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Ölplattform vor Angola : Ein technisches Ungetüm für 9 Milliarden Dollar

Fabrik, Hafen und Hotel in einem: die weltgrößte schwimmende Ölplattform von Total Bild: Laurent Pacal/Total

Total hat vor der Küste Angolas die größte schwimmende Ölplattform der Welt eingeweiht. Mit der Investition will man unerschlossene Energiereserven mobilisieren.

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          Das Ungetüm wiegt ungefähr so viel wie 300 Riesenflieger vom Typ Airbus A380. 120.000 Tonnen Gesamtlast aus Eisen, Stahl, Plastik und vielen anderen Werkstoffen dümpeln 150 Kilometer vor der angolanischen Hauptstadt Luanda im Meereswasser. Auf einer drei Fußballfelder großen Fläche türmen sich fünf Stockwerke aus Rohren, Gestängen, Tanks, Kompressoren, Kränen und Pumpen in die Höhe. 180 Menschen finden mit ihren Büros und Unterkünften auch noch Platz, doch sichtbar dominieren die technischen Installationen. 16 Ketten, jeweils so dick wie ein Mensch, halten die Plattform mit Hilfe von genauso vielen überdimensionalen Ankern an ihrem Ort.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der französische Öl- und Gaskonzern Total hat in den Gewässern vor Angola in dieser Woche die größte schwimmende Plattform der Welt zur Förderung, Teilverarbeitung und Lagerung von Öl und Gas eingeweiht. Mehr als 9 Milliarden Dollar ließ sich das Unternehmen die Investition kosten.

          Geheimnis liegt unter Wasser

          Sie ist ein Symbol für die immer größeren Anstrengungen der Menschen auf der Suche nach Energiequellen. Pazflor, so der Name der Plattform, verbindet besonders weit verstreute Öl- und Gasfelder auf einer Fläche, die sechsmal so groß wie Paris ist. Außerdem kann die Anlage besonders zähflüssiges und damit minderwertiges Rohöl verarbeiten.

          Das eigentliche Geheimnis der Installation liegt unter Wasser. „Wir sitzen hier nur auf der Spitze eines Eisberges“, sagt Projektleiter Louis Bon. Wenn die Anlage demnächst ganz fertiggestellt ist, werden 49 Bohrlöcher mit der Plattform über 300 Kilometer lange Rohre verbunden sein. In etwa 1000 Metern Tiefe dringen sie in den Meeresboden und holen in einer Bohrtiefe von bis zu weiteren 2000 Metern ein kostbares Gemisch aus Öl, Gas und Wasser nach oben.

          Pazflor, so der Name der Plattform, verbindet besonders weit verstreute Öl- und Gasfelder auf einer Fläche, die sechsmal so groß wie Paris ist Bilderstrecke

          Auf dem Weg zur Oberfläche legen die Energieträger dann eine wichtige Zwischenstation ein. In 800 Metern Tiefe trennen drei sogenannte Separatoren das Gas von Wasser und Öl. Es ist eine Weltpremiere, dass dieser Prozess auf dem Meeresboden stattfindet. Dadurch kann erstmals zähflüssiges Öl aus dem geologischen Zeitalter des Miozän, dessen natürlicher Druck für den Aufstieg nicht ausreicht, mit Hilfe von Pumpen in die Höhe befördert werden. Wäre die Technik nicht entwickelt worden, müsste das Öl im Boden bleiben, berichtet das französische Unternehmen.

          Einmal im Meer versenkt, können die komplexen Anlagen jetzt nur noch mit Robotern gewartet werden, denn menschliche Taucher halten solche Tiefen nicht aus. Die amerikanische Firma Oceaneering betreibt im Auftrag von Total tauchende Roboter, die von der Ölplattform aus mit einem Joystick gesteuert werden.

          Produzieren um fast jeden Preis

          Im größten Notfall könnten die Separatoren auch wieder an die Oberfläche gezogen werden, sagt der Total-Manager Lionel Ramat, doch weil die Anlagen so groß wie ein fünfstöckiges Haus sind, möchte man sich das ersparen. Schlimmer noch: Die Ölförderung müsste zeitweise eingestellt werden. Bei einer Tagesproduktion von bald 220 000 Barrel würde beim aktuellen Ölpreis ein täglicher Einnahmeverlust von 24 Millionen Dollar entstehen.

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