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Olaf Berlien : Osram-Chef prophezeit Einbruch in der Autoindustrie

  • -Aktualisiert am

Olaf Berlien ist Vorsitzender des Vorstands der Osram GmbH Bild: Heider-Sawall/WirtschaftsWoche

Olaf Berlien glaubt den offiziellen Statistiken der Autohersteller nicht. Auch auf die nahe Zukunft seines eigenen Unternehmens blickt der Manager pessimistisch.

          Osram-Chef Olaf Berlien rechnet mit einem unerwartet starken Einbruch der Autonachfrage und womöglich längeren Werkferien bei seinen Kunden, den Autoherstellern, im Sommer. „Die offiziellen Statistiken, mit der die gesamte Autoindustrie arbeitet, gehen für 2019 von 96 Millionen zu produzierenden Autos aus. Diese Zahl glaube ich nicht“, sagte Berlien der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Ich rechne mit 90 Millionen Fahrzeugen.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Prognose der Autoindustrie gebe den Juli und August als die stärksten Wachstumsmonate an. „Diese Einschätzung nehme ich niemandem ab“, sagte der Osram-Chef. „Ausgerechnet in den Sommerferien sollen die meisten Autos gekauft werden? Nach meinem Eindruck werden die Hersteller eher die Sommerferien in manchen Fabriken verlängern, weil sie die Autos nicht loswerden.“

          Der sinkende Autoabsatz und die Abschwächung der Smartphone-Nachfrage nennt der Osram-Chef als Gründe, warum er seine Prognosen für 2019 am vorigen Donnerstag so scharf unten korrigiert hat: „Wir haben uns auf eine pessimistische, leider aber realistische Sicht für 2019 fest gelegt“, betonte Berlien in der F.A.S. und kündigte an, das Sparprogramm des Konzerns zu verschärfen: „Investitionen werden verschoben oder ganz gestrichen, wir gehen an die Reisekosten, schauen auf Mieten oder Dienstwagenregelung.“ 

          Der Aktienkurs war nach der erneuten Prognosekorrektur kräftig gesunken, nachdem sich 2018 der Kurs bereits halbiert hatte. Trotzdem verteidigt Berlien seinen Strategieschwenk, weg von Glühbirne und Leuchten, hin zu LED-Chips als „richtig, ja überlebensnotwendig.“ Der Osram-Chef wörtlich: „Als ich 2015 hier antrat, war klar: die Glühbirne stirbt, Halogen stirbt, mit Leuchten verdienen wir keinen Cent. In der Situation haben wir entschieden: Wir riskieren es, entschlossen den Weg in Richtung LED zu gehen. Ein mutiger Schritt.“ Der damit verbundene Bau einer Fabrik in Malaysia sei daher die richtige Entscheidung gewesen. „Anders wären wir heute tot. Die Zukunft wird zeigen, dass diese, auf LED gestützte Strategie richtig ist“, sagte Berlien.

          Bezüglich des möglichen Verkaufs von Osram an die Finanzinvestoren Bain und Carlyle berichtete der Vorstandsvorsitzende von „intensiven Gesprächen“: „Wir kommen gut voran“. Ob es zu einem Abschied von der Börse kommt, darüber sei es aber „viel zu früh zu spekulieren“.

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