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Lieferdienst für Lebensmittel : Online-Supermarkt Picnic wächst in Deutschland

Keine Liefergebühr und niedriger Mindestbestellwert: So will sich Picnic von der Konkurrenz abheben. Bild: Reuters

Das niederländische Start-up beliefert in seiner Heimat bereits 200.000 Kunden in 60 Städten. Nun will Picnic auch in Deutschland expandieren – und sich von der starken Konkurrenz abheben.

          Die kleinen Lieferwagen von Picnic fallen ins Auge. Nur 1,35 Meter breit sind die Elektrofahrzeuge mit den bunten Bildern von Orangen, Marmelade oder Milch darauf. Von beiden Seiten können die Fahrer eine Art Rollo hochschieben, hinter dem sich die Kisten mit den Bestellungen stapeln. Seine Elektrolieferwagen hat der niederländische Online-Lebensmittelhändler selbst entworfen. Besonders wendig sollten sie sein, um einfaches Be- und Entladen zu ermöglichen, sagt Deutschland-Geschäftsführer Frederic Knaudt im Gespräch mit der F.A.Z.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          Im April hierzulande gestartet, rollt die 40 Fahrzeuge umfassende Picnic-Flotte durch Düsseldorf-Oberkassel, die Vororte Kaarst, Neuss, Meerbusch und neuerdings Mönchengladbach. Beliefert werden momentan rund 7000 Haushalte, etwa 5000 stehen auf der Warteliste.

          Während sich das Geschäft in Deutschland noch am Anfang befindet, hat Picnic in den Niederlanden binnen weniger Jahre einen Stamm von 195.000 Kunden in 60 Städten aufgebaut und peilt in diesem Jahr einen Umsatz von mehr als 200 Millionen Euro an. Gegründet wurde der Online-Supermarkt 2015 von vier Unternehmern in Amersfoort. Mehrere Family-Offices stellten dem Start-up im vergangenen Jahr 100 Millionen Euro Kapital zur Verfügung. Für die Expansion in Deutschland stehen zunächst 15 Millionen Euro bereit.

          Dass Picnic keine Wurzeln im stationären Einzelhandel hat, beschreibt Knaudt als Vorteil: „Wir sind von einem weißen Blatt Papier aus gestartet.“ Soll heißen: Picnic wurde von vorneherein als reiner Online-Spezialist geplant. Das Konzept unterscheidet sich tatsächlich von dem der Konkurrenz. Picnic verlangt anders als etwa der Rewe-Lieferdienst oder Bringmeister (Edeka) keine Liefergebühr und setzt einen vergleichsweise niedrigen Mindestbestellwert von 25 Euro voraus.

          Noch keine Gewinne

          Einen Wunschtermin frei bestimmen können die Kunden jedoch nicht. Das Unternehmen spricht gerne vom Milchmann-Prinzip: Wie früher die Milchmänner fahren die Picnic-Lieferanten nachmittags und abends zu bestimmten Zeiten durch die Straßen in ihrem Lieferbezirk. Dann müssen die Kunden die Ware in Empfang nehmen, das Zeitfenster umfasst 20 Minuten. Dank dieser Bündelung von Bestellungen will Picnic die Lieferkosten in den Griff bekommen. „Auf der letzten Meile zum Kunden arbeiten wir extrem effizient“, sagt der 33 Jahre alte Knaudt, der zuvor für Rocket Internet und den Kochboxenversender Kochzauber tätig war. Noch aber fährt Picnic – ebenso wie der als Pionier geltende Rewe-Lieferdienst – Verluste ein.

          Die Lebensmittel sind nur über eine Smartphone-App bestellbar. Auf dem Display können die Kunden die Route ihres Fahrers, die bei Picnic „Runner“ heißen, verfolgen und abschätzen, wann er bei ihnen eintrifft. Für die Belieferung setzt Picnic vor allem Studenten ein, die über eine Zeitarbeitsfirma engagiert werden. Rund 150 Mitarbeiter werden in Nordrhein-Westfalen beschäftigt.

          Das Start-Sortiment von 5000 Artikeln soll schrittweise verdoppelt werden. Jede Woche kämen rund 1000 Produktwünsche von Kunden herein, berichtet Knaudt. „Wir schauen uns die Vorschläge an und passen unser Angebot an.“

          Die Ware wird größtenteils von der Edeka-Regionalgesellschaft Rhein-Ruhr bezogen, die sich mit 20 Prozent an Picnic Deutschland beteiligt hat. Als Logistikzentrum dient ein früheres Lager von Kaiser’s Tengelmann in Viersen. In sogenannten Hubs in Neuss und Mönchengladbach werden die Bestellungen auf die Lieferwagen umgeladen. Die weitere Expansion will Knaudt mit Bedacht vorantreiben. Schließlich erfordere es einigen Aufwand, die entsprechenden Lieferkapazitäten aufzubauen. Möglicherweise soll noch in diesem Jahr eine weitere Stadt erschlossen werden.

          Noch steckt der Online-Handel mit Lebensmitteln hierzulande in den Kinderschuhen. Der Anteil am Gesamtumsatz des deutschen Lebensmittelhandels liegt bei nur etwas mehr als einem Prozent. Der wichtigste Vorreiter ist die Rewe-Gruppe, deren Lieferautos in 75 großen Städten unterwegs sind. Um die Bestellungen wirtschaftlicher abzuwickeln, haben die Kölner Genossen kürzlich in Köln-Niehl ein hochautomatisiertes Lager für ihren Lieferdienst in Betrieb genommen. Der amerikanische Internetriese Amazon ist mit Amazon Fresh derzeit in Berlin, Potsdam, Hamburg und München präsent.

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