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Parfümeriekette : Douglas ist wieder flüssig

In Europa schließt das Unternehmen jede fünfte Filiale. Bild: dpa

Die Corona-Krise hat die Parfümeriekette mit ihrem großen Filialnetz hart getroffen. Jetzt hat sich das Unternehmen Milliardenkredite gesichert.

          3 Min.

          Mit einem Paket von 2,55 Milliarden Euro hat sich die Parfümeriekette Douglas für die nächsten Jahre finanziert. Auch die Eigentümer des Düsseldorfer Unternehmens, die Gründerfamilie Kreke und der Mehrheitseigner, der Finanzinvestor CVC, stecken dabei insgesamt 220 Millionen Euro Eigenkapital in Douglas. Auf eine vorrangig besicherte Anleihe im Wert von 1,3 Milliarden Euro zahlt die Parfümeriekette seinen Investoren 6 Prozent Zins, hinzu kommen ein vorrangig besichertes Darlehen im Volumen von 600 Millionen Euro, eine revolvierende Kreditlinie in Höhe von 170 Millionen Euro sowie eine sogenannte PIK-Anleihe („Payment in Kind“) für 475 Millionen Euro. Abgeschlossen soll das Geschäft am 8. April sein, zu dem Zeitpunkt werden dann auch die bisherigen Fremdfinanzierungen vollständig zurückbezahlt.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          „Angesichts der Corona-Pandemie und andauernder Lockdowns ist eine Finanzierung in dieser Größenordnung eine Herausforderung. Dass wir sie abgeschlossen haben, spricht für die Qualität des Geschäfts“, sagte Alexander Dibelius, der Deutschland-Chef von CVC, der F.A.Z. Eine wichtige Rolle dabei dürfte vor allem die Vision des Unternehmens gespielt haben, denn die momentane Situation ist schwierig. So ist der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr um 6,4 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zurückgegangen, im ersten Quartal, in das das wichtige Weihnachtsgeschäft gefallen ist, sanken die Erlöse gar um 7,1 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig legte der Online-Handel fast um drei Viertel zu. Doch vor allem unter den geschlossenen Filialen hat die Parfümeriekette gelitten, derzeit sind in vier wichtigen Ländern – neben Deutschland auch die Niederlande, Frankreich und Polen – die meisten Geschäfte zu.

          Deshalb konnte auch der starke Anstieg des Online-Geschäfts, das inzwischen gut ein Fünftel des Gesamtumsatzes ausmacht, das Minus nicht ausgleichen. Für die Zukunft soll aber vor allem daher das Wachstum kommen. „Die Investoren haben in allen Gesprächen positiv betont, wie erfolgreich wir digitalisiert sind“, sagte die Douglas-Chefin Tina Müller. „Natürlich steigt der Wettbewerb, aber wir können uns online mit jedem messen – auch außerhalb des Beauty-Marktes.“ Damit spielt Müller auf andere Marktplätze wie Zalando an, die zuletzt auch mit dem möglichen Zukauf des Douglas-Wettbewerbers Flaconi in Zusammenhang gebracht wurden, der derzeit noch Pro Sieben Sat 1 gehört.

          Jede fünfte Filiale muss schließen

          Anders als reine Online-Händler hat Douglas aber eben noch ein großes Filialnetz in Europa, wenngleich es deutlich schrumpft, weil sich immer mehr Umsätze der Parfümeriekette ins Internet verlagern. So schließt das Unternehmen in Deutschland 60 der 430 Filialen, was rund 600 Stellen kostet. Das ist etwas mehr als ein Zehntel der Mitarbeiter, vor allem in Italien und Spanien trifft es noch deutlich mehr Geschäfte, insgesamt werden 500 der rund 2400 Standorte in Europa dichtgemacht. Das kostet rund 2500 Arbeitsplätze.

          Das Programm liege weiterhin im Plan, wie Müller auf Nachfrage angibt. Nur will sie die Schließungen nicht als Abkehr vom stationären Geschäft verstanden wissen. „Unsere digitale Transformation läuft nicht auf dem Rücken der Filialen: Sie ergibt sich aus dem geänderten Konsumverhalten unserer Kundschaft und bezieht die Filialen mit ein, indem sie direkt an den Online-Umsätzen partizipieren“, sagt Müller. So gebe es in Zukunft auch für die Filialen mehr Chancen für Wachstum. Die Restrukturierung soll im operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vom kommenden Geschäftsjahr an 120 Millionen Euro im Jahr bringen. Die Kosten für die Schließungen liegen weiterhin bei den Ende Januar mitgeteilten 94 Millionen Euro – wodurch von dem Eigenkapitalzuschuss der Eigentümer gut 100 Millionen Euro in bar bei Douglas landen.

          Die Ratingagenturen, die die Liquidität von Douglas zuletzt scharf beäugt hatten, zeigen sich mit der neuen Finanzierung jedenfalls etwas entspannter. So erwartet etwa Moody’s, dass sich die Finanzkennzahlen von Douglas aufgrund der sich erholenden operativen Leistung allmählich verbessern werden. Gleichwohl ist das Rating noch verbesserungswürdig, weil so hohe Schulden auf Douglas lasten. Nach Berechnungen von Moody’s dürfte der Verschuldungsgrad im Geschäftsjahr 2021 immer noch bei 8,1 Mal dem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) entsprechen.

          Als Douglas noch dem Finanzinvestor Advent gehörte, sollte das Unternehmen schon einmal an die Börse zurückkehren, zu einer Bewertung von damals 3 Milliarden Euro. Stattdessen übernahm CVC das Unternehmen, dessen Investment in die Parfümeriekette sich irgendwann auch auszahlen soll. Mit Auslaufen der jetzt gesicherten Finanzierung in den Jahren 2022 und 2023 könnte also abermals ein Gang aufs Parkett anstehen. „Douglas ist jetzt hervorragend finanziert. Ein Börsengang in der Zukunft ist eine Möglichkeit, aber keine Notwendigkeit“, sagte Dibelius.

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