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Panzerhersteller : Ein europäischer Panzer nimmt Fahrt auf

Im Ausland begehrt: Der Kampfpanzer Leopard 2 von Krauss-Maffei Wegmann Bild: dpa

Deutschlands Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann besiegelt den Zusammenschluss mit dem französischen Rüstungskonzern Nexter. Für die europäische Rüstungsindustrie ist das eine Zäsur.

          Obwohl der „Leopard“ seit Jahren in Deutschland gebaut wird, ist der Kampfpanzer des Herstellers Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) eine Art Klassiker in der europäischen Rüstungsbranche. „Mit der Ausnahme von Frankreich und Großbritannien ist unser Leo bei fast allen westlichen Armeen im Einsatz“, sagt KMW-Chef Frank Haun. Mit Blick auf die französische Armee dürfte diese Lücke in absehbarer Zeit geschlossen werden und sogar Großbritannien könnte mittelfristig folgen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          An diesem Mittwoch will Haun mit dem französischen Panzerhersteller Nexter den Mitte 2014 verkündeten Zusammenschluss offiziell besiegeln. Unterzeichner sind die Eigentümerfamilie Bode für KMW sowie Vertreter der französischen Regierung für das Staatsunternehmen Nexter.

          Danach steht der Gründung einer neuen Holdinggesellschaft mit Geschäftssitz in den Niederlanden nichts mehr im Wege. Das neue Unternehmen mit dem vorläufigen Arbeitstitel Newco ist künftig jeweils zur Hälfte an KMW und Nexter beteiligt, die zusammen etwa 6000 Mitarbeiter beschäftigen und gemeinsam rund 2 Milliarden Euro im Jahr umsetzen. Geführt wird der deutsch-französische Panzerhersteller zunächst von einer Doppelspitze aus den bisherigen Vorstandschefs der beiden Unternehmen, Frank Haun (KMW) und Philippe Burtin (Nexter).

          Vorbehaltlich der Zustimmung der nationalen Kartellbehörden in beiden Ländern soll der neu geformte Panzerhersteller spätestens von 2016 an seine Arbeit aufnehmen. Eines der ersten gemeinsamen Programme, mit dem sich KMW/Nexter mit Hochdruck beschäftigen wird, ist die Entwicklung einer neuen Generation von Kampfpanzern, die die bestehenden Modelle auf deutscher (Leopard 2) und französischer Seite (Leclerc) bis spätestens 2025 ablösen soll, bestätigte Haun im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die gemeinsame strategische Aufstellung ermöglicht nach Ansicht des KMW-Chefs den Erhalt von Arbeitsplätzen und Kompetenzen in zwei Schlüsselunternehmen der deutschen und französischen Rüstungsindustrie. Entlassungen oder die Schließung von Standorten seien nicht geplant.

          KMW und Nexter sollen laut Haun Vorreiter für eine Konsolidierung in der europäischen Rüstungsindustrie werden, in der über Jahrzehnte nationale Lösungen für militärische Großvorhaben stets Vorrang hatten: „Unser Zusammenschluss verfolgt das Ziel, über eine Bündelung der Kräfte auf der Industrieseite auch zur Konsolidierung  der Nachfrage beizutragen“, sagte Haun der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Damit werde im militärischen Sektor in Europa für eine überfällige Standardisierung und industrielle Normung von Waffensystemen gesorgt, die dem Steuerzahler Geld sparen soll.

          Eine industriepolitische Zäsur

          Um nach der Fusion von KMW und Nexter ehrgeizige Rüstungsvorhaben wie den Bau des deutsch-französischen Kampfpanzers zu realisieren, hält es der KMW-Chef für dringend erforderlich, dass sich die Vertreter der Regierungen in Berlin und Paris beizeiten über die Exportrichtlinien für den Verkauf von schwerem Kriegsgerät außerhalb der EU und der Mitgliedstaaten des westlichen Militärbündnisses Nato verbindlich einigen. Dieser Punkt ist deshalb besonders heikel, weil die bisherigen Export-Vorschriften in Frankreich meist lockerer sind als in Deutschland. Haun hält es dabei für zweckmäßig, wenn die Anteile für Produktion und Technologie jeweils zu gleichen Teilen aus beiden Ländern erbracht werden und derjenige, der die Waffensysteme verkauft, auch über den Export entscheidet.

          Mit Planung und Aufbau einer europäischen Panzerschmiede sind die beteiligten Unternehmen intern seit mehr als zwei Jahren befasst. Die konkreten Pläne von KMW und Nexter wurden indessen vor einem Jahr publik. Das Vorhaben stellt eine industriepolitische Zäsur in der europäischen Rüstungsindustrie dar. KMW und sein Partner stellen danach nur den Nukleus für eine umfassende Konsolidierung unter den westlichen Panzerherstellern dar.

          Eine Goldene Aktie für Paris

          Danach ist auf mittlere Sicht durchaus denkbar, dass sich dem deutsch-französischen Verbund auch weitere Hersteller aus Italien oder Großbritannien anschließen könnten, sagen Kenner der Branche. KMW-Chef Haun schließt solche Optionen zwar keineswegs aus, lässt aber die Namen weiterer Kandidaten für den europäischen Panzerverbund offen.

          Der französische Staat will seinen Einfluss bei der neuen Holding über eine Goldene Aktie sichern. Die deutsche Regierung ist an dem neuen Duo, ebenso wie zuvor an KMW, nicht an dem Unternehmen direkt beteiligt. Sie soll allerdings bei wichtigen strategischen Fragen informell eingebunden werden, sagen Kenner der Verhandlungen in Berlin.

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