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Offshore-Park vor Helgoland : Meerwind soll 360.000 Haushalte mit Strom versorgen

  • -Aktualisiert am

Die Offshore-Windpark Meerwind Süd/Ost Bild: dpa

Es ist erst der dritte fertiggestellte Meereswindpark in der deutschen Nordsee: Der Finanzinvestor Blackstone weiht seinen Offshore-Park vor Helgoland ein - und will weitere Anlagen bauen.

          Windstärke 6 auf See, Böen und Schauer – was für Urlauber ein Graus ist, kommt den Betreibern der großen Meereswindparks gerade recht. Kräftige Winde sind nötig, damit die Anlagen sich rentieren und eine Daseinsberechtigung haben. Das Wetter vor Helgoland passte am Montag daher wie bestellt zur Einweihung des Offshore-Parks Meerwind, der sich im Besitz des amerikanischen Finanzinvestors Blackstone befindet und von ihm auch maßgeblich finanziert wurde. Es ist erst der dritte fertiggestellte Meereswindpark in der deutschen Nordsee, der nun mit einer Gesamtleistung von 288 Megawatt (wenn alle 80 Turbinen Strom liefern) Strom für bis zu 360000 Haushalte liefern soll.

          Bereits im April dieses Jahres hatte Blackstone gemeldet: Der Bau ist abgeschlossen. Danach folgte aber eine weitere Verzögerung bis die Stromverbindung an Land fertig wurde. Jetzt seien alle Turbinen am Netz und würden nach und nach hochgefahren, sagte Jens Assheuer, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Wind MW, die den Park für Blackstone betreibt. Bis zum Jahresende werde Meerwind dann im Vollbetrieb sein, kündigte Assheuer an.

          Alle Beteiligten zeigten sich auf der Einweihungsfeier in Bremerhaven zufrieden mit dem Erreichten und verwiesen auf eine „Rekordbauzeit von 18 Monaten“. Allerdings hätte auch dieser Park eigentlich schon längst am Netz sein sollen; als Blackstone die Bauentscheidung im August 2011 bekanntgab, war noch von einem Betrieb im Lauf des Jahres 2013 die Rede. Meerwind fiel hinter den Zeitplan zurück, insbesondere wegen der Schwierigkeiten im Netzanschluss, unter der alle deutschen Offshore-Parks bisher gelitten haben.

          Der Park hätte eigentlich schon früher am Netz sein sollen

          Dass diese Probleme anhalten, zeigt der Windpark Borkum des Stadtwerkeverbunds Trianel, wo ebenfalls schon alle Turbinen betriebsbereit sind. Weil die Anbindung an die große Umspannstation nicht geklappt hat und der Netzbetreiber Tennet noch die Fehler analysiert, kann Trianel Borkum aber erst Anfang nächsten Jahres in den Probebetrieb gehen. Auch der Park Global Tec 1, der zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegt, soll seinen Regelbetrieb Anfang 2015 aufnehmen.

          Die Meerwind-Macher wollen sich davon jedoch nicht abschrecken lassen, zumal sie bei ihren ersten Park auch die Kosten im Griff hatten. Auf 1,2 Milliarden Euro wurde die gesamte Investitionssumme ursprünglich veranschlagt, 1,3 Milliarden Euro habe der Offshore-Park, der 23 Kilometer vor Helgoland liegt, gekostet, hieß es nun. Und Blackstone will mindestens noch einen weiteren Park in deutschen Gewässern errichten, sagte der dafür zuständige Investmentmanager Sean Klimczak dieser Zeitung. Das Areal Nördlicher Grund hat sich der Finanzinvestor bereits gesichert und würde dort im Jahr 2016 eigentlich auch die ersten Turbinen aufstellen wollen.

          Aber dieser Park ist im Netzentwicklungsplan erst nach 2020 vorgesehen – weshalb Blackstone sich derzeit nach einem anderen Offshore-Areal umsieht. „Wir hoffen, die Lücke füllen und in den nächsten 12 bis 18 Monaten ein anderes Projekt angehen zu können“, sagte er. Und mit Blick auf das veränderte Zuweisungsverfahren für Offshore-Anschlüsse und die neuen Haftungsregelungen bei verspäteten Anschlüssen zeigte sich Assheuer auch zuversichtlich: „Der Netzanschluss wird bei den nächsten Windparks nicht mehr als Problem angesehen.“

          Grundsätzlich seien die Bedingungen für Investoren in den deutschen Gewässern in den kommenden Jahren besser als etwa vor der Küste Großbritanniens. „Deutschland bietet bis zum Jahr 2019 eine festgelegte fixe Vergütung für den Meerwindstrom, in Großbritannien ist die Unsicherheit über die Vergütungen deutlich größer“, erläuterte er. Sollte die Vergütung in Deutschland im nächsten Jahrzehnt sinken – womit Fachleute rechnen –, bleibe der Bau in den hiesigen Gewässern dann attraktiv, „wenn es gelingt, die Baukosten auf See weiter zu senken. Das ist aber fraglos möglich“, sagte Klimczak.

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