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Streit im Volkswagenreich : VW-Betriebsratschef: Wir müssen Batterien bauen

Bernd Osterloh fordert eine eigene Batteriefabrik für Volkswagen. Bild: dpa

Der Trend hin zu Elektromobilität gefährdet viele Arbeitsplätze von Volkswagen. Betriebsratschef Osterloh spricht deshalb eine Drohung aus.

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          Im Ringen zwischen VW-Vorstand und Betriebsrat um den Zukunftspakt für das Unternehmen werden erste Eckpunkte deutlich. Sicher ist, dass es in den deutschen Stammwerken trotz des Drucks, die Kosten zu senken, keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. „Wir werden niemanden rausschmeißen oder betriebsbedingt kündigen“, hat Konzernchef Matthias Müller schon zu Beginn der Verhandlungen versprochen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Ganz ohne Personalabbau wird es nicht gehen. Betriebsratschef Bernd Osterloh hat deswegen jetzt die Zahl von rund 2500 Mitarbeitern ins Spiel gebracht, die pro Jahr in Altersteilzeit gehen oder frühverrentet werden. Auch hier scheinen sich Management und Betriebsräte einig. „Wir werden uns die demographische Entwicklung zunutze machen“, sagt Müller. Genaue Zahlen nennt das Management nicht.

          Osterloh hat am Dienstag erstmals auch den geplanten Bau einer Batteriefabrik öffentlich zu einer Bedingung für eine Einigung gemacht. „Der Zukunftspakt könnte auch scheitern“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. „Insbesondere, wenn es keine Zusagen des Konzerns zum Einstieg in die Batterie gibt.“ Der Betriebsrat brauche ein Ja zur Fertigung von Batterien. Damit sollen Arbeitsplätze ersetzt werden, die jetzt in den deutschen VW-Werken Komponenten für Verbrennungsmotoren bauen. Konzernchef Müller will bis zum Jahr 2025 mit einer „Elektrifizierungsoffensive“ mehr als 30 batteriebetriebene Fahrzeuge auf den Markt bringen. Bis 2025 soll bei einem Absatzziel von 2 bis 3 Millionen Fahrzeugen bereits ein Viertel der neu ausgelieferten Autos einen Elektroantrieb haben.

          Digitalisierung verschärft den Druck auf die Arbeitsplätze

          Für den Bau von Elektroautos werden künftig aber deutlich weniger Arbeiter benötigt als für den Bau von Fahrzeugen mit klassischen Verbrennungsmotoren. Auch Osterloh weiß das. Beim Umbau zur E-Mobilität, die durch den Abgasskandal bei VW dramatisch an Tempo gewonnen hat, würden „mehr Menschen das Unternehmen verlassen, als wir einstellen“. Verschärft wird der Druck auf die Arbeitsplätze durch die Digitalisierung der Branche. Industrie 4.0 bedeutet für die Autoindustrie, dass immer mehr Arbeiten in der Produktion von Robotern und automatisierten Arbeitsprozessen übernommen werden.

          Deswegen besteht Osterloh in den Verhandlungen mit Müller und mit VW-Markenvorstand Herbert Diess auch darauf, für die einzelnen Werke konkrete Modellzusagen und zusätzlich ein Ja zur deutschen Batteriefabrik zu bekommen. Gut 40 Prozent der Wertschöpfung bei einem Elektroauto wird künftig in den Batterieantrieben liegen. „Das heißt, dass wir einen großen Wandel der Arbeit – vor allem in unseren Komponentenwerken – haben werden“, sagte der Betriebsratschef. Grundsätzlich sind sich Betriebsrat und Management aber auch in dieser Frage einig.

          Müller hat schon vor einigen Monaten angekündigt, dass Volkswagen sich die gesamte Prozesskette der Batterietechnik – von der Förderung von Rohstoffen bis zum Einbau ins Auto – ansehen und bis Ende des Jahres entscheiden wird, welchen Teil VW in eigener Regie machen wird. Eine eigene Batteriefabrik mit Zellfertigung schloss Müller jedoch aus. „So einen Blödsinn machen wir sicherlich nicht“, sagte er kürzlich vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Die Produktion von Batteriezellen sei hoch automatisiert, schaffe kaum Arbeitsplätze und sei zudem „schweineteuer“.

          Bereits in wenigen Wochen soll der Zukunftspakt für VW ausgehandelt sein, heißt es in Wolfsburg. Die Erwartungen sind groß. Müller will dabei auch konkrete Zielvorgaben machen und zum Beispiel an den Materialkosten sparen. Von bis zu 10 Prozent ist dabei in Wolfsburg die Rede. Auch wenn sich die Eckpunkte des Zukunftspakt abzeichnen, viele für die Belegschaft schmerzhafte Details sind noch umstritten. Die für Donnerstag angesetzte Betriebsversammlung in Wolfsburg dürfte damit noch keine konkreten Ergebnisse zeigen, wie der Zukunftspakt am Ende aussehen wird.

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