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Dienstantritt von Oliver Blume : Neuer VW-Chef will Tempo in der E-Mobilität erhöhen

Der neue Chef in Wolfsburg: Oliver Blume Bild: AFP

Oliver Blume schwört seine Mannschaft auf die größte Transformation der Geschichte ein. Unter ihm soll VW sich kulturell erneuern. Aber die Herausforderungen sind riesig.

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          Es ist sein erster Auftritt als neuer Chef von Volkswagen. Und Oliver Blume, 54 Jahre alt, gibt sich sichtlich Mühe, seine Ideen für die Ausrichtung des größte europäischen Autokonzerns auf den Punkt zu bringen. Am grundlegenden Kurs in Richtung Elektroautos werde nicht gerüttelt, sagte er am Donnerstag vor 500 Managern auf der Global Top Management Conference (GTMC) von VW in Lissabon. „Wir werden das bisherige Tempo beibehalten und, wo möglich, erhöhen.“ Der elektrischen Antriebstechnik gehöre die Zukunft, betont er. „Ich bin ein Fan der E-Mobilität und stehe zu diesem Weg auch durch meine Arbeit bei Porsche.“

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Blume hat an diesem Donnerstag den Vorstandsvorsitz von seinem Vorgänger Herbert Diess übernommen. Weiterhin wird er in Personalunion die Sportwagentochtergesellschaft Porsche führen, für die in den nächsten Tagen ein offizieller Beschluss über den Börsengang ansteht. Obwohl Diess und Blume zuletzt an vielen Stellen über Kreuz lagen, vor allem in der Software-Entwicklung, lobt er den ehemaligen Chef ausdrücklich. „Der Konzernvorstand um Herbert Diess hat strategisch und technologisch einen guten Job gemacht.“

          Blume gibt sich als Teamplayer

          Gleichzeitig stellt er heraus, dass er anders als sein erratischer Vorgänger führen will. Dieser hatte sich mit seiner spaltenden, schwer berechenbaren Art immer stärker ins Abseits gebracht und zuletzt auch den Rückhalt der Aktionärsfamilien Porsche und Piech verloren. Blume stellt klar: „Erfolg ist immer die Leistung einer starken Mannschaft.“ Für ihn stünden „Teamwork, Fokus und Umsetzung im Vordergrund“. Die neue Führung mit ihm an der Spitze müsse jetzt liefern, „im Interesse unserer Kunden, unserer Investoren und der gesamten Volkswagen Mannschaft“.

          Blume lässt keinen Zweifel daran, dass die Zeiten extrem herausfordernd sind. Die Autoindustrie erlebe die größte Transformation ihrer Geschichte, lautet seine Kernaussage. In den nächsten fünf Jahren werde sich mehr ändern, als in den vergangenen 50 Jahren zusammen. Diese Transformation erzeuge eine „hohe Dynamik“. Gleichzeitig sei Stabilität nötig, um die Transformation gut umsetzen zu können. „Hier müssen wir den richtigen Rhythmus finden. Eine klare Strategie, diese konsequent umsetzen und zu geeigneten Zeitpunkten den Kurs überprüfen.“

          Mit Blick auf die Marken will er den eingeschlagenen Weg fortsetzen, mehr Kompetenzen von der Wolfsburger Zentrale zu Audi, Porsche, Skoda und Co. zu verlagern. Der Konzern stehe für „das Management von starken Marken mit attraktiven Produkten“. Er werde nur so erfolgreich sein, wie es „seine fantastischen Marken sind“. Führen wolle Blume das Unternehmen nach fünf Grundprinzipien, wie er in seiner Rede deutlich macht. Es gehe um Marken, Produkte, Menschen, Unternehmertum und Nachhaltigkeit.

          Neuordnung der Softwaresparte Cariad

          Der Konzern mit seinen 670.000 Beschäftigten steckt mitten im Strudel der globalen Krisen und gleichzeitig in einem tiefgreifenden Umbau, den Blume nun fortsetzen muss. Konkrete Aussagen zu Feldern wie der Software vermeidet er zunächst, wohl auch, weil etliche Details für die Neuordnung der verantwortlichen Sparte Cariad noch ausstehen. Klar ist nur, dass er wie Diess im Vorstand persönlich die Verantwortung für Software-Entwicklung im Konzern übernehmen will. Darüber hatte die F.A.Z. als erstes berichtet. Auch vom Ziel, den weit überwiegenden Teil der Programme ohne Hilfe von Partnern zu entwickeln, rückt VW ab.

          Blume sprach nur grob von einem Zehn-Punkte-Plan, den er für die inhaltlichen Baustellen im Konzern entwickelt habe. Auch darüber hatte die F.A.Z. vorab berichtet. Der Plan soll Prioritäten verdeutlichen und verhindern, dass sich die neue Führung auf zu vielen Baustellen verzettelt. „Mit diesen konkreten Programmen, die vom Konzernvorstand gesteuert werden, wird das Team vom ersten Tag an durchstarten und schnell Erfolge erzielen können.“ Im Mittelpunkt stünden finanzielle Solidität, die Weiterentwicklung der Produkte, Software und Technologien, Regionen wie China und Nordamerika sowie Nachhaltigkeit und der Kapitalmarkt.

          Kontroverse um Austausch mit Lindner

          Schon kurz, nachdem seine Ernennung vor sechs Wochen bekanntgegeben worden war, hatte Blume eine erste Kommunikationspanne erlebt. Nachdem durchgesickert war, dass er sich mit Finanzminister Christian Lindner (FDP) über eine Strategie für E-Fuels – möglicherweise zu eng – ausgetauscht hatte, musste er öffentlich um Entschuldigung bitten. „Ich halte es für zwingend erforderlich, dass man sich fachlich austauscht“, sagte er jetzt in einem Interview mit der „Braunschweiger Zeitung“. „Klar ist aber: Es hat von unserer Seite zu keinem Zeitpunkt eine Beeinflussung des Koalitionsvertrags gegeben. Wir haben uns für synthetische Kraftstoffe und damit für den Klimaschutz eingesetzt – und mit verschiedenen Parteien dazu Fachgespräche geführt.“

          Mit Blick auf die E-Fuels hatte es zuletzt weitere Irritationen gegeben. Denn im Raum stand die Frage, ob Blumes wiederholten Bekenntnisse zu dieser Technologie als Abkehr von der Strategie hin zu vollelektrischen Fahrzeugen steht, die sein Vorgänger Diess forcierte. Die synthetisch und damit umweltfreundlich hergestellten Kraftstoffe seien eine Ergänzung, stellte er nun klar. „Innerhalb des Volkswagen-Konzerns bleiben E-Fuels vor allem ein Porsche-Thema.“ Im Geschäft mit Sportwagen hat die Frage nach der Zukunft von Verbrennungstechnik besondere Relevanz, auch weil Kunden diese mit Agilität und Antriebskraft verbinden.

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