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Finanzminister Hartwig Löger : Österreichs Steuersenker

Ehemaliger Versicherungskaufmann und jetzt Österreichs Finanzminister: Hartwig Löger Bild: Bloomberg

Im Schatten von Kanzler Kurz: Der Finanzminister und ehemalige Versicherungskaufmann Hartwig Löger saniert den Haushalt des Landes. Trotzdem gibt es Zweifel daran, wie marktfreundlich er ist.

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          Der Nachbar Österreich schafft, wovon Deutschland träumt. Zum Beispiel die Schaumweinsteuer abzuschaffen. Berlin führte sie im Jahr 1902 zur Finanzierung der Kriegsflotte ein. In Wien setzten 20 Jahre später die Sozialdemokraten den sogenannten Prickelaufschlag durch, um der Bourgeoisie in die Sektkühler zu greifen und aus den Erlösen die Armut zu lindern. Seitdem wurde die Abgabe in Österreich mehrfach gestrichen und wiederbelebt, zuletzt 2014, wiederum auf Drängen der SPÖ. Die deutsche Flotte ist trotz Sonderabgabe mindestens zweimal untergegangen, ein ähnliches Schicksal ereilt gerade die österreichische Linke. Seit dem Wahlsieg der konservativen ÖVP und der Rechtspartei FPÖ im Jahr 2017 führen SPÖ und Gewerkschaften ein Schattendasein mit deutlich mehr Selters als Sekt.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Viele im In- und Ausland nehmen die amtierende Regierung vor allem wegen ihrer Asyl- und Sicherheitspolitik wahr. Entweder weil sie den neuen Weg unter Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) als unwürdig verdammen oder weil sie die härtere Gangart für vorbildlich halten. Viel geringer ist das Echo, das Finanzminister Hartwig Löger erzeugt, der Vater jener Steuerreform, die den Sekt billiger macht. Dabei ist seine Bilanz bemerkenswert: Der Dreiundfünfzigjährige hat nicht weniger zustande gebracht, als den ersten Überschuss im Staatshaushalt seit 1954 auf die Beine zu stellen. In vier Jahren will er erstmals seit dem EU-Beitritt 1995 die Verbindlichkeiten auf weniger als 60 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) drücken und auch diese Maastricht-Vorgabe erfüllen.

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