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PC-Branche : Totgesagte laufen länger

Der PC, hier der erste von IBM, hat noch nicht ausgedient - sieht heute aber moderner aus. Bild: dpa

Viele haben schon das Ende der PCs vorausgesagt - aber das lässt auf sich warten. Die Hersteller können steigende Absatzzahlen verbuchen.

          Lyn Vojvodich fährt ihren Personalcomputer nur noch selten hoch. Nur wenn sie mal wieder am Schreibtisch ihres Büros in San Francisco sitzt. Das passiert nicht oft. Denn mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit ist sie unterwegs: New York, London, Schanghai. Als Vorstandsmitglied des kalifornischen Softwarekonzerns Salesforce.com hat sie ihre Arbeit immer griffbereit und bei sich. Sie öffnet die Handtasche und holt ein Smartphone heraus. Ein notizblockgroßer Alleskönner.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Bildschirm leuchtet auf, die Internetverbindung steht, Vojvodich hat alles, was sie braucht - mit einem Klick, auf einen Blick. Handy, Funknetz und Big Data machen es möglich: Informationen, Analysen; Diagramme in Balken-, Kreis- und Kurvenform. Das Smartphone sei mittlerweile ihr wichtigstes Werkzeug, sagt sie. Ihren Personalcomputer im Büro wolle sie dennoch nicht missen. Er gehört dazu - irgendwie. Damit ist Vojvodich nicht allein. PCs sind wieder im Kommen.

          Dabei wurde das „schleichende Sterben des PCs“ seit dem Aufkommen von Smartphones und Tabletrechnern sowie dem Auftritt von Steve Jobs auf der Konferenz All Things Digital im Sommer 2010 immer wieder heraufbeschworen. Hatte damals doch der Apple-Gründer einen PC mit einem kleinen Lieferwagen verglichen - wichtig, aber von nur wenigen Menschen genutzt. Im Alltag werde nach den Worten des inzwischen verstorbenen Apple-Chefs das flache Tablet Einzug halten. Smartphone, Big Data und Cloudcomputing, wie es Unternehmen wie Salesforce.com anboten, eroberten die Märkte. Der PC schien ausgedient zu haben.

          Auch Orakel können irren

          Jobs hatte mit seinen Sprüchen und Vorstellungen als Orakel der Branche gegolten. Orakel aber können auch irren oder falsch verstanden werden. Nach Jahren fallender Verkaufszahlen, schrumpfender Gewinnspannen und vollmundigen Verlautbarungen vom „Ende des PC-Zeitalter“ gibt die Branche mit ihren mausgrauen Elektronikkisten wieder Gas. Tabletrechner und Smartphones scheinen bei den Kunden nichts von ihrer Popularität und Attraktivität verloren zu haben. Der revolutionäre Geist aber verblasst, die Verkaufszahlen wachsen längst nicht mehr so schnell. Noch immer werden im Jahr mehr PCs verkauft als Tabletrechner. Totgesagte leben länger.

          Der Absatz der klobigen Rechenkisten für den Schreibtisch und die tragbaren Laptopcomputer für unterwegs zogen Ende vergangenen Jahres deutlich an. In den Vereinigten Staaten wurden nach den jüngsten Angaben des Analysehauses Gartner im Schlussquartal des vergangenen Jahres 18 Millionen PC verkauft - 13 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In Europa gingen in den drei Monaten vor Weihnachten 26,5 Millionen Geräte über den Ladentisch. Das waren knapp 3 Prozent mehr als im gleichen Zeitraums des Vorjahres. Rund um den Globus wurden im Schlussquartal des vergangenen Jahres mit 83,7 Millionen PC-Geräten 1 Prozent mehr verkauft als im Vorjahr.

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