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Pensions-Sicherungs-Verein : Das sichere Ruhekissen

Wer schon Betriebsrente bezieht, kann in aller Ruhe der wirtschaftlichen Entwicklung zuschauen Bild: ddp

Der Pensions-Sicherungs-Verein soll im Falle einer Insolvenz die Rentenansprüche von Arbeitnehmern schützen. Seit 34 Jahren leistet der Verein unscheinbar seine Dienste. In diesem Jahr muss er seine Beiträge drastisch erhöhen. Selbst eine Verzehnfachung ist nicht mehr ausgeschlossen.

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          Martin Hoppenrath liebt die Ordnung. Der Arbeitstag beginnt mit dem Postdurchsehen und dem Durchblättern der Zeitung, dann wird die in diesen Tagen immer länger werdende Telefonliste abgearbeitet. Die Post und die Zeitung geben dem Vorstandsvorsitzenden des „Pensions-Sicherungs-Vereins Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit“ (PSV) in Köln in letzter Zeit immer mehr Grund zur Besorgnis. Und dann ist da in wenigen Wochen die Mitgliederversammlung. Mitgliederversammlungen des PSV sind wahrlich keine nervenaufreibenden oder besorgniserregenden Veranstaltungen. Seit 34 Jahren leistet der Verein weitgehend ohne Kritik und Tadel und eher im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit seine Dienste.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Dennoch schauen wie Hoppenrath auch mehr der gut 73.000 Mitglieder mit einiger Besorgnis auf dieses Datum. Der Vorstand selbst hatte es im Mai in seinem letzten Rundschreiben schon vage angedeutet: „Die zu Anfang des Jahres 2009 festzustellende Schadenentwicklung liegt auf sehr hohem Niveau.“ Am 1. Juli wird Hoppenrath seinen Mitgliedern sagen müssen, dass schon jetzt sehr viel mehr Schadenfälle als im gesamten Jahr 2008 zu übernehmen waren.

          Boy-Jürgen Andresen, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Alterversorgung (aba) aus Heidelberg, hat auch die Folgen schon angedeutet: „Ohne Zweifel könnten das aktuelle und das kommende Jahr für den Pensions-Sicherungs-Verein zu einer echten Bewährungsprobe werden. Je nach Schadensvolumen könnte am Ende des Jahres ein sehr hoher - vielleicht sogar der höchste Beitragssatz in der Geschichte des PSV stehen“, stimmte Andresen vor wenigen Tagen seine Mitglieder auf höhere Beiträge zum PSV ein. Und diese Beitragserhöhung könnte es in sich haben. Der „höchste Beitragssatz in der Geschichte des PSV“ läge bei mindestens 7 Promille der Beitragsbemessungsgrenze, die sich derzeit aus der Summe der von den Mitgliedern zugesagten Renten mit 277 Milliarden Euro ergibt. Die Beiträge des Vereins würden damit binnen Jahresfrist von 506 Millionen für das Kalenderjahr 2008 auf fast 2 Milliarden Euro für das laufende Jahr steigen - die Mitgliedsbeiträge würden sich vervierfachen.

          Bei einer Insolvenz von Opel müsste der Beitragssatz stark steigen

          Darin ist eine mögliche Insolvenz von Opel oder Arcandor gar nicht berücksichtigt. Bei einer Opel-Insolvenz müsste der Beitragssatz wahrscheinlich von 50 Euro je betriebsrentenberechtigtem Mitarbeiter auf 500 Euro verzehnfacht werden. Aber das ist im System angelegt, dass der Beitrag gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigt. Denn der PSV soll ja gerade die Folgen solcher Zeiten auffangen. „Wir übernehmen im Falle einer Unternehmensinsolvenz die Versorgung aller Arbeitnehmer, die Anspruch auf eine insolvenzgeschützte Betriebsrente haben“, umschreibt der PSV seine eigene Aufgabe. Zu diesem Zweck - die Betriebsrentenansprüche von Arbeitnehmern vor der Insolvenz und damit bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers zu schützen - wurde der Verein 1974 von den großen Industrieverbänden und der Versicherungswirtschaft gegründet. Damals wurde die Betriebsrente als zweite Säule der Altersversorgung neben der gesetzlichen Rente aufgebaut. Getragen wird der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit von jenen gut 73 000 Unternehmen, die insgesamt 10 Millionen Menschen Betriebsrenten über 277 Milliarden Euro zugesagt haben. Das sieht bei 40 Millionen versicherungspflichtig Beschäftigten wenig aus. Die meisten Unternehmen haben aber weniger als 50 Beschäftigte. In dieser Größenordnung wird eher selten eine Betriebsrente zugesagt. Betriebsrente ist eher das Privileg von Mitarbeitern in Großunternehmen.

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