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Aktienkurs büßt ein : Osram-Übernahme steht offenbar auf der Kippe

Osram unter Beobachtung Bild: dpa

Die Zweifel an einem Verkauf von Osram an zwei amerikanische Investoren werden immer größer. Die Aktie verliert deutlich an Wert – was ganz im Sinne der potentiellen Investoren wäre.

          Mit Kurseineinbußen der Osram-Aktie von bis zu 7 Prozent reagierte die Börse am Mittwoch auf einen Bericht, wonach die Übernahme des Lichttechnikunternehmens durch Finanzinvestoren scheitern könnte. Auch wenn ein Sprecher des M-Dax-Unternehmens die Meldungen des Manager Magazin dementierte, haben die schon seit längerem vorhandenen Zweifel am tatsächlichen Einstieg der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaften Bain Capital und Carlyle Group die Stimmung am Parkett dominiert.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Im Februar hatte Osram das Interesse der beiden Investoren bestätigt, die eine Komplettübernahme nicht ausgeschlossen haben. Darüber wurde schon Monate zuvor spekuliert. In Gesprächen mit dem Osram-Management unter Vorstandschef Olaf Berlien können sie in die Bücher des Konzerns schauen und die Zahlen prüfen (Due Dilligence). Seitdem herrscht Stillschweigen, ziehen sich die Verhandlungen hin, die bereits länger als ursprünglich erwartet dauern. Beobachter rechneten eigentlich schon Ende März mit einer Entscheidung.

          Umsatz ist eingebrochen

          Von Anfang aber standen Fragezeichen hinter dem Vorhaben der Finanzinvestoren, da der Erfolg der Strategie hinterfragt wird, mit der der Münchner Hersteller von Lichtsystemen auf die Herausforderungen der Märkte mit einer zunehmenden Vernetzung weg vom klassischen Lampengeschäft antworten will. Berlien kündigte dazu im November 2018 die Strategie an, das Unternehmen zu einem "Photonik-Konzern" auszurichten und die Abhängigkeit vom Automobilgeschäft mit einem Umsatzanteil von 50 Prozent zu verringern.

          Osram-Chef Olaf Berlien

          Doch haben sich in den vergangenen Monaten auch die Geschäftsaussichten von Osram dramatisch verschlechtert, da vor allem der Umsatz mit dem wichtigsten Kunden Automobilindustrie eingebrochen ist. Erst Ende März musste Berlien die Prognose für das laufende Jahr 2018/2019, das am 30. September endet, empfindlich zurücknehmen, nachdem er zuvor schon die Anleger immer mehr auf die sich eintrübenden Geschäfte einstellte. Nach einem zunächst erwarteten stabilen Umsatz wird nun von einem Einbruch von 11 bis 14 Prozent ausgegangen. Die operative Umsatzrendite soll nur noch 8 bis 10 Prozent statt bislang 12 bis 14 Prozent erreichen. Für das Gesamtjahr wird mit einem Mittelabfluss, also einem negativen Cash Flow, von 50 bis 150 Millionen Euro gerechnet. Im ersten Quartal rutschte Osram unter dem Strich gar in die Verlustzone.

          Auch die Zweifel an der Strategie scheinen nun einen immer größeren Stellenwert zu erhalten, weil die von Berlien angekündigte „neue“ Aufstellung mit der Konzentration auf optische Halbleiter und digital-vernetzte Anwendungen als Antwort auf die jüngste verschärfte Lage im Grunde nicht neu ist. Sie wurde von Berlien unter dem Schlagwort "Photonik" einfach nur anders verpackt. Das Unternehmen verfolgt schon seit einigen Jahren unter seinem seit 2015 agierenden Vorstandschef eine Neuausrichtung, etwa mit einer riesigen Investition in ein neues Opto-Halbleiterwerk in Malaysia, das aber nicht ausgelastet ist und neu ausgerichtet werden muss. Seit Jahren entwickelt das Unternehmen intelligente Beleuchtungssysteme für Autos oder für Gebäude und arbeitet an Sensorsystemen etwa im nicht sichtbaren Bereich (Infrarot). Alles das verkauft Berlien nun mit seiner "Photonik"-Strategie.   

          Bain und Carlyle könnten auch auf Zeit spielen. Angenehmer Begleiteffekt ist nämlich derzeit der Dauerverfall des Aktienkurses. So kann der Kompletterwerb günstiger werden. Der Börsenwert von Osram liegt nur noch bei 3 Milliarden Euro, nachdem er im Februar mit offizieller Bestätigung der Gespräche mit den Finanzinvestoren noch deutlich mehr als 4 Milliarden Euro betragen hatte. Einst spekulierte man über eine Übernahmeofferte zwischen 40 und 45 Euro je Aktie. Dieser Wert könnte nun deutlich geringer ausfallen.

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