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Konflikt in Eigentümerfamilie : Oetker erwägt Aufspaltung in zwei Teile

Radikaler Schritt: Oetker zieht Spaltung des Unternehmens in Betracht, um den Familienkonflikt zu lösen. Bild: dpa

Der Streit in der Eigentümerfamilie von Dr. Oetker schwelt weiter und könnte zu einem radikalen Schritt führen.

          Der Familienstreit im Hause Oetker ist legendär. Auf der einen Seite stehen fünf ältere Halbgeschwister aus den ersten beiden Ehen des 2007 verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker, auf der anderen Seite drei jüngere aus der dritten Ehe, die auf mehr Einfluss im Unternehmen pochen. Schon in früheren Jahren war geprüft worden, den Konzern zwischen diesen beiden Lagern aufzuteilen, um den Konflikt zu lösen. Doch hatten sich die Gruppen danach zusammengerauft. Inzwischen ist die Lage aber offenbar wieder so verfahren, dass eine Teilung ernsthaft geprüft wird. „Allen Beteiligten ist klar, dass es so wie bisher nicht weitergeht“, sagt ein Kenner des Unternehmens und der Familie. Die Gespräche seien „sehr konkret“.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Zuletzt war der Streit offen zutage getreten, als die Nachfolge von August Oetker, einem Vertreter der Älteren, an der Spitze des Beirats geregelt werden musste. Wie die F.A.Z. berichtet hatte, stellten die Jüngeren sich gegen die Berufung von Rudolf Louis Schweizer, der trotzdem die Mehrheit der Stimmen in dem Gremium bekam. Ein Rechtsstreit um die Berufung von Anna Maria Braun, der Vorstandsvorsitzenden des Medizintechnikherstellers B. Braun Melsungen, zum neuen Beiratsmitglied ruht und soll außergerichtlich gelöst werden. Überdies sind die Jüngeren um Alfred Oetker offenbar weiter der Ansicht, dass ein Familienmitglied möglichst aus ihren Reihen in die oberste Gruppenleitung berufen werden soll. Diese besteht seit zwei Jahren vor allem auf Wunsch der Älteren nur aus familienfremden Managern.

          Obwohl sich die Geschäfte in der Summe solide entwickeln, wie zuletzt auf der Jahrespressekonferenz in Bielefeld betont worden war, ist der Unmut an vielen Stellen offenbar groß. Womöglich noch im laufenden Jahr könnten daher die Weichen für eine Teilung gestellt werden, heißt es in informierten Kreisen. Wie das „Manager Magazin“ berichtet, interessieren sich die Jüngeren, die zusammen 37,5 Prozent der Unternehmensanteile kontrollieren, etwa für die Getränkesparten, die unter anderem die Brauereigruppe Radeberger und den Sekt- und Weinhersteller Henkell Freixenet umfassen, sowie für die hauseigenen Hotels. Das Kerngeschäft mit Lebensmitteln, das weiter unter dem Namen Oetker laufen dürfte, könnte dagegen bei den Älteren bleiben. Zudem hat der Konzern eine Bank, eine Chemiefabrik und eine eigene Beteiligungsgesellschaft. Das Netto-Finanzguthaben lag zuletzt bei 2,5 Milliarden Euro. Es stammt zu einem großen Teil aus dem Verkauf der Reederei Hamburg Süd, um den die Familie ebenfalls lange gerungen hatte.

          Aufspaltung unter vielen Vorbehalten

          Ob die Spaltung tatsächlich kommt, steht aber offenbar noch unter vielen Vorbehalten. So ist in der Gesellschafterversammlung dem Vernehmen nach eine Dreiviertelmehrheit nötig. Daher können weder die fünf älteren noch die drei jüngeren Halbgeschwister, deren Stämme mit jeweils einem Mitglied in dem Gremium vertreten sind, allein eine Entscheidung treffen. Hinzu kommt, dass auch innerhalb der Lager die Interessen divergieren können. So haben einige Altgesellschafter ihre Anteile schon an die nächste Generation übertragen, die vom Streit der Vergangenheit weniger belastet ist und ganz eigene Vorstellungen von der Zukunft des Unternehmens hat. Daher ist auch nicht ausgeschlossen, dass zunächst alles beim Alten bleibt. „Wenn die Gesellschafter sich nicht über die Bedingungen einig werden, dann gibt es keinen Beschluss“, heißt es.

          Zur Frage, wer genau die Initiative im Moment vorantreibt, gehen die Aussagen auseinander. Aus dem Umfeld der Älteren heißt es, alle Gesellschafter seien an dem Thema interessiert. Von den Jüngeren kommen dagegen Signale, die in eine umgekehrte Richtung gehen. Seit ihr älterer Halbbruder August Oetker aus dem Beirat ausgeschieden sei, habe sich dort die Stimmung verbessert, heißt es in ihrem Umfeld. Sie wollten erst abwarten, ob etwa der neue Vorsitzende Rudolf Louis Schweizer sie stärker in Entscheidungen einbinde, bevor über weitere Schritte nachgedacht werde. Ein Sprecher des Konzerns wollte sich zu einer möglichen Teilung nicht äußern: „Diese Gerüchte gibt es seit Jahren immer wieder. Wir kommentieren das grundsätzlich nicht.“

          Das Management um den familienfremden Konzernchef Albert Christmann plant nach außen hin vorerst weiter mit der bisherigen Konstellation. Ziel sei es, in einigen Jahren mit der Oetker-Gruppe als Ganzes wieder einen Umsatz in zweistelliger Milliardenhöhe zu erreichen, was in etwa der Größe vor dem Verkauf von Hamburg Süd entspricht, sagte er vergangene Woche in Bielefeld. Dazu will er weiter durch Zukäufe, aber auch aus eigener Kraft wachsen. Zuletzt hatte Oetker den Umsatz organisch, also bereinigt um Währungseffekte und viele Änderungen im Konsolidierungskreis wie den Verkauf von Hamburg Süd, um 5 Prozent gesteigert. Insgesamt, also einschließlich der Reederei, die früher für die Hälfte der Erlöse stand und Ende 2017 an Mærsk aus Dänemark abgegeben wurde, sind die Erlöse um fast 40 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro zurückgegangen.

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