https://www.faz.net/-gqe-7uhdb

Zwei Rechenzentren : Oracle investiert wegen der Datensicherheit in Deutschland

  • Aktualisiert am

Ein sicherer Hafen der Datensicherheit ist heute Deutschland. Das hat nun auch Oracle erkannt. Bild: AFP

Nach der Aufregung um die NSA-Überwachung wird es zum Trend, Online-Dienste für europäische Unternehmen aus Europa anzubieten. Auch Oracle will das nun so machen.

          2 Min.

          Der SAP-Konkurrent Oracle eröffnet zwei Rechenzentren in Deutschland. Sie sollen vor Jahresende in Frankfurt und München ans Netz gehen, kündigte der Konzern in San Francisco an. Damit sollen vor allem Unternehmen bedient werden, die ihre Cloud-Dienste aus Deutschland beziehen wollen, erläuterte Deutschlandchef Jürgen Kunz. „In Deutschland ist Datensicherheit ein besonders sensibles Thema. Die Ankündigung ist ein Zeichen dafür, dass Oracle als US-Unternehmen dem deutschen Markt verbunden bleibt.“

          In einigen Bereichen wie Personaldaten müssten die Informationen in vielen Fällen in deutschen Rechenzentren gelagert werden. Oracle habe zwar Kunden aus Deutschland, die kein Problem damit hätten, ihre Daten im Ausland aufzubewahren. „Es gibt aber auch Kunden mit dem Bedürfnis, die Daten in Deutschland zu speichern, und wir wollen auch ihnen gerecht werden.“

          Die Rivalität mit dem deutschen Unternehmenssoftware-Spezialisten SAP habe für diese Entscheidung keine Rolle gespielt, sagte Kunz. Oracle konkurriert mit SAP auch im Bereich der Cloud-Dienste, bei denen Software, Daten und Rechenleistung direkt aus dem Netz bereitgestellt werden.

          Für ein Schengen-Routing

          Nach der Diskussion um die Internet-Überwachung durch Geheimdienste wie die NSA bieten amerikanische Unternehmen für ihre Kunden in Europa verstärkt lokal angesiedelte Dienste an. So setzte sich jüngst der Deutschlandchef des Computerriesen Hewlett-Packard, Heiko Meyer, für eine europäische Cloud ein. „Wir sollten einen gemeinsamen Datenraum für Europa entwickeln wie den europäischen Wirtschaftsraum“, sagte er. Microsoft prüft Cloud-Möglichkeiten für den deutschen Mittelstand.

          Auch der ehemalige SAP-Chef Jim Hagemann Snabe hatte im vergangenen Jahr europäische Regeln für Datendienste gefordert. Die Deutsche Telekom macht sich für ein sogenanntes Schengen-Routing stark: Internet-Dienste, bei denen die Daten auf dem Weg zwischen zwei Punkten in Europa entsprechend auch die europäischen Grenzen nicht verlassen sollen.

          Der Oracle-Deutschlandchef zeigte sich für diese Ideen eher skeptisch. Man müsse sehen, was davon industriepolitisch getrieben sei. „Es ist überhaupt nicht notwendig, sich in einem einzelnen Datenraum abzuschotten.“ Es gebe Möglichkeiten, Daten überall auf der Welt sicher zu lagern, viele Unternehmen machten das auch. „Das darf man nicht vermischen mit der NSA-Diskussion. Geheimdienste gibt es ja auch hier.“

          Der Wechsel von Kunden-Unternehmen zu Cloud-Diensten sei grundsätzlich ein schrittweiser Prozess, sagte Kunz. Viele unterhielten bereits ähnliche Dienstleistungen innerhalb der eigenen Infrastruktur. „Es funktioniert nicht so, dass jemand seine etablierten Lösungen im eigenen Haus von einem Tag auf den anderen abschaltet und damit komplett in die Cloud umzieht. Es läuft meistens auf hybride Modelle hinaus.“

          Der Wechsel in die Cloud werde eher von neuen Diensten angetrieben. So baue zum Beispiel die Autobranche neue Anwendungen mit großem Datenumschlag nicht in der eigenen Infrastruktur, sondern im Internet auf.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hatte einmal mehr keinen leichten Tag: Armin Laschet

          Laschet und die Union : Machtprobe

          Ein turbulenter Tag für die Union: CSU-Chef Söder spricht Scholz die besten Chancen aufs Kanzleramt zu – und Laschet verhindert eine Kampfkandidatur in der Fraktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.