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PC-Branche : Totgesagte laufen länger

„Das vierte Quartal 2014 war das beste in der jüngsten PC-Geschichte“, schreibt Gartner-Fachfrau Mikako Kitagawa in ihrem Bericht. Aymar de Lencquesaing, Europachef des Weltmarktführers aller Computerhersteller, Lenovo, sagte angesichts eines Absatzsprungs von mehr als 7 Prozent im Schlussquartal: „Wir wachsen in allen Bereichen und allen Regionen. Der PC war und ist über alle Modelle und Produktklassen hinweg unser wichtigstes Produkt.“ Und die großen Konkurrenten ziehen mit.

Deutliche Zuwachszahlen bei den Herstellern

Sie verbuchten zuletzt ebenfalls deutliche Zuwachszahlen. Während Samsung sich aus dem Markt in Europa zurückzieht, konnte die kalifornische Hewlett Packard Company im Schlussquartal 2014 den Absatz um 16 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2013 steigern. Dell gewann 9 Prozent dazu, die taiwanische Acer fast 12 Prozent und Asustek Computer zumindest noch 1 Prozent. PC sind wieder in Mode. „In den letzten Quartalen sah die Branche eine Konsolidierungswelle über sich hinwegschwappen, aus der die großen Anbieter stärker als je hervorgingen“, erklärte Chrystelle Labesque vom Marktforschungsunternehmen IDC. Diese Welle hatte Folgen.

Europäische Hersteller spielen nach dem Rückzug von Siemens in der ersten PC-Branchen-Liga keine Rolle mehr. Die japanischen Hersteller Sony und Toshiba schmissen aufgrund fehlender Masse jüngst das Handtuch. Größe zahlt sich im margenschwachen Computer-Geschäft aus. Wer je abgesetztem Exemplar wenig verdient, muss viel verkaufen. Lenovo schwang sich nach der Übernahme der PC-Sparte von IBM binnen einer Dekade quasi aus dem Nichts zum Branchenkrösus auf, kaufte auf allen Kontinenten kleine Wettbewerber zu und warb der Konkurrenz einen Teil der besten Manager ab. Der Rest hält nun dagegen.

Hewlett-Packard macht sich nach langem Zögern im zweiten Anlauf daran, seine Computer- mit der Druckersparte zu verschmelzen und als selbständiges Unternehmen auf den Markt zu bringen. Der texanische Rivale Dell nahm all seine Aktien von der Börse und baut den gesamten Konzern zu einem integrierten IT-Anbieter samt Big-Data-, Cloud- und Speicherservice um. Für Asus und Acer loten Analysten und Investmentbanker immer mal wieder eine Übernahme aus.

Kein Wunder: Ein Ende des jüngsten Aufschwungs ist nicht in Sicht. Denn Microsoft will nun eine zeitgemäße Variante des Windows-Programms auf den Markt bringen. Intel arbeitet an Prozessoren, die viele dagewesene in den Schatten stellen sollen. Damit könnten Computerhersteller die Leistung ihrer Rechner deutlich erhöhen. „Wir sind nicht in der Post-PC-Ära“, schrieb Frank Shaw von Microsoft vor drei Jahren schon in einem Essay. Es sei vielmehr eine Zeit, in welcher der PC zum Zentrum durchdigitalisierter Haushalte wird. Das Herz der Heim- und Büroelektronik.

Lyn Vojvodich sieht das ähnlich. Ihr Unternehmen hat mit zentral angeboten, Dienstleistungen rund um das Sammeln, Speichern und Auswerten von digitalen Daten zwar die Computerindustrie auf neue Entwicklungspfade gesetzt. In der Branche sprechen sie von der Datenwolke, Vojvodich spricht von Cloudcomputing. Dem Personalcomputer aber konnte das nicht vom Markt fegen. „Und das“, sagt Vojvodich, „ist ja nicht das Schlechteste.“

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