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Streit um Entwicklungszentrum : Opel-Betriebsrat: Das Management hat gelogen

  • Aktualisiert am

Wolfgang Schäfer-Klug, Gesamtbetriebsratschef von Opel. Bild: dpa

Was wird aus Rüsselsheim? Der Streit mit den neuen französischen Eigentümern um die Ingenieurswerkstatt spitzt sich zu. Auch die Bundesregierung schaut sich das „sehr genau“ an.

          4000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel: Der Opel-Betriebsrat fordert Klarheit über die Zukunft des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim unter dem neuen Eigentümer PSA. Die französische Zeitung „Le Monde“ hatte berichtet, dass Opel einen Teil des Zentrums an französische Unternehmen verkaufen will (den französischen Artikel gibt es hier).

          Wenn das stimmen sollte, „würde dies bedeuten, das PSA und das Opel-Management sich seit längerem in Verkaufsgesprächen befinden und wissentlich der IG Metall und der Einigungsstelle mit dem vorsitzenden Richter die Unwahrheit gesagt haben“, schimpfte der Chef von Opels Gesamtbetriebsrat, Wolfgang Schäfer-Klug, laut einer Mitteilung.

          Auch die Bundesregierung hat mittlerweile reagiert. Man habe dies entsprechenden Zeitungsberichte zur Kenntnis genommen und verfolge die Entwicklung  „sehr genau“, sagte ein Sprecher von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). „Ganz klar ist, dass wir eine Position haben zu Opel.“ Ziel müsse sein, „Arbeitsplätze und Standorte und auch die Forschung und Entwicklung am Standort Deutschland zu erhalten“.

          „...nicht kampflos hinnehmen!“

          Der Opel-Betriebsrat wiederum wehrt sich nun mit einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung. Das Management um den Opel-Chef Michael Lohscheller solle dort am Donnerstag darüber Auskunft geben, was genau geplant sei. „Ein (Aus-)Verkauf der Opel-Entwicklung würde Opel die Zukunft nehmen“, kritisierte der Betriebsrat. „Produktion, Service- und Verwaltungsbereiche können ohne Entwicklungszentrum der Marke Opel keine Identität geben.“

          Sollten die Pläne fortschreiten, kündigte Schäfer-Klug einen Arbeitskampf an: „Klar ist: IG Metall und Gesamtbetriebsrat werden einen solchen Angriff auf das Herz der Marke Opel (...) nicht kampflos hinnehmen!“

          Der französische PSA-Konzern hatte Opel im vergangenen Jahr von der ehemaligen, amerikanischen Konzernmutter General Motors übernommen. Bereits unter der Regentschaft des amerikanischen Konzerns hatte die chronisch defizitäre Marke mit dem Blitz zahlreiche Sparprogramme durchgemacht. Werke in Bochum und Antwerpen wurden geschlossen, Tausende von Stellen fielen weg. PSA-Chef Carlos Tavares hatte auch für Opel einen entschiedenen Kurs angekündigt, aber gleichzeitig vor allem die deutsche Ingenieurskunst gepriesen.

          Ende Mai hatten sich Unternehmen und Arbeitnehmer auf eine Beschäftigungssicherung bis einschließlich Juli 2023 geeinigt. Gegen Lohnzugeständnisse der verbleibenden Beschäftigten sicherte Opel zu, den Stamm in den deutschen Standorten von bislang ungefähr 19.000 Menschen um 3700 zu vermindern – auf freiwilliger Basis über die verschiedenen Abfindungs- und Vorruhestandsprogramme.

          Stein des Anstoßes: Das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim.

          Ein Opel-Sprecher erklärte, der Autobauer lote für das Entwicklungszentrum mögliche Partnerschaften aus. Das Sanierungsprogramm könne zusätzlich zu internen organisatorischen Maßnahmen „auch strategische Partnerschaften umfassen“. Bisher seien keine Entscheidungen getroffen. Weiter betonte der Autobauer, das Zentrum in Rüsselsheim werde „auch zukünftig alle Opel-Modelle entwickeln und die Aufgaben der 15 Kompetenzzentren für die gesamte Groupe PSA übernehmen". Zugleich fielen aber Auftragsarbeiten für die frühere Mutter GM weg. Deshalb könne es zu den „strategischen Partnerschaften" kommen. „Le Monde“ hatte berichtet, PSA könnte vier Bereiche veräußern, die insgesamt mit 500 Millionen Euro bewertet würden.

          Opel ist auch unter dem neuen Eigner noch nicht in Schwung gekommen. In den ersten vier Monaten lag der Marktanteil von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall nach Daten des Herstellerverbandes ACEA in Europa bei 5,7 Prozent, im Vorjahr waren es 6,3 Prozent. Das ist etwa die Hälfte des Marktanteils von VW – einer Marke, mit der sich die Rüsselsheimer einst messen konnten. PSA hat indes Erfahrung mit Konzernumbauten: Nachdem der Konzern 2014 selbst noch mit Kapitalspritzen gestützt werden musste, legt das Unternehmen nach einer Rosskur inzwischen Rekordrenditen vor.

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