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Partnervermittlung im Netz : „Frauen stehen auf Architekten“

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Arndt Roller hat seine Frau bei Parship kennengelernt, aber nicht online Bild: Holde Schneider

Parship-Chef Arndt Roller über Partnervermittlung im Netz, die Vorlieben der Singles und warum 358 Euro Jahresbeitrag gut angelegt seien: „Der Mauerblümchenanteil ist extrem klein“, sagt er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im Interview.

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          Parship-Chef Arndt Roller über Partnervermittlung im Netz, die Vorlieben der Singles und warum 358 Euro Jahresbeitrag gut angelegt sind.

          Herr Roller, Sie sind verheiratet. Haben Sie Ihre Frau im Urlaub oder beim Sport kennengelernt?

          Sie werden es nicht glauben: bei Parship.

          Parship will den Partner fürs Leben vermitteln

          Ich hatte nichts anderes erwartet.

          Na ja, es ist nicht so, wie Sie denken. Ich habe meine Frau nicht im Internet gefunden, sondern in der Firma. Sie hat hier mal als Studentin gejobbt. Allerdings habe ich einen eisernen Grundsatz: Mit Mitarbeiterinnen würde ich nie anbandeln. Wir haben uns aber drei Monate später zufällig wiedergetroffen, und da hat es Klick gemacht.

          Dann sind Sie der beste Beweis dafür, dass man keine Online-Partnervermittlung braucht.

          Das sehen in Europa acht Millionen Mitglieder von Parship anders.

          Können Ihre Mitglieder nicht rechnen? Der Jahresbeitrag kostet 358 Euro, für dieses Geld könnte ich dutzendmal in einem Café sitzen und Menschen kennenlernen.

          Hm, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Aber bei uns treffen Sie Singles, ohne Angst haben zu müssen, dass Sie schroff abgewiesen werden. Und Sie wissen, dass der, den Sie treffen, auch zu Ihnen passt. Dafür halte ich 30 Euro im Monat für ein überschaubares Investment.

          Wenn ich keinen Mann fürs Leben finde, bekomme ich dann mein Geld zurück?

          Nein, Sie können auch nicht ein Jahr lang einen Fitness-Club benutzen und dann sagen, ich will mein Geld zurück. Was wir Ihnen versprechen, sind mindestens 15 Kontakte – aber nicht den Gang vor den Traualtar. 38 Prozent unserer Mitglieder finden bei uns einen Partner.

          Sind es nicht bloß die Restposten der Heiratswilligen, die zu Ihnen kommen? Diejenigen, die keinen abbekommen haben?

          Nein. Der Mauerblümchenanteil ist extrem klein. Sie finden viele Akademiker zwischen 30 und 50 in gutbezahlten Jobs, meist aus Städten. Denen fehlen nur zwei Dinge: die Gelegenheit und die Zeit, neue Menschen kennenzulernen. Der Zeitgeist läuft so, dass jeder immer mehr arbeitet. Bei uns können Sie auch spätnachts im Schlafanzug noch auf Partnersuche gehen.

          Wer Mitglied bei Ihnen werden will, muss 80 Fragen beantworten. Ein Computer gleicht dann die Antworten mit denen anderer Mitglieder ab und macht Partnervorschläge. Wie soll eine Maschine wissen, wer zu mir passt?

          Wir fragen 32 Kriterien ab, vom Charakter bis zur Lebenseinstellung. Da geht es um Gemeinsamkeiten und Gegensätze, beides ist wichtig. Wenn Sie regelmäßig Händchen halten wollen, dann sollte das bei Ihrem Partner genauso sein, sonst gibt es Probleme. Aber für eine dominante Frau, die aufbrausend ist und die sich durchsetzen will, suchen wir eher das Gegenteil, einen Partner, der ausgleicht.

          Aber eines hat der Computer garantiert nicht: Menschenkenntnis.

          Gar nicht wahr, die haben wir auch. Es ist ja nicht die Maschine, die den Fragebogen erfunden hat, sondern der wurde von Psychologen mit Informationen gefüttert und beruht auf einem Erfahrungsschatz von mehreren Millionen Mitgliedern. Das könnte ein einzelner Heiratsvermittler nie schaffen.

          Das klingt kein bisschen romantisch!

          Was wir machen, ist, Fragen zu stellen, damit die Romantik eine Chance hat. Es ist doch noch viel unromantischer, sich in einen Menschen ernsthaft zu verlieben, um dann herauszufinden, erstens will er keine Kinder und zweitens erwartet er, dass ich ihm das Mittagessen bezahle, und zwar für den Rest meines Lebens. Diese Enttäuschung ersparen wir Ihnen.

          Na, und dann schlagen Sie mir tausend Partner vor, und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Wie im Supermarkt bei 20 verschiedenen Zahnpasta-Sorten.

          Das stimmt nicht. Im Gegensatz zum Supermarkt legen wir nicht das nach oben, was am teuersten ist, sondern auf der Vorschlagsliste steht der ganz oben, der am besten zu Ihnen passt. Mein Rat: Fangen Sie einfach oben an.

          Wie habe ich denn die besten Chancen, als Kandidat ganz oben zu landen?

          Also eines ist sicher: garantiert nicht mit einem dicken Portemonnaie. Bei uns ist das anders als bei klassischen Heiratsannoncen, wo die 23 Jahre alte bildhübsche Millionärstochter einen Mann sucht. Unsere Studien zeigen: Frauen legen mehr Wert auf Bildung, die ist wichtiger als das Einkommen. Männer sind häufig bereit, mit einer Frau zusammenzuleben, die wenig oder gar kein Geld verdient.

          Als Milchbäuerin sähe es für mich aber schlecht aus.

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