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Oracle-Gründer Larry Ellison : Der Krawallmacher

Larry Ellison Bild: REUTERS

Larry Ellison ist noch nie einem Streit aus dem Weg gegangen. Im Gegenteil: Der Gründer und Chef des amerikanischen Softwarekonzerns Oracle ist als Krawallmacher und Provokateur bekannt, der in Konfliktsituationen geradezu aufblüht. Jetzt gönnt er sich einen heftigen Disput mit Hewlett-Packard.

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          Deshalb muss das Gezerre um Mark Hurd, den früheren Vorstandsvorsitzenden des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP), ganz nach seinem Geschmack sein. Ellison hat an dieser Seifenoper, die vor einem Monat mit der Ablösung von Hurd bei HP begann, einen großen Anteil: Erst startete er eine öffentlichkeitswirksame Attacke auf den Verwaltungsrat von HP und schlug sich dabei auf die Seite von Hurd. In dieser Woche heuerte er Hurd selbst bei Oracle an und löste mit diesem Manöver eine vorhersehbare Klage von HP aus. Auf die Klage reagierte Ellison prompt mit lautstarker Empörung und Drohgebärden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ellison griff nur wenige Tage nach dem spektakulären Abgang von Hurd bei HP in das Geschehen ein. Das Unternehmen hatte sich von Hurd getrennt, weil dieser Spesenabrechnungen gefälscht haben soll, um eine "enge persönliche Beziehung" mit einer früheren Vertragspartnerin zu verschleiern. Mit diesen Abrechnungen habe er gegen den Verhaltenskodex verstoßen. Gleichzeitig enthüllte HP, dass ihm die Frau sexuelle Belästigung vorgeworfen habe, wies aber darauf hin, dass diese Anschuldigungen nicht erhärtet werden konnten.

          „Ich fühle mich zutiefst beleidigt“

          Ellison sah sich zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst: "Mark Hurd ist ein enger Freund, und ich fühle mich zutiefst beleidigt durch, was ihm gerade zugestoßen ist." Die Veröffentlichung der nicht erhärteten Vorwürfe sexueller Belästigung sei "feige politische Korrektheit" gewesen. Der Oracle-Chef nannte die Trennung von Hurd "die schlimmste Personalentscheidung, seit die Idioten im Verwaltungsrat von Apple vor vielen Jahren Steve Jobs gefeuert haben".

          Larry Ellison beließ es nicht bei seiner indignierten Reaktion, sondern begann auch, den bei HP geschassten Hurd für Oracle zu umwerben. Zu Wochenbeginn verkündete Oracle, dass Hurd die Position eines Präsidenten direkt unterhalb von Ellison übernimmt. Das ist ohne Zweifel ein Coup für Ellison, zumal er Hurd überzeugen konnte, sich mit der Rolle der Nummer zwei im Konzern zufriedenzu geben - und das in einem deutlich kleineren Unternehmen als HP. Die Reaktion des früheren Arbeitgebers ließ nur wenige Stunden auf sich warten: HP reichte eine Klage gegen Hurd ein, um das Manöver von Ellison zu vereiteln. Hurd könne seine Aufgabe bei Oracle nicht erfüllen, ohne eine geschlossene Vertraulichkeitsvereinbarung zu verletzen. Experten glauben nicht daran, dass HP mit der Klage letztlich verhindern kann, dass Hurd für Oracle arbeitet. Aber es sei denkbar, dass ein Richter den Aktionsradius von Hurd bei Oracle einschränken könne. Möglich wäre auch ein Vergleich, bei dem Hurd einen Teil seiner Abfindung an HP zurückzahlt.

          Seine Aggressivität fällt auf

          Unabhängig von den Erfolgsaussichten nahm der 66 Jahre alte Ellison die Klage zum Anlass für eine Attacke auf HP: Die Klage sei "rachsüchtig" und eine "völlige Missachtung" der langjährigen Partnerschaft zwischen Oracle und HP. Mit seiner Klage mache es HP nahezu unmöglich, diese Partnerschaft fortzusetzen. Tatsächlich sind beide Unternehmen seit langer Zeit eng verbunden. HP verkauft zum Beispiel Großrechner, die auf die Software von Oracle abgestimmt sind. Es würde Ellison nach Meinung von Beobachtern nicht leicht fallen, die enge Partnerschaft mit HP ganz zu lösen.

          Larry Ellison ist schon oft mit hitzigen Gefechten aufgefallen: Er hat feindliche Übernahmeversuche gewagt und war damit erfolgreich; und er hat sich mehrere Male mit Kartellbehörden angelegt, wenn sie seine Pläne nicht einfach durchwinken wollten. Zuletzt leistete die EU-Kommission Widerstand gegen die Übernahme des Computerherstellers Sun Microsystems. Am Ende bekam Ellison aber die Freigabe.

          Auch jenseits des Geschäfts fällt Ellison mit Aggressivität auf: So hat er seit vielen Jahren geradezu mit Besessenheit den Traum verfolgt, den Segelwettbewerb America's Cup zu gewinnen. Er kämpfte dabei mit harten Bandagen, indem er sich etwa mit seinen Rivalen um die Statuten stritt. In diesem Jahr hat er sich den Traum erfüllt und die Trophäe zum ersten Mal gewonnen. "Ein absolutes Wahnsinnsgefühl", sagte Ellison hinterher.

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