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Pflegeroboter : Hospi bringt die Medizin

  • -Aktualisiert am

5,6 Millionen Serviceroboter

Im Haushaltsbereich sieht es da schon anders aus. 2009 wurden auf der Welt bereits etwa 5,6 Millionen Serviceroboter wie zum Beispiel Staubsauger oder Rasenmäher eingesetzt. Für 2013 rechnen Fachleute mit einem Wachstum auf 6,7 Millionen Stück.

Hauptgrund dafür, dass Roboter in Krankenhäusern oder in der häuslichen Pflege noch nicht stärker eingesetzt werden, ist nach Angaben Hondas, dass Sicherheits- und Haftungsfragen noch immer ungeklärt sind. „Hospi“ zum Beispiel verteilt in Modellversuchen bereits in einigen japanischen Krankenhäusern Arzneimittel. Benutzt der Roboter einen Fahrstuhl, um von der Apotheke auf die gewünschte Station zu rollen, muss sichergestellt sein, dass er nicht mit einem Menschen in der Kabine ist. „Wenn Menschen zu Schaden kommen, wer hat dann die Verantwortung?“, fragt der Panasonic-Ingenieur. Solange solche Fragen nicht geklärt seien, sei es praktisch unmöglich, mit Robotertechnik auf den Markt zu gehen. Auch in Deutschland seien die rechtlichen Rahmenbedingungen im Bereich der Pflegerobotik noch nicht vollständig geklärt, beschreibt der Jurist Jan-Philipp Günther von der Forschungsstelle „Robotrecht“ der Universität Würzburg die Lage.

Dauerlächeln auf dem Bildschirm

Dabei ist „Hospi“ durchaus so programmiert, dass er Menschen nicht gefährlich werden kann. Hindernissen weicht er mit einem Dauerlächeln auf dem Bildschirm ziemlich geschickt aus. Doch Lächeln allein genügt nicht: Als Vermittler zwischen Patient und Arzt darf „Hospi“ nicht eingesetzt werden. Zwar wäre es leicht möglich, über den Bildschirm per Roboter auch in abgelegenen Dörfern ärztliche Beratung anzubieten - doch das japanische Recht verlangt den Augenkontakt zwischen Arzt und Patient. Es sind solche strengen Sicherheitsauflagen, die den Einsatz von Robotern in der Pflege erschweren. Ein zweites Problem ist der hohe Preis: „Um das Kostenproblem zu lösen, muss endlich Volumen in den Markt kommen“, sagt Kohlbacher. Und es gibt noch andere Hürden. So ist die Frage der Wartung oder der Energieversorgung - etwa über leistungsfähige Batterien - bei vielen Robotik-Systemen noch nicht geklärt.

Anleitung zum Haarewaschen

Außerdem müsse Robotertechnik für die Pflege gleich zwei Nutzergruppen überzeugen, dass der Einsatz der Maschinen sinnvoll ist: die Patienten, aber auch die Pfleger. „In Europa oder Amerika sind die Ängste groß, dass über Roboter Arbeit wegrationalisiert wird“, sagt Ökonom Kohlbacher. „Das ist in Japan anders, hier wird die Automation eher als Erleichterung der Arbeit gesehen.“ „Hospi“ zum Beispiel hat einem Krankenhaus, in dem vier der Roboter im Einsatz waren, während eines zehnmonatigen Tests geholfen, 30 bis 40 Millionen Yen zu sparen. Pfleger hätten sich wegen der Entlastung durch die Maschinen stärker um ihre eigentlichen Aufgaben kümmern können.

Es gibt aber noch andere ethische Bedenken, etwa die Angst vor einer Invasion der Roboter: Werden wir im Alter nur noch durch humanoide Roboter versorgt, ohne zwischenmenschliche Nähe und Fürsorge? Fachleute relativieren: Ein Serviceroboter sei eine Technologie wie jede andere, die im häuslichen Bereich genutzt wird. Roboter sollen pflegende Menschen nicht ganz ersetzen, sondern ihnen nur einzelne Schritte abnehmen, heißt es. „Der Nutzer ist die Hauptperson, nicht der Roboter“, sagt Honda. „Und das wird er auch bleiben.“ Kohlbacher erzählt in dem Zusammenhang gerne von seinen Erfahrungen in einer teuren Altenpflegeeinrichtung von Panasonic. Er habe sich gefragt, warum er auch hier keine Roboter antreffe. Die Erklärung, die ihm gegeben worden ist, war einfach. „Hier bezahlen die Leute viel Geld und haben dafür den Anspruch, auch von Menschen gepflegt zu werden.“ Es bleibt offen, wie Roboter unseren Alltag in Zukunft prägen werden.

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