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Mögliche Übernahme : Opel-Vorstand wusste offenbar nichts von Verhandlungen

  • Aktualisiert am

Karl-Thomas Neumann, der Vorstandsvorsitzende von Opel Bild: dpa

Selbst der Vorstand von Opel ist anscheinend von den Übernahme-Verhandlungen überrascht worden. Opel-Chef Neumann soll derweil sogar eine Aufspaltung von Opel durchgespielt haben. Diesen Mittwoch kommt hoher Besuch nach Rüsselsheim.

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          General Motors (GM) spricht mit dem französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën über einen möglichen Verkauf von Opel. Die Verhandlungen wurden am Dienstag publik und offenbar wusste auch der Opel-Vorstand bis zum Dienstagmorgen nichts von den Plänen GMs. Nur Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sei ein wenig früher informiert worden, schreibt das „Manager Magazin“. An diesem Mittwoch kommen GM-Chefin Mary Barra und der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Dan Ammann in die Zentrale nach Rüsselsheim, um das Top-Management über die Gespräche mit PSA zu informieren.

          Wie das Magazin weiter berichtet, soll der Opel-Chef zudem daran arbeiten, Opel bis 2030 zu einer reinen Elektromarke umzubauen. Diese Strategie habe Neumann in den vergangenen Monaten gemeinsam mit dem Vorstand entwickelt. Auch eine Aufspaltung von Opel sei durchgespielt worden. Im Frühjahr hätte demnach GM über den Plan entscheiden sollen.

          Mary Barra wirbt nach einem Bericht der Allgemeinen Zeitung Mainz in einem Brief an die Opel-Mitarbeiter für einen Verkauf von Opel an PSA. „Obwohl es keine Garantie für eine Einigung gibt, würde eine mögliche Transaktion die PSA-Gruppe sowie Opel/Vauxhall – auf Grund der sich ergänzenden Stärken beider Unternehmen ­ in die Lage versetzen, ihre Position auf dem sich rasch verändernden europäischen Markt zu verbessern“, schreibt die GM-Chefin in dem Brief, der der Zeitung vorliegt. GM und PSA würden damit ihre jeweiligen strategischen Möglichkeiten voll ausschöpfen. „Wir würden alles daran setzen, bei der Transaktion sicherzustellen, dass die Interessen aller Beteiligten gewahrt werden“, so Barra weiter.

          Peugeot-Chef Carlos Tavares bemüht sich derweil um ein schnelles Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Zuerst hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet. Ein PSA-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Treffen zwischen Tavares, Merkel und den Gewerkschaften solle „im Geist des Dialogs“ stattfinden. Die Verständigung mit den Arbeitnehmervertretern sei dem Konzern sehr wichtig. „Es ist an der Zeit, dass dies auch im Rahmen der laufenden Gespräche umgesetzt wird.“

          Nahles: Erhalt der drei deutschen Opel-Standorte hat Priorität

          Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte am Dienstag die Verhandlungen über einen Verkauf von Opel kritisiert. Die Gespräche zwischen dem französischen Autobauer und der amerikanischen Muttergesellschaft von Opel, General Motors, seien ohne Rücksprache mit dem Betriebsrat oder der hessischen Landesregierung geführt worden, hatte Zypries in Berlin am Rande der SPD-Fraktionssitzung gesagt. Das sei völlig inakzeptabel. Auch die Bundesregierung sei nicht informiert worden. General Motors stehe in der Verantwortung, insbesondere das Entwicklungszentrum in Deutschland zu belassen. Arbeitnehmervertreter hatten erbost auf den sich abzeichnenden Zusammenschluss reagiert.

          Rüsselsheim : Peugeot erwägt den Kauf von Opel

          Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte derweil am Mittwoch, die Regierung messe dem Erhalt der drei deutschen Opel-Standorte bei einer etwaigen Übernahme durch Peugeot höchste Bedeutung bei. „Die Bundesregierung hat heute im Kabinett das Thema Opel intensiv diskutiert“, sagte Nahles in Berlin. Sie forderte von der zuständigen Konzernleitung, dringend das Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern zu suchen.

          Auch britische Regierung sorgt sich

          Auch die britische Regierung hat inzwischen Kontakt zu GM aufgenommen, teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch mit. Das GM-Europageschäft umfasst neben der deutschen Tochter Opel auch die Marke Vauxhall mit 4500 Beschäftigten und Fabriken in Liverpool und Luton nördlich von London. Der französische Rivale Peugeot könnte das GM-Europageschäft übernehmen. Die britische Regierung teilte mit, die Situation genau zu verfolgen und mit GM in engem Kontakt zu bleiben. Die Autobranche auf der Insel steht nach dem Brexit-Votum ohnehin unter Druck.

          Opel hat rund 38.200 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Das Traditionsunternehmen wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und 1929 vom amerikanischen Konzern General Motors übernommen. Die Adam Opel AG hat als GM-Europatochtergesellschaft seit 1999 keinen Gewinn in Detroit abgeliefert und auch im vergangenen Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone nicht geschafft. Stattdessen betrug der operative Verlust etwa 257 Millionen Dollar (241 Mio Euro). Das war immerhin eine deutliche Verbesserung. Im Jahr zuvor hatte Opel noch 813 Millionen Dollar Verlust gemacht.

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