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Pflegeroboter : Hospi bringt die Medizin

  • -Aktualisiert am

Auch „Hospi“ hat gut lachen Bild: Carsten Germis

Japans Unternehmen sind führend in der technischen Entwicklung von Robotern für die Pflege. Doch strenge Sicherheitsvorschriften und ungeklärte Haftungsfragen verhindern die Massenproduktion.

          Wenn Yukio Honda seinen „Hospi“ betrachtet, bekommt sein Blick fast etwas Zärtliches. „Hospi“ ist Hondas liebstes Kind, ein Pflegeroboter, der in Krankenhäusern oder bei der Kommunikation zwischen Arzt und Patient als Assistent eingesetzt werden kann. In Modellversuchen verteilt „Hospi“ in Kliniken bereits Medikamente, die er von der Krankenhausapotheke auf die Stationen bringt. Honda ist Direktor des Zentrums für Roboterentwicklung beim japanischen Elektronikkonzern Panasonic in Kadoma. Nicht nur „Hospi“ ist hier in unscheinbaren Fabrikhallen erdacht worden. Auch einen Roboter, der Haare shampoonieren und waschen kann, haben die Techniker 2010 in der Kleinstadt am Rande Osakas entwickelt. „Wir hatten schon Friseure hier, die großes Interesse an diesem Roboter hatten“, berichtet Honda. Nicht nur Panasonic, auch der Autobauer Toyota und andere Unternehmen in Japan investieren viel in die Entwicklung von Robotern. „Asien und die Vereinigten Staaten von Amerika dominieren den Markt für Robotik in Haushalt und Pflege“, sagt Robotik-Expertin Sibylle Meyer vom Berliner Sibis Institut für Sozialforschung und Projektberatung. Europa müsse hier noch aufholen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Japan ist die am schnellsten alternde Gesellschaft der Welt. Wo wenn nicht hier sollten Roboter in großem Stil in der Pflege eingesetzt werden? Honda schüttelt den Kopf. Zwar wolle Panasonic versuchen, von diesem Jahr an auch Roboter auf den Markt zu bringen, sagt er. Doch bis zum Masseneinsatz ist es noch ein langer Weg, selbst im technikbegeisterten Japan. „Wir waren selbst überrascht, dass die Produkte in der Praxis so wenig eingesetzt werden“, sagt der Ökonom Florian Kohlbacher vom Deutschen Institut für Japanstudien in Tokio, der die Entwicklung der Robotertechnik in Japan schon lange beobachtet. Dabei ist der Nutzen der helfenden Maschinen schnell zu erkennen. Toyota hat Ende vergangenen Jahres einen Roboter vorgestellt, der Pflegern und Krankenschwestern helfen soll, wenn sie Patienten aus oder ins Bett tragen müssen. Vor allem viele Schwestern klagen schon in jungen Jahren wegen dieser Belastung über Rückenprobleme. „Beide, sowohl Pfleger als auch die zu Pflegenden, können diesen Roboter einfach bedienen“, erläutert Toyota. Hondas Team hat bei Panasonic etwas Ähnliches entwickelt. Gehbehinderten bietet Panasonic einen Rollstuhl, der sich auf Knopfdruck in einen Teil eines Bettes verwandelt. Für Patienten, die zu Hause leben und abends nur schwer ins Bett oder morgens in den Rollstuhl kommen, bietet dieser Roboter spürbare Erleichterung.

          Ein Arm kostet 100.000 Euro

          Das Potential für Roboter wäre also groß in alternden Gesellschaften, in denen immer mehr Menschen auf Hilfe und auf Pflege angewiesen sind. Japans Industrie- und Wirtschaftsministerium (Meti) geht in einer Prognose davon aus, dass allein der heimische Markt bis 2020 auf 54 Milliarden Yen (551 Millionen Euro) wachsen könne - von heute praktisch null. 2035 sehen die Bürokraten im Industrieministerium in Tokio in Japan ein Potential von 400 Milliarden Yen für die Roboterindustrie.

          Ein Roboter-Friseur

          Fachleute rechnen allerdings nicht damit, dass der Durchbruch zum Massenprodukt für Pflegeroboter so schnell kommt. Die Technik sei meist noch nicht genug ausgereift und auch noch zu teuer. Ein Roboterarm etwa kostet 100.000 Euro, eine künstliche Hand nochmal so viel. „Da nur Kleinserien oder einzelne Prototypen produziert werden, ist es bisher schwer, so billig zu produzieren, dass es sich die Endanwender auch leisten können“, sagt Uwe Haass, Geschäftsführer des auf Robotik ausgerichteten Forschungsverbunds Cotesys an der Technischen Universität München.

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