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Bodenschätze in Texas : Die Schlacht um Amerikas größtes Ölfeld

Ölförderung im Permischen Becken in Texas Bild: Reuters

Die amerikanischen Ölriesen drängen ins texanische Permbecken und liefern sich eine Übernahmeschlacht um die Anteile am zweitgrößten Öl- und Gasvorkommen der Welt. Sinkende Ölpreise und mögliche Auflagen der Klimapolitik schrecken sie nicht.

          Am 28. November 2018 hatte Amerikas oberste Geologie-Behörde die Ergebnisse einer neuen Ausmessung des Öl-und Gasvorkommens im texanischen Permbecken veröffentlicht. Demnach lagern dort mehr Energierohstoffe als in alle anderen Vorkommen der Welt – mit einer einzigen Ausnahme: das legendäre saudi-arabische Ölfeld Ghawar.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Behörde bestätigte damit, was die Ölfirmen in der Region schon länger vermuteten: Sie saßen auf einem Vermögen. Die Region steuert ein Drittel von Amerikas Ölproduktion  bei, die vor zehn Jahren noch vor sich dahindümpelte. Der amerikanische Innenminister sprach damals von einem verfrühtem Weihnachtsgeschenk und stellte die geostrategische Bedeutung der Messungsergebnisse heraus. 

          Das Wunder-Vorkommen erstreckt sich vom Westen Texas‘ bis in den Osten Neu-Mexikos und ist ungefähr viermal so groß wie Niedersachsen. Die Erkenntnis, dass hier Öl und Gas lagern, ist ziemlich genau hundert Jahre alt. Seit den zwanziger Jahren wurde bereits gefördert. In den achtziger Jahren sanken die Fördermengen und man erwartete einen langsamen Niedergang.   

          Revolution der Fördermethoden

          Doch mit der Revolution neuer Fördermethoden in den vergangenen zehn Jahren schnellten die Mengen wieder dramatisch nach oben: Durch eine Kombination aus Fracking mit horizontalem Bohren und neuen Methoden der Seismik konnten längst aufgegebene  Vorkommen weiter ausgeschöpft werden.

          Dazu kommt eine geologische Besonderheit des Permbeckens: Öl und Gas lagern in mehreren untereinander gelegenen Steinschichten, was die die effiziente Ausbeutung erleichtert. Geologie und Technologie haben das Permbecken damit zum Objekt der Begierde der großen amerikanischen Konzerne gemacht.

          Die Großen verdrängen die Kleinen

          Hatten zunächst noch kleinere Fördergesellschaften und sogenannte Wildcatter die meisten Bohrrechte, sind inzwischen die Riesen einmarschiert. Die amerikanischen Konzerne Exxon und Chevron investieren Milliardenbeträge auf die Rohstoffschätze, die das Schiefergestein des Permbeckens verbirgt. Dabei dürften sie interessiert nach Europa blicken, wo kritische Aktionäre den Ölkonzernen Investitionen in Nachhaltigkeit und Ökoenergie auferlegen. Methodisch verdrängen die Ölriesen die kleinere Konkurrenz im Permbecken, indem sie mit hohem Kapitaleinsatz die Förderung automatisieren und sie dadurch effizienter machen.  

          Die enorme Attraktivität des texanischen Vorkommen spiegelt  sich aktuell in einer der größten Übernahmeschlachten wieder, die die Energiewirtschaft je gesehen hat: Ziel ist die außerhalb von Fachkreisen weitgehend unbekannte Firma Anadarko Petroleum. Deren Management hatte jüngst ein Übernahmeangebot von Chevron im Wert  von 33 Milliarden Dollar zu Annahme empfohlen. Die Summe entspricht dem doppelten Börsenwert der Deutschen Bank.  

          Occidental überbietet Chevron

          Die Übernahme würde Chevrons  führende Position in Texas ausbauen. Um das zu verhindern, bot die Vorstandschefin von Occidental, Vicki Hollub, 38 Milliarden Dollar für Anadarko. Sie sieht Berichten zufolge darin die einmalige Chance, dass Occidental zu Exxon und Chevron aufschließen könnte. Doch ihre Aktionäre warnen: Die Firma solle zum Ziel haben, Erträge zu vergrößern und nicht das Imperium. Allerdings hat Hollub den legendären Investor Warren Buffet hinter sich gebracht, der mehrere Milliarden zum Deal beisteuern will, wenn die Anadarko-Aktionäre zustimmen. Und die französische Firma Total wäre damit einverstanden, Anadarkos afrikanische Vorkommen zu übernehmen, sollte Occidental sich durchsetzen.

          Die vorerst letzte Wendung der Schlacht war, dass Anadarkos Management momentan dem Occidental-Gebot den Vorzug gibt. Doch Chevron könnte bis zum morgigen Freitag das eigene Angebot noch verbessern.

          Von einem Szenario lassen sich die in die Übernahmeschlacht verwickelten Manager offenbar gar nicht entmutigen: dass die globale Nachfrage nach Öl und Gas deutlich sinken könnte. Die Investmentbank Barclay hat eine Analyse veröffentlicht, der zufolge die Nachfrage nach Öl in wenigen Jahren ihren Höhepunkt erreicht haben könnte und danach bis 2050 um ein Drittel fällt. Die Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Regierungen mit der Klimapolitik Ernst machten. In Texas glaubt daran niemand.

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