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Rocket Internet : Die deutsche Internetrakete

Start-up-Pionier Oliver Samwer Bild: Wolfgang Eilmes

Ob Online-Shop in Asien oder Amazon-Klon in Afrika: Rocket Internet will mit weltweiten Beteiligungen erfolgreich sein. Das versteht am Kapitalmarkt nicht jeder – Starinvestor Oliver Samwer will das ändern.

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          Oliver Samwer lege wenig Wert auf Äußerlichkeiten, heißt es, und kaum kommt der Mann zur Türe herein, bewahrheitet sich diese Einschätzung. Seine Jacke drapiert er ohne Umschweife quer über den Garderobenständer, ohne auch nur eine Sekunde nach einem Aufhänger zu suchen. Nach einem Transatlantikflug und einer schnellen Taxifahrt vom Frankfurter Flughafen in die Innenstadt ist ihm offensichtlich warm. Mit kühnem Schwung zieht er dann den Pullover über den Kopf, der landet in einer Zimmerecke, und zum Vorschein kommt ein Hemd, dessen obere Knöpfe locker offen stehen.

          Thiemo Heeg

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          Bloß keine Sekunde für nutzlose und ineffiziente Protokollarien verschwenden. Samwer, das fleischgewordene Mantra: Zeit ist Geld. Wenn der 43 Jahre alte Internet-Unternehmer zur Rede ansetzt, bricht sich eine überraschend dünne Stimme Bahn. Macht nichts: Die Zuhörer kleben an seinen Lippen, weil er etwas zu sagen hat.

          In unterentwickelten Märkten Präsenz zeigen

          Samwer legt mit einem überraschenden Vergleich aus der „old economy“ los. „Wir gehen wie der Schrauben-Würth in viele Länder“, so beschreibt er das Geschäftsmodell seines Gründungs- und Beteiligungs-Unternehmens Rocket Internet. Man schaue sich sehr genau insbesondere solche Märkte an, die im Bereich E-Commerce noch unterentwickelt seien. Das Ziel von Rocket Internet sei es, im globalen E-Commerce-Markt ein einzigartiges Netzwerk von Unternehmen aufzubauen und diese Unternehmungen in ihren jeweiligen Märkten schnell als Marktführer zu etablieren. Ja, für einen Außenstehenden sei dieses Geschäftsmodell eine komplexe Geschichte, räumt Samwer ein. So kam die Dachgesellschaft Rocket Internet SE im ersten Halbjahr 2015 auf einen Umsatz (Ertrag) von rund 71 Millionen Euro – die mit Rocket wesentlich verbundenen Unternehmen, die sogenannten underlying companys, dagegen kamen auf rund eine Milliarde Euro.

          Von den meisten Unternehmen auf der „Plattform“ Rocket Internet hat der durchschnittliche Mitteleuropäer zuvor kaum etwas gehört: Lazada ist ein Online-Shop, der vor allem in Asien präsent ist; Jumia gilt als ein auf Afrika konzentrierter Amazon-Klon; Carmudi betrachtet sich als die am schnellsten wachsende Online-Autohandelsplattform. Es sind drei Unternehmen, die Samwers Konzept spiegeln: Marktanteile dort gewinnen, wo es beispielsweise für den großen Konkurrenten Amazon zu teuer wäre, und dort ganz vorne mitspielen. In Ländern wie Indonesien oder Tansania, wo die Amerikaner nicht mit Macht hineindrängen, weil der Aufbau einer neuen Infrastruktur und Warenlogistik für sie geschäftlich unattraktiv wäre.

          Samwer will kein Unternehmen mit Produktinnovationen aufbauen

          Die Verteilung seiner Hunderten Gesellschaften quer über die Welt macht Samwer allerdings auch Schwierigkeiten, mindestens in der Kommunikation mit dem Kapitalmarkt: Denn kaum jemand versteht die ganze Geschichte von Rocket Internet, kann nachvollziehen, welche Unternehmen gute Umsätze machen und welche nur Verluste schreiben. Zwar sammelt Samwer von Investoren jede Menge Geld ein, derzeit versucht er den Fonds auf 500 Millionen Dollar aufzufüllen, von dem im Januar berichtet wurde, „mehr als“ 430 Millionen Dollar seien schon drin – und das nächste Gespräch mit Investoren ist immer nur einen weiteren Telefonanruf entfernt. Doch an der Börse schwankt der Kurs von Rocket Internet ständig, der Preis der Aktie liegt deutlich unter dem Ausgabepreis. Ob seine Aktien an der falschen Börse notiert seien? In Amerika seien die Bewertungen für vergleichbare Unternehmen natürlich höher – „aber wir sind ausdrücklich ein Unternehmen aus Deutschland, mit allen kulturellen Vorteilen“, sagt Samwer. Deshalb sei die Notierung in Frankfurt auch kein Fehler.

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