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Autohersteller : Peugeot investiert auch in britisches Opel-Werk

Im Anzug in der Vauxhall-Fabrik: PSA-Chef Carlos Tavares, Opel-Chef Michael Lohscheller und Wirtschaftsminister Greg Clark in Luton Bild: dpa

Die Opel-Tochtermarke Vauxhall baut den nächsten „Vivaro“ in Luton. Ein Meilenstein für das Werk – mit Auswirkungen auf Deutschland.

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          Den Anfang machte im Februar Spanien, vor zwei Wochen folgten Österreich, Ungarn und Polen: Für alle diese Länder hat der französische Autokonzern PSA Peugeot Citroën bekanntgegeben, welche Aufgaben und Autos er auf die dortigen Standorte seiner Tochtergesellschaft Opel verlagern will. Am Mittwoch hat PSA nun auch eine Produktionsentscheidung für das Werk der britischen Opel-Tochtermarke Vauxhall in Luton nahe London verkündet. Vom nächsten Jahr an soll dort ein neues „Vivaro“-Modell vom Band rollen. Das leichte Nutzfahrzeug hatte Vauxhall bisher mit dem französischen PSA-Konkurrenten Renault in Luton gefertigt.

          „Dies ist ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft des Werks“, ließ sich PSA-Chef Carlos Tavares in einer Mitteilung zitieren. „Es ist ein wesentlicher Schritt, der uns hilft, unsere Ambitionen im Nutzfahrzeugmarkt umzusetzen.“ Im vergangenen Jahr verkaufte die PSA-Gruppe nach eigenen Angaben mehr als 476.000 Transporter. Das Unternehmen hat sich vorgenommen, seinen Marktanteil in dem Segment auszubauen.

          Der Opel-Chef Michael Lohscheller sprach im Gespräch mit der F.A.Z. von einer wichtigen Investition. Wie hoch sie ausfällt, ließ Lohscheller offen. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass sich die Produktionsentscheidung positiv auf die Beschäftigung auswirkt. „Heute beschäftigen wir in Luton 1400 Mitarbeiter. Natürlich besteht die Möglichkeit, diese Zahl zu erhöhen, wenn die Nachfrage nach den hier gefertigten Fahrzeugen hoch genug ist.“ Opel steckt mitten in einem Sanierungsprozess, versucht Kosten einzusparen und die Wettbewerbsfähigkeit seiner Standorte zu erhöhen. Mit Blick auf das Werk in Luton sieht Lohscheller große Fortschritte. Die Kostenstruktur dort entwickele sich sehr positiv. Zugleich gebe es noch viel Raum bis zum Jahr 2020, die Kosten weiter zu senken.

          Lohscheller: Wollen auch in Deutschland investieren

          Die Produktionsentscheidung für Luton hat auch Auswirkungen auf den Opel-Stammsitz in Rüsselsheim. Hier siedelt PSA eine weitere Entwicklungsaufgabe für den Gesamtkonzern an. Die Ingenieure im Entwicklungszentrum sollen künftig für die gesamte Gruppe neue Nutzfahrzeuge konzipieren und entwickeln, wie der Opel-Chef sagte. Welche Aufgaben PSA an die deutschen Opel-Produktionsstandorte vergibt, ist dagegen weiter offen. Das Unternehmen unterhält Autofabriken in Rüsselsheim und Eisenach und zudem ein Komponentenwerk in Kaiserslautern.

          In Deutschland arbeiten mehr als 19.000 der gut 35.600 Opel-Mitarbeiter. Zuletzt hatte Lohscheller Investitionsentscheidungen für Deutschland auch an die Anpassung von Tarifvereinbarungen geknüpft. Konkret geht es darum, die tariflich vereinbarte Erhöhung des Gehalts um 4,3 Prozent zum April dieses Jahres auszusetzen. Die Gewerkschaft IG Metall und die Opel-Arbeitnehmervertreter pochen dagegen auf die Erhöhung.

          „Wir haben deutlich gemacht, dass wir auch in Deutschland investieren wollen. Darüber sind wir weiter in Gesprächen mit unseren Sozialpartnern“, sagte Lohscheller am Mittwoch. „Das Ziel ist, auch in Deutschland schnell zu einer Lösung zu kommen und dann entsprechende Investitionen auszulösen. Das Wichtigste ist aber, dass es gute Lösungen sind, die Opel und Vauxhall langfristig auf eine solide Basis stellen.“

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