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Branche im Umbruch : Die Papierfabrik Palm blickt zuversichtlich in die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Durch diese Maschine wird mit 2000 Metern die Minute Papier durchgejagt. Bild: Papierfabrik Palm

Das Familienunternehmen gehört zu den größten Herstellern von Zeitungspapier in Europa. Das Internet macht ihm zu schaffen, doch es profitiert auch davon.

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          Mit Helm und Warnweste betritt man eine riesige Fabrikhalle. Zur Linken ein dröhnender Gigant aus Stahl – eine Papiermaschine des schwäbischen Maschinenbauers Voith, die mit 2000 Metern die Minute Papier durchjagt, mit bloßem Auge ist das nicht nachzuverfolgen.

          Man erblickt Berge von Altpapier. Dort, in der Stoffaufbereitung, findet man nicht nur Zeitungen und Zeitschriften, sondern gelegentlich auch unbrauchbare Fremdstoffe, „welche aufwendig aussortiert werden müssen“, wie Andreas Reichert berichtet. Er leitet in der Aalener Papierfabrik Palm GmbH & Co. KG das Werk in Eltmann.

          Nach einem viele Meter langen Lauf durch die Maschine landet das weiße Zeitungspapier auf einer großen Rolle. Eine volle Rolle kann rund 40 Tonnen Papier fassen. „Das ist in etwa so viel, wie die Stadt München am Tag benötigt“, sagt Reichert. Dann werden die Massen an Papier geschnitten und als kleinere Rollen, sogenannte Tochterrollen, zu den Kunden geschickt.

          Großer Hersteller in Familienbesitz

          Palm sei in Deutschland das größte Papierindustrieunternehmen in Familienbesitz, sagt Personalleiter Arne Teuteberg. „Palm gehört zu den vier größten Zeitungspapierproduzenten in Europa.“ Wettbewerber sind vor allem Hersteller aus dem Ausland wie UPM und Stora Enso. Das Unternehmen hat eine Tradition, die bis 1872 zurückreicht.

          „1994 entstand das zweite Werk in Eltmann, ganz ausgelegt auf die Produktion von Zeitungsdruckpapier, und 2002 das in Wörth am Rhein“, berichtet Reichert. Mit den Werken in Frankreich und in Großbritannien besitze Palm fünf große Papierfabriken und außerdem 26 Wellpappenwerke und zwei Recycling-Unternehmen in Deutschland und Anrainerstaaten. Insgesamt beschäftige man rund 4000 Mitarbeiter.

          Nur 13 Mitarbeiter sind nach Reichert nötig, um eine der zwei vollautomatisierten Papiermaschinen zu betreiben. In Eltmann produzieren die beiden Papiermaschinen 1400 Tonnen am Tag, wofür 1700 Tonnen Altpapier, das sind etwa 74 Lastwagenladungen, gebraucht werden. „Die Rohstoffkosten machen rund ein Viertel des Verkaufspreises aus“, sagt Reichert.

          Pionier in der Altpapierverwertung

          In Eltmann beziehe man das in den Blauen Tonnen gesammelte Altpapier über die Kommunen und die Entsorgungswirtschaft, erklärt Teuteberg. Palm sei das erste Unternehmen in Deutschland gewesen, das 1983 Zeitungspapier aus 100 Prozent Altpapier hergestellt habe. „Papiere mit hoher Weiße aus Recyclingpapier gehen zum Beispiel auch an die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Wir beliefern alle wesentlichen Druckhäuser in Deutschland“, sagt Teuteberg.

          Die mit gut 10 Metern Breite derzeit weltgrößte Zeitungspapiermaschine, die mit einer Kapazität von 400 000 Tonnen je Jahr in England produziert, soll bald von einer noch größeren Maschine für Wellpappenrohpapiere in Aalen übertrumpft werden. Rund 500 Millionen Euro kostet das Projekt.

          Palm produziert Zeitungsdruckpapier, Wellpappenrohpapier und Wellpappenverpackungen. Der Jahresumsatz 2018 betrug laut Reichert 1,6 Milliarden Euro. „Der Absatzmarkt der drei deutschen Papierfabriken von Palm ist vor allem Deutschland. Es werden allerdings auch Mengen in benachbarte Länder exportiert. Prag liegt für Eltmann zum Beispiel näher als Hannover“, berichtet Wolfgang Palm, Inhaber der Palm-Gruppe.

          „Der Verbrauch an Zeitungsdruckpapier und Illustriertendruckpapier ist in Deutschland seit ungefähr 10 Jahren rückläufig“, sagt Teuteberg. Die gedruckten Medien würden durch elektronische verdrängt. Gleichzeitig steige aber der Bedarf an Hygienepapier, etwa wegen der Mehrlagigkeit von Toilettenpapier, und an Verpackungspapier. Vor allem der boomende Internethandel führe zu einem rasanten Wachstum der Wellpappenverpackung. „In Summe gleichen sich die beiden Trends ungefähr aus.“

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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