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PC-Markt : Der Trend geht zum Ultrabook

Flach wie eine Flunder: Ultrabook mit Intel-Chip Bild: AFP

Computerhersteller wie Acer und Sony setzen auf eine neue Klasse tragbarer Computer, um den Siegeszug der Tabletrechner zu brechen: Die „Ultrabooks“ sollen die verlorenen Marktanteile zurückerobern.

          Sehr dünn, sehr leicht, sehr leistungsfähig und vielversprechend: Als Campbell Kan vom Computerhersteller Acer auf der Internationalen Funkausstellung im Herbst in Berlin einen kaum schreibblattgroßen, hauchdünnen Laptopcomputer auf seiner Handfläche balancierte, ihn dann öffnete und so in Betrieb nahm, war das Gerät binnen eines Wimpernschlags einsatzbereit. Kan lächelte und sprach von einem Ultrabook. „Mit Ultrabooks wie diesem haben wir die große Chance, den PC-Markt wieder nach vorn zu bringen“, sagte er. Erfunden hat die Produktklasse der Elektronikriese Sony schon vor rund zehn Jahren. Massenmarkttauglich wurde sie jedoch erst, als der Chiphersteller Intel sie im Mai dieses Jahres auf sein Marketingschild hob.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Interesse an den flunderflachen, kaum anderthalb Kilogramm wiegenden Leichtgewichten mit aufklappbaren Bildschirmen und langlebigen Akkus, mit leise klickenden Tastaturen, schnell tickenden Chips und einem nach dem Einschalten fast sofort bereitstehenden Betriebssystem sei hoch, erklärt David Johnson vom Analystenhaus Forrester. Ultrabooks sind seinen Worten nach eine vielversprechende Produktkategorie. Sie könnten nach Einschätzung der amerikanischen Handelsorganisation Consumer Electronics Association der Renner der Computersaison im kommenden Jahr werden. Auch die Analysten von iSupply sehen hier ein „massives Wachstumspotential“.

          Kaum technische Neuerungen

          Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas im Januar sollen mehr als 40 Modelle vorgestellt werden. Schon in einem Jahr könnte die Hälfte des rund 159 Milliarden Dollar großen Laptopmarkts durch Ultrabooks abgedeckt sein. So wittern die Hersteller klassischer Computer Morgenluft. Denn in den vergangenen Monaten liefen Tabletcomputer wie das Modell „iPad“ aus dem Hause Apple oder das „Galaxy“ von Samsung den herkömmlichen tragbaren Computernmit Bezeichnungen wie Laptops, Notebooks oder Mininotebooks den Rang ab. Die Entwicklung auf dem Tablet-Markt sei ein Weckruf für die PC-Hersteller gewesen, erklärt Richard Shim, der den Markt für Display Research beobachtet.

          In den Entwicklungsabteilungen von HP, Acer und Sony sind die Ingenieure hellwach. In den vergangenen drei Jahren gab es im herkömmlichen PC-Bereich kaum technische Neuerungen. Alles blickte auf Tablets und Smartphones, auf Apple, Google und Samsung. Die Verkaufszahlen der über berührungsempfindliche Bildschirme gesteuerten Tabletrechner schossen in die Höhe, während die für andere Computerklassen zurückgingen oder bestenfalls stagnierten. In diesem Jahr werden 50 Millionen Tablets verkauft, dreimal so viel wie im vergangenen Jahr; in zwei Jahren könnte die Grenze von 100 Millionen überschritten sein. Derzeit werden im Jahr rund 350 Millionen klassische PCs verkauft, rund die Hälfte davon sind Laptopcomputer.

          PC-Hersteller blasen zur Gegenoffensive

          Tablets gelten in den Statistikabteilungen der Computerbranche als eine Klasse für sich. So verdrängten sie schon die kleinen, internetfähigen und vor vier Jahren mit dem Eee-PC des Computerherstellers Asus aus Taiwan samt Atomprozessor aus dem Hause Intel vorübergehend in Mode gekommenen Netbooks aus der Gunst der Konsumenten. Nun blasen die großen PC-Hersteller wie Asus, Acer, Toshiba, Lenovo und Hewlett-Packard zur Gegenoffensive. Sie wollen den Trend der vergangenen beiden Jahre brechen - und setzen dafür auf die ultraleichten, ultradünnen und ultraschnellen tragbaren Computer. „Unsere Kunden gehen in Sachen Computer keine Kompromisse ein“, begründet Johnney Shih, der Gründer und Chef von Asus, den Aufwand.

          Den ersten hochleistungsfähigen Laptopcomputer, auf den die Bezeichnung „Ultrabook“ passte, brachte der japanische Anbieter im Jahr 2000 mit der Vaio-Z-Serie auf den Markt, die auf Eleganz und praktische Einsetzbarkeit getrimmt war. 2006 folgte Acer mit dem Modell Travelmate. Im Januar 2008 hob Apple die Kategorie mit seinem MacBook Air werbeträchtig auf eine neue Stufe. Im Mai dieses Jahres schließlich propagierte Intels Vorstandsvorsitzender Paul Otellini sie als eigene Produktklasse für sein Haus. Das Jahr 2012 soll seinen Worten nach das Jahr der Ultrabooks werden.

          Das Innenleben der „Ultras“ wird von Intel-Prozessoren gesteuert. Anders als die Prozessoren der Netbooks zählen die Steuerbausteine der Ultrabooks zu dem Besten, was es derzeit auf den Konsummärkten gibt. So tickt in den meisten Geräten, ob sie von HP oder Acer geliefert werden, ein Intel-Ivy-Bridge-Chip. Für den amerikanischen Hersteller, der sich auf dem Markt für mobile Computer gegenüber dem kleinen britischen Konkurrenten ARM und der größeren kalifornischen Nvidia-Gruppe ernsthaft hat ins Hintertreffen fallen sehen, ist das ein wichtiger Erfolg. Ottelini hat schon den nächsten Schritt im Blick: Er will Ultrabooks mit Touchscreens auf dem Markt sehen. Die berührungsempfindlichen Bildschirme hatten die Tabletcomputer erst möglich und dann zum Erfolg gemacht. Nun will Intel sie in den klassischen Computerkategorien etablieren. Acer und Asus haben sie in der Hinterhand; PC-Marktführer Hewlett-Packard hat sie schon in der Vorhand.

          „Es ist Zeit, dass wir angesichts der Entwicklung hin zu zentral verwalteten Computerdatenbanken einige liebgewonnene, aber mittlerweile unnötig gewordene Gewohnheiten über Bord werfen“, orakelt Ken Dulaney vom Analysehaus Gartner angesichts der angestoßenen Trendwende. Ultrabooks könnten für die Computerbranche die Antwort auf viele Fragen sein.

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