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Paukenschlag bei Oracle : Larry Ellison tritt zurück

Larry Ellison, 70 Jahre, tritt als Vorstandschef zurück - und widmet sich bei Oracle fortan anderen Aufgaben Bild: AP

Einer der schillerndsten Figuren der Technologieindustrie tritt zurück: Oracle-Chef Larry Elison. Sein Amt wird von nun an zweigeteilt

          Es ist ein Paukenschlag: Larry Ellison, eine der schillerndsten Figuren der Technologieindustrie, hat seinen Posten als Vorstandsvorsitzender des von ihm mitgegründeten amerikanischen Softwarekonzerns Oracle überraschend abgegeben. Wie das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss mitteilte, wird Ellisons Amt von nun an zweigeteilt: Auf Ellison folgen der 57 Jahre alte Mark Hurd und die 52 Jahre alte Safra Catz, die bislang beide den Titel „President“ hatten und sich damit schon die Rolle als Nummer zwei im Unternehmen teilten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Catz war auch Finanzvorstand. Ihr Aufstieg bedeutet, dass nun ein weiterer großer amerikanischer Technologiekonzern von einer Frau geführt wird, neben Unternehmen wie Hewlett-Packard (HP) mit Meg Whitman oder IBM mit Ginni Rometty. Für Mark Hurd ist die Spitzenposition bei Oracle eine Art Comeback, denn er war zwischen 2005 und 2010 Vorstandsvorsitzender bei HP, stolperte dann aber über eine Affäre um gefälschte Spesenrechnungen.

          Ellison bleibt Oracle erhalten

          Warum Ellison nun so abrupt die Führung von Oracle abgibt, ließ das Unternehmen offen. Ellison wird Oracle nicht verlassen, sondern als Chairman den Vorsitz des Verwaltungsrats übernehmen und außerdem als Technologievorstand fungieren. Verwaltungsratsmitglied Michael Boskin sagte in einer Mitteilung, Ellison wolle weiter Vollzeit für Oracle arbeiten. Ellison ist vor wenigen Wochen 70 Jahre alt geworden, hat aber in der Öffentlichkeit nie den Eindruck von Amtsmüdigkeit vermittelt. Mit seinem Rückzug verabschiedet sich nun eine der letzten verbliebenen Gründerfiguren aus den frühen Jahren der amerikanischen Informationstechnologie von der Unternehmensspitze, so wie das zum Beispiel Microsoft-Mitgründer Bill Gates schon vor langer Zeit getan hat.

          Ellison ist ein Selfmade-Milliardär, der sich aus bescheidenen Verhältnissen an die Spitze der Softwarebranche geboxt hat. Er wurde als Sohn eines überforderten Mädchens im Teenager-Alter in New York geboren, das ihn bald zu seiner Tante nach Chicago abgab. Weder in der Schule noch an der Universität fiel Ellison mit guten Leistungen auf. Im Jahr 1977 hat er das Unternehmen Software Development Laboratories gegründet, aus dem fünf Jahre später Oracle wurde. Oracle wurde mit Programmen zur Verwaltung von Datenbanken in Unternehmen groß. Später erweiterte das Unternehmen mit einer Serie von Übernahmen seinen Aktionsradius.

          Oracle stellt heute auch betriebswirtschaftliche Standardsoftware her und konkurriert hier mit dem deutschen SAP-Konzern, zur Produktpalette gehören außerdem Netzwerkrechner (Server). Zuletzt kämpfte Oracle mit einigen Herausforderungen. So ist das Unternehmen ein Nachzügler beim Cloud Computing, einem der größten Trends der Informationstechnologie. Dabei installieren Kunden Software nicht mehr auf ihren Rechnern, sondern rufen die Programme über das Internet ab. Neben dem Führungswechsel gab Oracle am Donnerstag Quartalszahlen bekannt, die unter den Erwartungen lagen. Der Aktienkurs von Oracle notierte im nachbörslichen Handel zeitweise rund 2 Prozent im Minus.

          Nummer fünf der reichsten Männer der Welt

          Larry Ellison ist berüchtigt dafür, dass er im Wettbewerb harte Bandagen einsetzt. Legendär sind seine Verbalattacken auf Rivalen wie IBM oder SAP. Er inspirierte einmal eine Biographie mit dem Titel „Der Unterschied zwischen Gott und Larry Ellison“ – dieser besteht nach Auffassung des Autors darin, dass Gott sich nicht für Larry Ellison halte. Auf der „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt stand er zuletzt mit einem Vermögen von 52 Milliarden Dollar auf Rang fünf. In Amerika sind nur Bill Gates und der Investor Warren Buffett reicher als Ellison. Trotz seines schon gewaltigen Reichtums hat sich Ellison seine Arbeit bei Oracle bis zuletzt fürstlich entlohnen lassen und lag in Listen der am besten bezahlten Vorstandsvorsitzenden Amerikas regelmäßig weit vorne.

          Anders als manch andere Superreiche wie Gates oder Buffett, die einen eher unauffälligen Lebensstil pflegen, leistet sich Ellison viele private Extravaganzen und stellt seinen Reichtum gerne zur Schau. Er hat mehrere Luxusvillen und eine riesige Yacht, und vor zwei Jahren kaufte er die Hawaii-Insel Lanai. Mit Besessenheit hat er das Ziel verfolgt, die Segeltrophäe America’s Cup zu gewinnen. Sein Team blieb dabei lange erfolglos, bis es sich den Sieg dann doch 2010 und 2013 und damit gleich zwei Mal hintereinander sicherte.

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