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Rocket Internet : Die deutsche Internetrakete

Samwer hat nicht den Ehrgeiz, in jedem Fall selbst ein Unternehmen mit Produkt- und Plattform-Innovationen bauen zu müssen. Er betont die vielen „Prozess-Innovationen“, die in Deutschland oft unterschätzt würden, und findet, dass Rocket vor allem Stärken darin hat, neue digitale Handelsformate früh woanders zu erkennen, zu perfektionieren und schlagkräftig zu machen. Deshalb macht er keinen Hehl daraus, dass Rocket neue Geschäftsmodelle auch kopiert. „Wir sind nicht der Einstein des Internets.“ Aber am Ende frage doch auch niemand, wer etwas erfunden hat, sondern nur, wer Marktführer ist.

Internationalisierung ist Samwers Ziel

„Hat Wal-Mart den Supermarkt erfunden oder die Deutsche Bank das Banken-Geschäftsmodell?“, fragt er rhetorisch. „Es ist ohnehin in der digitalen Welt schwierig genug, ein Unternehmen aufzubauen, dessen Geschäftsmodell mehr als fünf Jahre hält.“ Es sei nicht wichtig, einen Trend auszulösen, sondern die Trends zu erkennen und möglichst schnell in ein effizientes Geschäftsmodell umzusetzen und viele Marktanteile zu gewinnen. Rocket Internet wird deshalb nach Ansicht Samwers auch niemals ein Unternehmen, das wegen eines Produktes bekannt ist. Sondern für seine vielen Investments rund um die Welt. In Deutschland wisse kaum jemand, dass Rocket mit seinen Beteiligungen beispielsweise in Indonesien, Burma oder einigen Ländern Afrikas zu den Marktführern gehöre. Diese Internationalisierung ist ihm wichtiger als die Durchdringung eines Einzelmarktes: „Ich will kein Olibaba werden“, sagt Samwer schmunzelnd mit Blick auf die Alibaba-Group des chinesischen Milliardärs Jack Ma. Samwer ist ehrlich genug, seinen Ehrgeiz nicht zu verbergen. „Auch ich würde gerne einen Weltmarktführer aufbauen.“ Zugleich ist er Realist genug, zu erkennen, dass das nur den wenigsten glückt. Auch bei Samwer stehen Gelingen und Scheitern dicht beieinander: „Ohne viele Versuche funktioniert es nicht.“

Samwer ist mit seinen beiden Brüdern Marc und Alexander aufgewachsen – bekannt als die „Samwer-Brüder“; bis heute sind alle drei über ihren Global Founders Fund an Rocket beteiligt. Die Brüder einte ein Wunsch: „Wir wollten Unternehmer werden. Wir hatten 1994 das Glück, dass das Internet kam.“ Ohne Internet hätten sie vielleicht eine Handelskette oder einen Logistikbetrieb gegründet – online stehen alle Möglichkeiten offen, denn: „Im Internet lassen sich ganze Volkswirtschaften nachbauen.“ Wer damit Geld verdienen wolle, müsse aber stets den richtigen Zeitpunkt erwischen, wann es sich lohne, in ein bestimmtes Thema einzusteigen: „Wer zu früh auf der Kurve ist, verliert zu viel Geld, wenn man zu spät kommt, ist die Opportunität weg“, sagt Samwer. Für eine Investition in Unternehmen, die sich mit der derzeit viel beachteten Blockchain-Technologie im Zahlungsverkehr befassen, ist es zum Beispiel aus seiner Sicht zu früh.

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