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Michael Lohscheller : Wer ist der neue Opel-Chef?

Michael Lohscheller Bild: AP

Opel bekommt einen neuen Chef: Auf Karl-Thomas Neumann folgt Michael Lohscheller. Den ehemaligen Volkswagen-Manager erwartet eine schwierige Aufgabe.

          Als der bisherige Opel-Chef Karl-Thomas Neumann am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter bekanntgab, dass der derzeitige Finanzchef, Michael Lohscheller, die Geschäftsführung des Autoherstellers übernehmen werde, konnte er lediglich Lohschellers Namen nennen. Auf ein eigenes Twitter-Profil Lohschellers zu verweisen, war Neumann nicht möglich. Der 48 Jahre alte Finanzchef ist dem sozialen Medium ferngeblieben, bisher zumindest.

          Auch das unterscheidet Lohscheller von seinem Vorgänger Neumann, der mitteilte, bis zum Abschluss der Verhandlungen zwischen dem bisherigen Opel-Eigner General Motors und dem französischen Autohersteller PSA Peugeot Citroën Mitglied der Geschäftsführung bleiben zu wollen. Neumann gilt in Rüsselsheim als „digital CEO“ – als ein Unternehmenslenker also, der der digitalen Welt aufgeschlossen gegenübersteht.

          Neumann twittert, besitzt eine vernetzte Uhr, beschäftigt sich privat mit Drohnen und sorgte bisher dafür, dass seine Untergebenen bei Opel mit Aktivitäts-Trackern ihre Schritte zählen. Von Lohscheller ist all das nicht bekannt. Für Neumann war das am Montag augenscheinlich kein Defizit. „Glückwunsch, Michael Lohscheller! Mit Ihnen bekommt Opel einen CEO, der das Unternehmen genau kennt. Das ist die gute Nachricht des Tages!“, lautete ein weiterer Eintrag auf Neumanns Twitter-Konto.

          Hat schon für VW und Daimler gearbeitet

          Auf den so Gelobten wartet jedoch keine leichte Aufgabe. Bisher liefen die Verhandlungen zwischen Opel, General Motors und PSA einigermaßen geräuschlos. Nach anfänglichem Unverständnis und einiger Sorge zeigten sich zuletzt sogar die Arbeitnehmervertreter zufrieden mit den Verhandlungen und der Ankündigung von PSA, sich an geltende Tarifverträge und Produktionszusagen halten zu wollen. Mit dem Teilrückzug von Neumann kommt nun aber eine gehörige Portion Unsicherheit dazu.

          Lohscheller muss nun versuchen, diese so schnell wie möglich zu adressieren. Zugute kommt ihm dabei, dass er das Unternehmen Opel seit fast fünf Jahren kennt. Der Manager ist seit September 2012 für die Finanzen des Automobilherstellers zuständig. Er fungierte zunächst als Mitglied des Vorstands der Adam Opel AG. Später übernahm der verheiratete Vater von zwei Kindern auch den Posten als Geschäftsführer Finanzen sowie den des „Chief Financial Officers“ der Opel Group GmbH.

          Bevor er zu Opel kam, arbeitete der Diplom-Kaufmann wie schon sein Vorgänger Neumann für Volkswagen. Innerhalb der amerikanischen VW-Tochtergesellschaft verantwortete Lohscheller die Finanzen. Davor war er für den Gabelstaplerhersteller Jungheinrich tätig, aber auch für den Autokonzern Daimler und die europäische Tochtergesellschaft des japanischen Produzenten Mitsubishi.

          Neumann zurück zu VW?

          Lohscheller kommt zugute, dass er in diesen Unternehmen Einblicke in verschiedene Abteilungen sammelte, unter anderem auch in die Logistik und den Einkauf. PSA-Chef Carlos Tavares erhofft sich, mit dem Kauf von Opel Synergien zu heben, indem beide Unternehmen zum Beispiel gemeinsam Teile einkaufen. Mit Lohscheller sitzt ihm nun jemand gegenüber, der in solchen Fragen nicht ganz bei Null anfangen muss.

          Das war freilich auch mit Neumann der Fall. Der 56 Jahre Manager blickt auf eine lange Karriere innerhalb der Autobranche zurück. Neumann studierte Elektrotechnik in Dortmund, Mitte der neunziger Jahre wurde er an der Universität Duisburg promoviert. Danach folgte eine erste Station bei dem Technikunternehmen Motorola. Von dort wechselte er vor 18 Jahren zum Volkswagen-Konzern, wo der Ingenieur die Leitung der Elektronikforschung übernahm, später auch der Elektronikstrategie des Konzerns. Vor dreizehn Jahren folgte der Wechsel zum Autozulieferer Continental, den er von August 2008 bis August 2009 als Vorstandsvorsitzender führte. Nach einem unrühmlichen Abschied kehrte Neumann zu Volkswagen zurück und verantwortete dort unter anderem das Geschäft der wichtigen chinesischen Tochtergesellschaft, bevor er 2012 an die Spitze von Opel rückte.

          Neumann ließ am Montag offen, wie seine Zukunft aussieht. Er werde sich zunächst darauf konzentrieren, die Transaktion zwischen General Motors, PSA und Opel abzuschließen, sagte er. Es könnte aber sein, dass diese Zukunft wieder mit dem Volkswagen-Konzern zu tun hat. Seit Monaten halten sich Gerüchte, dass Neumann Rupert Stadler an der Spitze der VW-Tochtergesellschaft Audi nachfolgt. Stadler steht derzeit wegen des Abgasbetrugs bei Volkswagen in der Kritik, in den Audi als Lieferant von Motoren verwickelt ist. Ob Neumann sich dieser Aufgabe wirklich stellen will, wird sich zeigen. Nach dem Verkauf von Opel an PSA werde er sich „die Zeit nehmen, über meine persönlichen nächsten Schritte zu entscheiden“, sagte er.

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