Pfleiderer ist es zugleich ein großer Hebel, um operativ besser zu werden.“

          Die Zeichen stehen auf Wachstum

          Keine Frage, bei Pfleiderer in der Oberpfalz sind sie ziemlich stolz auf „Spanwerk IV“. Die neue Produktionsstätte bringt Vorteile: 30 Prozent weniger Emissionen, 25 Prozent weniger Energieverbrauch, 12 Prozent geringere Herstellkosten. Das ist viel. Denn eine gepresste Spanplatte herzustellen ist deutlich teurer geworden, seitdem Holzspäne aus den Sägewerken auch als Pellets in den Öfen privater Haushalte verfeuert werden und Holzwerkstoffherstellern wie Pfleiderer die Vorprodukte ausgehen.

          Doch mit solchen Klagen will sich der Pfleiderer-Chef nicht lange aufhalten. Die Zeichen stehen für ihn auf Wachstum. Mehr als eine Milliarde Euro Umsatz im laufenden Geschäftsjahr nach zuletzt 924 Millionen Euro ist für Wolff kein Problem, wie er sagt. Woher das Wachstum kommen soll? „Osteuropa, ganz klar!“ Ein anderer Treiber ist ein neues Geschäftsfeld: „Zukünftig wird der konstruktive Bau immer wichtiger. Das Direktgeschäft mit den Fertigbauern, der Innenausbau und die Zusammenarbeit mit Architekten soll uns in die Lage versetzen, den Werkstoff Holz höherwertig zu verkaufen.“

          „Puristisch-anregend“ bis „skandinavisch-frisch“

          Die klassische Spanplatte steckt seit den fünfziger Jahren hinter vielen Schrankfassaden, beklebt mit Furnier oder Folie. Hinzugekommen sind mitteldichte Faserplatten (MDF), die aus feinen Holzfasern hergestellt werden. Pfleiderer will die Platten veredeln. Kürzlich haben die Oberpfälzer schon die Innenausstattung der Kabinen auf dem Kreuzfahrtschiff Aida übernommen - ein Auftrag, der gut war für das ansonsten so biedere Image.

          Im Foyer der Unternehmenszentrale führt eine Ausstellung hinein in die Welt der Spanplatte. Zwanzig Dekorneuheiten hat Pfleiderer gerade zur Möbelmesse in Köln präsentiert, von „puristisch-anregend“ bis „skandinavisch-frisch“. Die Furniere heißen dann „Dakota-Oak“ oder „Rialto Apple“, und diese Designsprache ist ziemlich weit weg von „Spanwerk IV“ auf der Straßenseite gegenüber.

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