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Pflanzenzüchtung : Monster-Gewächshaus mit Mikrogemüse

Neuartige Lichtquellen - besondere Gemüsesorten Bild: Koppert Cress / Lemnis Lighting

In den Niederlanden machen ein selbstbewusster Zutatenzüchter und ein erfindungsreicher Beleuchtungsunternehmer gemeinsame Sache. Mit neuartigen Lichtquellen sollen besondere Gemüsesorten besser - und umweltfreundlicher - gedeihen.

          Rob Baan bittet zur Probe. Nur ein paar Blättchen eines kleinen Gewächses mit der exotischen Bezeichnung Sechuan Cress erzeugen zuerst ein elektrisch-prickelndes Gefühl auf der Zunge. Unmittelbar danach erfährt der staunende Besucher, wie es sein kann, wenn einem unwillkürlich das Wasser im Munde zusammenläuft. Baan, ein stämmiger rotblonder Nordholländer mit dazu passendem rötlichen Brillengestell, lächelt zufrieden. Dann erzählt er, wie er Fluggesellschaften das ursprünglich in China und Afrika heimische Produkt schmackhaft machen möchte, um die unangenehmen Folgen der trockenen Kabinenluft zu lindern.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Die ungewöhnliche Gemüseprobe kann weitergehen. Nach den asiatischen Gaumenfreuden nun ein aus Südamerika stammendes würziges, vielleicht gerade ein Zentimeter langes Gürkchen mit dem Namen Pepquiño. Dann ein aus Nordschottland stammendes Blattgewächs mit samtiger Oberfläche namens Vegetarische Auster. Es kommt geschmacklich dem Meeresschalentier tatsächlich nahe.

          Gezüchtet werden die kleinen Köstlichkeiten in einem 1,2 Hektar großen Gewächshauskomplex auf der Gemarkung der südholländischen Gemeinde mit dem wenig anheimelnden Ortsnamen Monster. Von hier aus, unweit der Großstädte Den Haag und Rotterdam, beliefert der 2002 von Baan übernommene Betrieb „Koppert Cress“ Restaurants und Delikatessenläden in aller Welt mit rund 20 Mikrogemüsearten. Der jährliche Umsatz mit den als Zutaten für die unterschiedlichsten Gerichte genutzten Pflänzchen schnellte seit der Übernahme des heute 75 Mitarbeiter zählenden Unternehmens durch Baan von zwei auf zehn Millionen Euro empor und ist damit der internationale Branchenprimus. Rund 15 Prozent der Exporte gehen nach Deutschland.

          Von grüner Gentechnik hält er nichts

          Dem 53 Jahre alten Sohn eines Polizisten aus der Käsemetropole Alkmaar war das kulinarische Metier keineswegs in die Wiege gelegt. Zwei Jahrzehnte tingelte der studierte Agraringenieur für verschiedene Saatguthersteller durch die Welt, ehe er seinen eigenen Betrieb gründete. Seither züchtet er die Pflänzchen, kreuzt sie auf natürliche Weise. Von grüner Gentechnik hält Baan nichts und sagt es ungefragt: „Wir brauchen das nicht, die Natur hat so viel zu bieten.“

          Ihn ärgert es, dass das seit Generationen angesammelte Wissen über die wohltuende Wirkung der kleinen Garnituren und Geschmacksstoffe immer mehr in Vergessenheit geraten sei. „Niemand schert sich noch um Geschmack, Farbe und gesundheitliche Wirkung von Nahrung. Wir essen einfach nur“, stellt Baan mit angewidertem Unterton in der Stimme fest. Spitzenköche unter seinen Kunden, darunter den britischen Cuisinier Jamie Oliver, nimmt er von seiner Kritik natürlich aus.

          So stolz Mikrogemüsezüchter Baan auf die Qualität seiner Produkte ist, so sehr musste er bisher mit dem Makel leben, dass neben seinem Unternehmen und Feinschmeckern in aller Welt die einheimischen Energiekonzerne Hauptnutznießer der Pflanzenzucht im Gewächshaus sind. Das dürfte sich spätestens dann ändern, wenn Baan seinen Plan verwirklicht hat, einen neuen, dann drei Hektar großen Glasbau in unmittelbarer Nachbarschaft zu errichten. Die Energiekosten, die derzeit rund 800 Euro je Quadratmeter im Jahr betragen, will er so um nicht weniger als 98 Prozent senken. Möglich machen soll es sein Geschäftspartner John Rooymans, der sich selbst als „Erfinder“ bezeichnet und 2005 das auf die Nutzung von Leuchtdioden (LED) spezialisierte Unternehmen Lemnis Lighting gegründet hat.

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