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Die Verhandlungen laufen : Warum Peugeot den deutschen Konkurrenten Opel kaufen will

Bild: dpa

Peugeot-Citroën verhandelt mit General Motors über den Kauf des Rüsselsheimer Autobauers Opel. Der französische Hersteller braucht höhere Stückzahlen, denn Erzrivale Renault ist enteilt.

          General Motors könnte seine Tochtergesellschaft Opel bald an den französischen Autohersteller PSA Peugeot Citroën verkaufen. Wie ein PSA-Sprecher am Dienstag bestätigte, stehen GM und das französische Unternehmen in Verhandlungen über einen Verkauf von Opel an die Franzosen. Die Gespräche sollen sich in einem fortgeschrittenen Stadium befinden und werden auf höchster Ebene geführt, hieß es in Paris. Schon in den kommenden Tagen könnte eine Einigung erzielt werden, wird berichtet.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Über einen Zusammenschluss von PSA und Opel wurde in der Vergangenheit immer wieder spekuliert. Beide Unternehmen sind auf ähnlichen Märkten mit ähnlichen Modellen unterwegs, außerdem sind ihre Heimatmärkte geografische Nachbarn. PSA und Opel würden zusammen einen Marktanteil von 16,3 Prozent am europäischen Automarkt halten. Zum Vergleich: Spitzenreiter VW kommt auf 24,1 Prozent. Die PSA-Aktionäre begrüßten die Nachricht am Dienstag an der Pariser Börse mit einem Kursanstieg von 5 Prozent.

          Seit 2012 arbeiten GM und PSA im Rahmen einer Allianz zusammen. Sie bauen gemeinsam zwei sogenannte „Cross over“-Modelle und ein Nutzfahrzeug in den spanischen Städten Saragossa und Vigo sowie im französischen Sochaux, dem PSA-Stammsitz im ostfranzösischen Departement Doubs. In diesem Jahr sollen die ersten Wagen aus dieser Zusammenarbeit vom Band rollen. Die Kooperation ist aber nur ein Überbleibsel eines breiter angelegten Allianz-Versuchs.

          Erzrivale Renault enteilt

          Im März 2012 hatten die beiden Unternehmen noch die Errichtung einer gemeinsamen Autoplattform und andere Kooperationsprojekte geplant. Doch dann geriet PSA in eine schwere Krise. Anfang 2014 mussten der französische Staat und der chinesische Hersteller Dongfeng die Franzosen vor dem Bankrott retten, indem sie jeweils 14 Prozent am PSA-Kapital erwarben. Die Gründerfamilie Peugeot verlor an Einfluss und hält heute nur noch 14 Prozent am Kapital sowie 22 Prozent der Stimmrechte. GM verkaufte Ende 2013  verlustbringend seine 7-Prozent-Anteile an PSA. 

          Seither hat sich PSA durch Kostensenkungen und eine neue Modellpalette unter der Führung seines Konzernchef Carlos Tavares aus der Existenzkrise befreien können, doch gegenüber dem Erzrivalen Renault ist Peugeot-Citroën ins Hintertreffen geraten. Im vergangenen Jahr hat Renault erstmals seit langer Zeit wieder mehr Autos verkauft als PSA. Renault erhöhte seinen Absatz um etwa 13 Prozent auf 3,18 Millionen Fahrzeuge.

          PSA erreichte mit seinen Marken Peugeot, Citroën und DS dagegen nur einen Anstieg von knapp 6 Prozent auf 3,14 Millionen Autos.  PSA befindet sich nach eigenen Angaben an einem anderen Punkt im Modellzyklus. Eine Welle von Neueinführungen setzte im vergangenen Jahr ein, und sie soll bis zum Jahr 2021 mehr als hundert neue Produkte hervorbringen.

          Die Franzosen brauchen neue Partner

          Dennoch droht Peugeot-Citroën auf der Jagd nach Stückzahlen dauerhaft in Rückstand zu geraten. Als Allianzpartner steht im wesentlich nur der chinesische Hersteller Dongfeng an der Seite von PSA. Renault ist heute dagegen mit Nissan und Mitsubishi (Japan), Avtovaz (Russland), Dacia (Rumänien) sowie Samsung Motors (Korea) verbündet. Zudem ist die Rentabilität von PSA noch unbefriedigend. Im vergangenen April präsentierte Peugeot-Citroën einen neuen Strategieplan unter dem Namen „Push to pass“ („Anschub zum Überholen“), der 2018 im Autogeschäft nur eine durchschnittliche operative Umsatzrendite von 4 Prozent vorsieht. Erst bis 2021 soll der Wert auf 6 Prozent steigen.

          Neben einer Modelloffensive hatte der französische Konzern auch angekündigt, die Fertigung stärker global aufzustellen, um der starken Verankerung in Europa zu entkommen. Eine neue Produktionsstätte in Südostasien sowie eine Partnerschaft in Indien sollen den Weg ebnen. In China will PSA bis 2018 rund eine Million Fahrzeuge in China und Südostasien verkaufen, rund ein Drittel mehr als 2016.

          Zahlreiche Überschneidungen

          Außerdem will er die traditionellen französischen Verbindungen in den Maghreb nutzen. Im Sommer 2015 vereinbarte PSA den Bau eines Werkes in Marokko; eine Fabrik zur Endmontage in Algerien soll hinzukommen. An der Kostenfront will der Konzern auch hart arbeiten. Je Fahrzeug sollen in den nächsten Jahren 700 Euro eingespart werden. All diese Ziele alleine zu erreichen, ist jedoch eine große Herausforderung. Mit Opel an der Seite hoffen die Franzosen auf neue Synergieeffekte und mehr Expansionskraft.

          Wegen der zahlreichen Überschneidungen wäre allerdings eine heftige Restrukturierung notwendig. Bei den Modellen und im Händlernetz ergänzen sich die Unternehmen wenig. Das Ziel von PSA-Chef Carlos Tavares, die Marktanteile außerhalb von Europa zu erhöhen, würde mit Opel auch nicht unbedingt näher rücken. Der französische Autohersteller betont denn auch, dass die Gespräche mit GM derzeit noch völlig offen seien.

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