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Lebensmittel-Bestelldienste : Tante Emma ist jetzt online

  • -Aktualisiert am

Essen im Internet zu bestellen ist in Deutschland kein Trend. Doch der Markt dafür wird größer. Bild: dpa

Im Internet Lebensmittel bestellen - das ist nur was für Nerds? Von wegen. Überall im Land parken die roten Laster von Rewe und Co. die Straßen zu. Wie Bestelldienste unser Einkaufsverhalten ändern.

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          Einen Supermarkt betreten Marite und Lukas nur noch selten. Das junge Ehepaar, das im Frankfurter Westend lebt, hat eine Arbeitsteilung perfektioniert, in der Einkaufen kaum noch eine Rolle spielt. Banker Lukas verbringt den Tag und manchmal auch die halbe Nacht im Büro, Marite ist in Elternzeit und kümmert sich um die beiden kleinen Töchter.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „Milch, Wasserflaschen, Kartoffeln, das bestelle ich alles bei Rewe“, erzählt sie. Im vergangenen Jahr hat sie das Online-Angebot der Supermarktkette getestet, und als sie dann nicht nur ein, sondern noch ein zweites Kind durch die Einkaufsregale bugsieren musste, hat sie fast vollständig auf den virtuellen Einkauf umgestellt.

          Nur für frisches Obst, Fleisch und Aufschnitt geht sie noch in Läden, der Rest kommt mit dem Lieferwagen. Schlechte Erfahrungen mit eingedrücktem Gemüse oder verspäteten Lieferungen? Bislang Fehlanzeige.

          Der Küchenschschrank kommt aus dem Netz, das Essen auch.

          Dass wir Bücher, Kleidung und Schuhe online bestellen, daran haben wir uns längst gewöhnt. Auch sperrige Produkte wie Tierfutter und Windeln kommen in vielen Haushalten per Online-Abo und Lieferdienst. Selbst Sofas und Schränke werden mittlerweile im Netz geordert. Nur bei Lebensmitteln scheiden sich bislang die Geister – oder besser gesagt: die Generationen.

          In einem Land, in dem es fast 40.000 Lebensmittelgeschäfte gibt, muss man nicht online einkaufen, murren die Traditionalisten. Die Jüngeren dagegen preisen das Glücksgefühl, wenn freitagabends der DHL-Fahrer klingelt und den Wocheneinkauf in die vierte Altbau-Etage schleppt.

          Die Zahlen sind, so viel ist klar, noch auf Seite der Traditionalisten. Bei Produkten wie Büchern, Kleidung und Schuhen mag der Online-Anteil am Gesamtumsatz schon bis zu 20 Prozent betragen – bei Gütern des täglichen Bedarfs ist es weniger als ein Prozent. Ein Geschäftsfeld für Optimisten sei das, sagt das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI.

          Und doch, es tut sich was: Im vergangenen Jahr haben 15 Millionen Menschen Lebensmittel im Internet gekauft, das sind 28 Prozent aller Internetnutzer, hat der Digitalverband Bitkom ausgerechnet. Verglichen mit dem Stand vor vier Jahren, hat sich die Zahl damit mehr als verdreifacht.

          Auch Investoren sehen Gewinnchancen

          Kein Wunder, dass Wagniskapitalgeber dieser Tage mit Vorliebe in Start-ups investieren, die mit Essen handeln. Gerade erst beteiligte sich Rocket Internet mit 30 Prozent an der Delivery Hero Holding, die Restaurants und Lieferdienste mit Kunden zusammenbringt. Fast 500 Millionen Euro ist den Samwer-Brüdern das wert, Delivery Hero wird jetzt mit stolzen 1,65 Milliarden Euro bewertet.

          Zuvor hatte Rocket Internet bereits 130 Millionen Euro in Hello Fresh investiert. Hier bekommen die Kunden Kochboxen mit allen Zutaten für ein Gericht, das sie dann selbst zubereiten. Selbst die Deutsche Post ist in das Geschäft eingestiegen: Sie hält die Mehrheit am Online-Supermarkt Allyouneed.

          Der Unterschied zu Bofrost und Co.

          Im Prinzip ist das alles gar nicht so neu. Pizzadienste gibt es seit Jahrzehnten, und der Bofrost-Mann brachte schon in den achtziger Jahren die Monatsration Tiefkühlspinat ins Haus. Doch was sich durch das Internet geändert hat, sind Auswahl und Geschwindigkeit. So ziemlich alles lässt sich heute online bestellen, vom kompletten Wocheneinkauf über Zutaten für exotische Gerichte bis hin zum fertiggekochten Menü.

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