https://www.faz.net/-gqe-8ju6j

Mobilität : Rettung für die Nachtzüge

  • Aktualisiert am

Die Zukunft des Nachtzugs? Eine Designstudie der Österreichischen Bundesbahnen Bild: dpa

Bis vor kurzem schien klar: Der Nachtzugverkehr in Deutschland mit Liege- und Schlafwagen steht vor dem Aus. Nun geht es doch weiter. Vier Strecken stehen schon fest.

          2 Min.

          Bahnfahrer werden auch künftig Nachtzüge mit Schlaf- und Liegewagen in Deutschland nutzen können. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wollen zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember den Großteil der Verbindungen ersetzen, die die Deutsche Bahn (DB) aufgibt. Das geht aus internen Unterlagen hervor, in denen die Trassenanmeldungen für den Nachtzugverkehr im kommenden Jahr dokumentiert sind. Sie liegen dem Grünen-Bundestagsabgeordneten und Bahnexperten Matthias Gastel vor. Das neue Nachtzugkonzept soll im September offiziell vorgestellt werden.

          Schlafwagen haben eine große Geschichte: Wir beginnen unsere Nostalgie-Tour mit Alfred Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ mit Cary Grant. Bilderstrecke
          Schlafwagen haben eine große Geschichte: Wir beginnen unsere Nostalgie-Tour mit Alfred Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ mit Cary Grant. :

          Die ÖBB werden nach den vorliegenden Trassenanmeldungen täglich drei Euronight-Züge (EN) mit Schlaf-, Liege- und Sitzwagen zusätzlich durch Deutschland fahren lassen. Sie sollen auf folgenden Strecken unterwegs sein: Düsseldorf-Köln-Frankfurt-München-Innsbruck, Hamburg-Berlin-Frankfurt-Karlsruhe-Basel und Hamburg-Hannover-Würzburg-München-Innsbruck. Auch für die Achse Basel-Zürich-Prag ist ein Nachtzug vorgesehen. Sechs andere Nachtreisezüge der ÖBB mit Teilabschnitten in Deutschland sollen unverändert verkehren. Keine Informationen lagen Gastel zu den Nachtverbindungen von München nach Mailand, Venedig und Rom vor.

          Beide Bahngesellschaften wollten zu den Strecken keine Auskunft geben. „Das Nachtzugsegment ist interessant für uns, wir wollen es ausbauen“, sagte ein ÖBB-Sprecher auf Anfrage. Konkrete Verbindungen könnten noch nicht genannt werden. „Wir rechnen damit, dass wir im Herbst Nägel mit Köpfen machen können“, fügte er hinzu. Die Deutsche Bahn führt nach eigenen Angaben bereits seit Monaten mit den ÖBB Gespräche über den Weiterbetrieb klassischer Nachtzüge. Sie selbst will unabhängig davon die Zahl ihrer Nacht-ICE, nur mit Sitzen, erhöhen.

          Werden auch Autowagen an Nachtzüge gehängt?

          Die Deutsche Bahn hatte Ende 2015 bekanntgegeben, alle bisherigen Linien des klassischen Nachtzugverkehrs in diesem Dezember „in einem Schritt“ einzustellen. Als Grund wurden jahrelange Verluste in diesem Geschäft genannt. So seien 2015 bei rund 90 Millionen Euro Umsatz 31 Millionen Euro Minus herausgekommen. Die meisten Züge seien mehr als 40 Jahre alt, die nötigen Investitionen in die Modernisierung ließen sich nicht wieder hereinholen, stellte das Unternehmen fest. Für die Deutsche Bahn sind die Nachtzüge ein Nischengeschäft. Zuletzt gab es 1,3 Millionen Buchungen pro Jahr. Somit war nur einer von Hundert Fahrgästen mit einem Schlaf- oder Liegewagen unterwegs. Die ÖBB machen dagegen mit den Nachtreisezügen 17 Prozent ihres Umsatzes.

          Im Mai hatte der ÖBB-Aufsichtsrat den Kauf von bis zu 60 gebrauchten Schlaf- und Liegewagen und 15 Autotransportwagen genehmigt. Bis Mitte 2019 sollen außerdem 20 ÖBB-Intercity-Wagen zu Liegewagen umgebaut werden, für die es bereits eine Designstudie gibt. Inwieweit die ÖBB auch den Autozugverkehr in Deutschland wiederbeleben wollen, ist noch offen. Möglich wäre, an einige der Nachtzüge auch Autowagen zu hängen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

                        Zuhause bedrängt:  Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping

          Vor Haus von Petra Köpping : Aufmarsch mit brennenden Fackeln

          In Sachsen belagern zwei Dutzend radikale Maßnahmen-Gegner das Privathaus von Gesundheitsministerin Petra Köpping. Der Verfassungsschutz beobachtet die „Querdenker“-Szene im Land zunehmend mit Sorge.
          Damals, im April, die erste Sitzung des Ausschusses im Großen Festsaal im Rathaus von Hamburg

          Cum-ex-Affäre : Staatsanwältin kritisiert Hamburger Behörden

          Im Untersuchungsausschuss zur Cum-ex-Affäre zeigt eine Staatsanwältin wenig Verständnis für das Verhalten der Hamburger Behörden. Eine Frage wird immer dringlicher: Gab es eine politische Einflussnahme?
          Bild der Geschlossenheit: Auch die unterlegenen Präsidentschaftsanwärter versammeln sich nach der Vorwahl der bürgerlichen Rechten um die Siegerin Valérie Pécresse.

          Pécresse tritt gegen Macron an : Eine Präsidentin für Frankreich?

          Zum ersten Mal zieht die bürgerliche Rechte mit einer Frau in den französischen Präsidentenwahlkampf. Valérie Pécresse, die als Vorbilder Angela Merkel und Margaret Thatcher nennt, ist oft unterschätzt worden.