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AMS scheitert mit Angebot : Osram-Übernahme ist geplatzt

Der österreichische Chip- und Sensorhersteller AMS hatte Ende vergangener Woche einen neuen Anlauf zur Übernahme Osrams gemacht. Bild: dpa

Die Österreicher haben die Mindestannahmeschwelle deutlich verfehlt. Beide Unternehmen wollen nun über eine Zusammenarbeit sprechen. Denn AMS ist mit einem direkt gehaltenen Aktienanteil von 20 Prozent dennoch zum einflussreichen Kerneigner geworden.

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          Die sich hinziehende Auszählung jeder Osram-Aktie bis in den Freitagabend hinein deutete es schon an: Die Übernahme des traditionsreichen Lichttechnikkonzerns aus München durch die österreichische AMS ist gescheitert. Der Sensorhersteller aus Premstätten bei Graz gab bekannt, dass er die Mindestannahmeschwelle von 62,5 Prozent verfehlt habe. Der vor einer Woche noch einmal deutlich von 38,50 auf 41 Euro erhöhte Angebotspreis konnte nicht verhindern, dass AMS aus der Dienstagmitternacht zu Ende gegangenen Übernahmeofferte lediglich auf 51,6 Prozent der Osram-Aktien Zugriff erhalten hat.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Damit nimmt ein Bieterwettbewerb um das M-Dax-Unternehmen ein Ende, der strenggenommen schon Anfang des Jahres begonnen hatte. Zunächst prüften monatelang die amerikanischen Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle Group und boten 35 Euro. Später trat überraschend die weitgehend unbekannte AMS als Gegenbieter in Erscheinung. So stieg der Preis für eine mögliche Übernahme von anfangs von 3,4 Milliarden Euro auf 3,9 Milliarden Euro. Bain und Carlyle hatten am Ende mit ihrer Offerte keine Chance. Ein später von Bain und dem Finanzinvestor Advent angedachtes Angebot kam nicht mehr zum Zuge.

          AMS einflussreicher Kernaktionär

          Eine komplette Niederlage ist der Vorstoß der Österreicher indes nicht. Denn in den vergangenen Tagen haben sie die Gelegenheiten genutzt, über die Börse und unter anderem von Hedgefonds Aktien direkt zu erwerben. Dadurch ist AMS mit 19,99 Prozent der im Besitz befindlichen Aktien größter Einzelaktionär geworden und hat so mit einer starken Position zugleich auch Anspruch auf Einflussnahme auf die künftige Strategie angemeldet. Osram ist seit längerem als Hersteller von hochmodernen Beleuchtungen etwa Autos sowie Anbieter von halbleiterorientierten Lichtsystemen (Optoelektronik) angeschlagen. Es werde nun der Dialog mit dem Osram-Vorstand gesucht, um so „eine solide Zukunft für das Unternehmen zu sichern“. Und AMS gibt sein Ziel auch nicht vollends auf.

          Man halte die Kombination mit Osram weiterhin für strategisch überzeugend, da sie die Schaffung eines weltweit führenden Anbieters von Sensoriklösungen und Photonik ermögliche, hieß es in einer Pressemitteilung am Freitagabend aus Graz. Im Hinblick darauf würden mit der Unterstützung der eigenen Aktionäre Optionen geprüft, die Akquisition von Osram, die ein stärkeres kombiniertes Unternehmen schaffe, auf Basis seiner Aktionärsposition weiter zu verfolgen. „Die strategische Logik und die bedeutenden Vorteile der Kombination von AMS und Osram sind weiter gültig“, sagte AMS-Vorstandsvorsitzender Alexander Everke.

          Osram will mit AMS sprechen

          Nur wenige Minuten nach Bekanntwerden des Scheiterns meldeten sich die Münchner. „Osram hat nun einen neuen Ankerinvestor“, hieß es in der Pressmitteilung. „Das Management lädt die AMS-Führung daher zu Gesprächen darüber ein, wie eine sinnvolle und für beide Unternehmen vorteilhafte Kooperation im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben aussehen könnte.“

          Unabhängig davon jedoch werde Osram seinen Weg zum Photonik-Champion konsequent vorantreiben und zeitnah eine Aktualisierung seiner Pläne der im November 2018 vorgestellten Unternehmensstrategie präsentieren. Diese hätten Vorstand und Aufsichtsrat parallel zu dem Bieterprozess begonnen, zu erarbeiten. Osram konzentriere sich dabei vor allem auf die Themenfelder Verschlankung des Produktportfolios, zügiger Ausbau zukunftsfähiger Produkte und Optimierung sämtlicher Bereiche sowie Verbesserung der Profitabilität.

          Aktuell findet allerdings noch eine Prüfung der Bücher durch die Finanzinvestoren Bain und Advent statt. Unverändert scheinen sie damit eine Offerte für Osram anzustreben. Eine neue Übernahmeofferte eines dritten Bieters kann ohne weiteres gestartet werden. Die beiden Finanzinvestoren müssen diese vorher aber durch die Finanzaufsicht Bafin prüfen lassen. Zudem zeigt das Ergebnis von Freitagabend, dass es mit einem Preis von 41 Euro offensichtlich nicht getan ist und deutlich mehr geboten werden müsste. Beobachter vertreten indes die Ansicht, dass ein derart hoher Preis völlig überzogen ist. AMS jedenfalls ist erst einmal aus dem Bieterrennen raus: Sie ist für ein neues freiwilliges Übernahmeangebot für die nächsten zwölf Monate gesperrt.

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          Unser Autor: Oliver Georgi

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