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Reichster Mann der Ukraine : Oligarch Achmetow kauft das einst „teuerste Haus der Welt“

Rinat Achmetow Bild: Getty

Vor einem halben Jahr ging eine Prachtvilla in Nizza an einen anonymen Käufer. Nun ist dessen Identität gelüftet: Das sündhaft teure Gebäude ging an Rinat Achmetow. Der Multi-Milliardär aus der Ukraine ist auf den Trümmern der Sowjetunion zum Unternehmer geworden.

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          Rinat Achmetow scheute – anders als andere Unternehmer in der Ukraine – lange die Öffentlichkeit. Aber diese Nachricht rückte ihn dann doch ins grelle Rampenlicht: Er ist der Käufer der historischen Villa Les Cèdres bei Nizza an der französischen Riviera. Die alte Villa mit 14 Schlafgemächern in einem etwa 140.000 Quadratmeter großen Garten gehörte einst König Leopold II. von Belgien. Zuletzt war die Davide Campari-Milano SpA der Eigentümer. Sie bot die einst als „teuerstes Haus der Welt“ bezeichnete Immobilie jedoch vor drei Jahren zum Kauf an. Mite 2019 schlug dann ein „mysteriöser Käufer“, wie es damals hieß, zum günstigen Preis von 200 Millionen Euro zu. Vor wenigen Tagen wurde seine Identität gelüftet. Es ist Rinat Achmetow, der reichste Mann der Ukraine.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Ausländische Immobilien sind gewiss nicht das Kerngeschäft des „Oligarchen“Achmetow, auch wenn er ein sündhaft teures Apartment im Londoner Stadtteil Knightsbridge längst sein eigen nennt. Umso mehr bemühte sich seine Holding, die System Capital Management (SCM), den Kauf der Villa als langfristige Kapitalanlage darzustellen. Immobilien seien einer der Schlüsselbereiche für Investitionen, teilte SCM mit. Das Kerngeschäft bleibe im eigenen Land, man habe 2016 bis 2018 – also trotz des Donbass-Krieges – insgesamt „drei Milliarden Dollar in die Entwicklung der ukrainischen Aktiva“ gesteckt, hieß es weiter.

          Hauptsächlich ist Achmetow für Schwerindustrie und Bergbau bekannt: Zur Holding gehören das Energieunternehmen DTEK und mehrheitlich auch Metinvest, der größte Stahlkocher des Landes. Beide Unternehmen machen etwa vier Fünftel des Geschäfts aus, Metinvest setzte nach eigenen Angaben 2018 rund 3,3 Milliarden Euro um. Darüber hinaus gehören der Tankstellenbetreiber Ukrtelecom sowie diverse Unternehmen aus Landwirtschaft, Einzelhandel, Transport und Medien zum Imperium. Nicht zu vergessen die wohltätige Rinat Achmetow-Stiftung sowie der Fußballclub Schachtar (Bergmann) Donezk, der ukrainische Meister der vergangenen Jahre und 2008/09 Gewinner des UEFA-Pokals. Die Verflechtung von Fußball, Bergbau und Politik in der Donbass-Region im Osten der Ukraine hat der preisgekrönte Film „The Other Chelsea“ des Deutschen Jakob Preuss eindrucksvoll geschildert.

          Achmetow ist, wie viele in der Region, auf den Trümmern der Sowjetunion zum Unternehmer geworden. 1966 wurde er in der Millionenstadt Donezk geboren, im Herzen des „Ruhrgebiets“ der Ukraine. Sein Vater war Bergmann und gehörte der Minderheit der Tataren an. Der junge Achmetow – ein zierlicher Mann mit feinen Gesichtszügen, der damals praktizierender Boxer war – studierte in Donezk Wirtschaft. Dann brachen Diktatur und Planwirtschaft zusammen, und es begannen die turbulenten 90er Jahre: Für viele Menschen brachten sie schlimmste Armut, für wenige sagenhaften Reichtum, für alle Kriminalität, Schattenwirtschaft und Instabilität.

          Gute Zeiten unter Janukowitsch

          Über Achmetows unternehmerische Anfänge ist wenig mit Sicherheit bekannt. Manchen Berichten zufolge soll er von einem im Fußballgeschäft aktiven Kollegen etwas geerbt haben, worauf er zu investieren begann. In einem Interview vor zehn Jahren danach explizit gefragt, dementierte er prompt: „Ich habe meine erste Million im Handel mit Kohle und Koks verdient“. Er habe dann günstig Aktiva erworben, die niemand haben wollte. „Ein großes Risiko, aber, wie sich zeigen sollte, hat es sich gelohnt“. Zu seiner oft vermuteten Nähe zu kriminellen Kreisen in jener Zeit sagt Jock Mendoza-Wilson, Sprecher der SCM, das seien „unseriöse Legenden“. Doch schnell ging es aufwärts mit dem umtriebigen Unternehmer.

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