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Ohne AT&T : Die Telekom braucht einen Plan B

T-Mobile-Filiale im Bundestaat Illionois Bild: dpa

Die Übernahme von T-Mobile USA hätte für AT&T und die Deutsche Telekom viele Probleme gelöst. Sie haben viel Zeit verloren, während sich Marktführer Verizon weiter verstärkte.

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          „Heute haben die Verbraucher gewonnen.“ So jubelte Staatsanwältin Sharis Pozen vom amerikanischen Justizministerium, nachdem der Telekommunikationskonzern AT&T am Montagabend die Akquisition von T-Mobile USA abgeblasen hatte. Der Zusammenschluss hätte für höhere Preise gesorgt und Innovationen im Markt behindert, argumentierte Pozen. AT&T behauptete genau das Gegenteil: Das Scheitern der Übernahme werde zum Schaden des Verbrauchers sein, notwendige Investitionen würden aufgehalten.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die gegensätzlichen Aussagen unterstreichen, wie unversöhnlich die Positionen beider Seiten waren. AT&T versuchte, den Wettbewerbshütern den Kauf der amerikanischen Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom als einen Weg schmackhaft zu machen, um Verbrauchern ein besseres Telekommunikationsnetz zu bieten. In den Augen der Kartellbehörden hätte die Übernahme aber vor allem den Effekt gehabt, dass ein wichtiger Wettbewerber ausgeschaltet worden wäre und der Telekommunikationsmarkt sich noch stärker konzentriert hätte.

          Vier nationale Netzbetreiber

          Das Scheitern der im März angekündigten Übernahme hinterlässt nun sowohl AT&T als auch T-Mobile USA in einer geschwächten Position. AT&T bleibt der erhoffte Sprung an die Spitze des amerikanischen Mobilfunkmarkts vorerst verwehrt, die Deutsche Telekom muss nach anderen Alternativen für ihre zum Sorgenkind gewordene Amerika-Sparte suchen. Beide Unternehmen haben viel Zeit verloren, während sich der Marktführer Verizon Wireless vor wenigen Wochen mit der Vereinbarung eines milliardenschweren Zukaufs von Mobilfunkfrequenzen weiter verstärkt hat. Die Anbieter brauchen angesichts der zunehmend überlasteten Mobilfunknetze dringend neue Frequenzen.

          Das Justizministerium und die Telekommunikationsbehörde FCC hatten ohne Zweifel guten Grund, sich um die Konzentration im amerikanischen Mobilfunkmarkt zu sorgen: Wäre AT&T die Übernahme geglückt, hätte der Konzern zusammen mit Verizon Wireless etwa 75 Prozent davon beansprucht. Verizon Wireless, ein Gemeinschaftsunternehmen von Verizon und dem britischen Vodafone-Konzern, hatte Ende des dritten Quartals in den Vereinigten Staaten 107,7 Millionen Kunden. AT&T folgte knapp dahinter mit 100,7 Millionen Kunden. Weit abgeschlagen auf dem dritten Rang lag Sprint Nextel mit 53,4 Millionen Kunden. T-Mobile USA belegte Rang vier (33,7 Millionen Kunden). Hinter diesen vier nationalen Netzbetreibern gibt es eine Reihe von kleineren regionalen Anbietern wie Leap Wireless und Metro PCS.

          Frequenzen als Teil der Ausgleichszahlung

          T-Mobile hatte in Amerika zuletzt einen immer schwereren Stand. Gerade die lukrativen Vertragskunden wanderten in Scharen ab, während die großen Rivalen Zuwächse schafften. T-Mobile ist heute der einzige der vier nationalen Anbieter, der das populäre iPhone von Apple nicht im Programm hat. Anders als die drei größeren Wettbewerber hat T-Mobile in Amerika bislang auch nicht am Aufbau eines Mobilfunknetzes der sogenannten vierten Generation gearbeitet. Die Gesellschaft setzt stattdessen auf eine schnellere Variante der UMTS- oder 3G-Technologie mit dem Namen HSPA+.

          Gesamtumsatz im operativen Geschäft
          Gesamtumsatz im operativen Geschäft : Bild: F.A.Z.

          Der Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann gab sich am Dienstag sehr bedeckt, was seine Alternativlösungen für T-Mobile USA angeht. Er gab zu, dass die Sparte auf längere Sicht mehr Frequenzen brauche, um im Wettbewerb zu bestehen. Kurzfristig helfe aber, dass T-Mobile USA als Teil der Ausgleichszahlung für das Scheitern der Transaktion von AT&T neben Bargeld auch einige Frequenzen erhalte. Außerdem hat T-Mobile USA ein Roaming-Abkommen mit AT&T vereinbart, um seine Reichweite zu erhöhen.

          Google streckt seine Fühler aus

          In der Branche wird derweil über andere Fusionspartner für T-Mobile USA spekuliert. Potentielle Kandidaten wären die kleineren Anbieter wie Leap und Metro PCS. Auch könnte vielleicht wieder ein Zusammenschluss mit Sprint Nextel auf die Tagesordnung kommen, über den schon einmal verhandelt wurde, bevor AT&T ins Spiel kam. Diese Verbindung würde aber dadurch erschwert, dass T-Mobile USA und Sprint Nextel mit verschiedenen Mobilfunkstandards arbeiten. Außerdem wäre auch hier Widerstand der Kartellbehörden denkbar. Mögliche Partner könnte es auch jenseits der traditionellen Netzbetreiber geben. So hat der Satellitenfernsehanbieter Dish Network kürzlich Interesse an einer Allianz mit T-Mobile signalisiert, sollte der Zusammenschluss mit AT&T scheitern. Der Branchenanalyst Tero Kuittinen sagte, auch „kreativere Chancen“ wie Verbindungen mit Unternehmen wie Amazon oder Google könnten in Betracht kommen.

          Der Internetkonzern Google hält schon heute mit seinem Betriebssystem Android eine starke Position im Mobilfunkmarkt und hat seine Fühler auch jenseits von Software ausgestreckt: So vereinbarte das Unternehmen in diesem Jahr die Übernahme des Handyherstellers Motorola. Im Jahr 2008 beteiligte sich Google auch schon einmal an einer Auktion für Mobilfunkfrequenzen.

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