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Peter Hartz zur VW-Affäre : So war es wirklich

  • Aktualisiert am

Hartz: „Ich habe mich nie auf Kosten von VW amüsiert” Bild: dpa

Vor Gericht ließ Peter Hartz seinen Anwalt sprechen. Interviews hat er seit dem Rücktritt nicht gewährt. Jetzt bricht der ehemalige VW-Personalvorstand im Gespräch mit F.A.S.-Redakteurin Inge Kloepfer sein Schweigen.

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          Vor Gericht ließ Peter Hartz seinen Anwalt sprechen. Interviews hat er seit dem Rücktritt nicht gewährt. Jetzt bricht der ehemalige VW-Personalvorstand sein Schweigen. Am Montag erscheint sein Buch „Macht und Ohnmacht“. Darin spricht er mit der F.A.S.-Redakteurin Inge Kloepfer über seinen Aufstieg im Saarland, die Jahre in Wolfsburg, das Abenteuer in der Berliner Politik. Und auch über seinen tiefen Sturz. In Auszügen lesen Sie hier, wie Peter Hartz seine Rolle im VW-Skandal und in dem daraus folgenden Prozess sieht.

          Herr Hartz, an welchem Tag begann für Sie die Welt einzustürzen?

          Das war der 15. Juni 2005. Nachmittags - gegen halb vier muss es gewesen sein - bekam ich einen Anruf von Bernd Pischetsrieder, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen. Ob ich mal reinschauen könne, fragte er mich. Es war die Bitte, mich in sein Büro zu begeben, das sich auf der anderen Seite des Flurs befand. Arglos ging ich hinüber. Dass er anrief, war schließlich nicht ungewöhnlich. Ich setzte mich, er zündete sich eine Zigarre an und gab mir zwei DIN-A4-Seiten zu lesen.

          Klaus Volkert - Chef des VW-Gesamtbetriebsrates, erhielt von Hartz über elf Jahre Sonderboni. „Anstiftung zur Untreue” lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen Volkert. Gesamtschaden durch 48 Taten: 2,64 Millionen Euro. Prozess im Sommer.
          Klaus Volkert - Chef des VW-Gesamtbetriebsrates, erhielt von Hartz über elf Jahre Sonderboni. „Anstiftung zur Untreue” lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen Volkert. Gesamtschaden durch 48 Taten: 2,64 Millionen Euro. Prozess im Sommer. : Bild: ddp

          Und was war das?

          Es handelte sich um einen Anlage- und Managementvertrag. Die Revision der Commerzbank hatte das Papier im Juni offenbar bei einem ihrer Mitarbeiter entdeckt und Volkswagen davon in Kenntnis gesetzt; denn bei einer der Vertragsparteien handelte es sich um zwei Mitarbeiter von Volkswagen: Helmuth Schuster und Klaus-Joachim Gebauer. Beide gehörten zu meinem Konzernressort.

          Ich las die beiden Seiten. Äußerlich bin ich dabei wohl recht ruhig geblieben, doch ist mir während der Lektüre dieses Vertragswerks das Blut in den Adern gestockt. Aus der Konstruktion des Vertrags ging deutlich hervor, dass sich meine beiden Mitarbeiter an den im Planungsstadium befindlichen Handels- und Investitionsvorhaben über ein Geflecht zwischengeschalteter Firmen bereichern wollten. Außerdem wollten sich Schuster und Gebauer Schweizer Aufenthaltsgenehmigungen besorgen - ich denke einmal, für den Fall, dass sie sich absetzen wollten.

          In der Presse ging es daraufhin bald nur noch um die Lustreisen bei VW. Hat Volkswagen von der Verbreitung der pikanten Einzelheiten aus der „Lebensbeichte“ Gebauers erst etwas mitbekommen, als Ende Juni 2005 die ersten Berichte über Vergnügungsreisen von Mitgliedern des Gesamtbetriebsratsausschusses erschienen?

          Natürlich hat Volkswagen mitbekommen, welche Nachrichten auf dem Markt waren. Unser Kommunikationschef kam ziemlich schnell aufgeregt zu mir und berichtete, welche Gerüchte kursierten. Ich selbst kenne die Netzwerke ja nicht, über die so etwas dann verbreitet wird. Das alles muss in den ersten 72 Stunden nach der Kündigung Gebauers stattgefunden haben. Die boulevardhungrigen Reporter sind ausgeschwärmt und haben recherchiert. Und dann tauchten auch schon die ersten Geschichten auf.

          In der Presse war Anfang Juli zu lesen, auch Sie hätten sich auf den Reisen des Betriebsrats an den Vergnügungen, die von Gebauer über Volkswagen abgerechnet wurden, beteiligt. War das so?

          Diese Frage berührt mein Privatleben, das niemanden etwas angeht. Sie hat jedenfalls mit VW nichts zu tun. Lassen Sie mich an dieser Stelle ganz klar sagen: Ich habe mich nie auf Kosten von Volkswagen amüsiert.

          Gebauer allerdings behauptet in seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft immer wieder das Gegenteil. Wer hat recht?

          Die Medien haben die „Lebensbeichte“ Gebauers dankbar aufgenommen und mich daraufhin sehr schnell zum Kopf eines Vergnügungstrios gemacht, der ich nie gewesen bin. Sie haben mich aufgrund der Aussage einiger Personen ziemlich schnell verurteilt. Dieses Bild von mir ist in der Welt.

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