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Ölpest : BP-Chef Hayward tritt zurück

  • Aktualisiert am

Ende Mai zeigte sich BP-Chef Tony Hayward im Golf von Mexiko nahe der Unglücksstelle Bild: REUTERS

Der britische Energiekonzern BP hat den Rücktritt seines Vorstandschefs Hayward zum 1. Oktober mitgeteilt. Durch die Ölpest rechnet der Konzern mit Kosten von 32 Milliarden Dollar - und verzeichnet mit 17 Milliarden Dollar seinen bislang höchsten Quartalsverlust.

          Dass er früher oder später abgelöst werden würde, war klar. Nur schwer hätte BP-Vorstandschef Tony Hayward die Ölpest im Golf von Mexiko ausmerzen oder vergessen machen können. Dass nicht schon früh ein anderer an die Spitze des großen Konzerns folgte, könnte vielmehr daran liegen, dass der neue Chef dann auch im Kreuzfeuer stehen würde und für die Fehler bei der Aufarbeitung der Ölkatastrophe verantwortlich wäre. Dass es zu einer baldigen Ablösung kommen würde, war in den vergangenen Tagen öfter zu hören. Nun ist dies auch offiziell: An diesem Dienstag teilte BP nun mit, dass Hayward zurücktritt - allerdings nicht sofort, sondern zum 1. Oktober. An der Spitze des Konzerns wird dann der 54 Jahre alte BP-Manager Bob Dudley stehen. Er hatte zuvor das Ölpest-Krisenmanagement übernommen.

          Der gebürtige New Yorker Dudley wuchs im amerikanischen Bundesstaat Mississippi auf, einem der von der schlimmsten Ölkatastrophe in der amerikanischen Geschichte besonders betroffenen Bundestaaten. „Ich wurde beim Schwimmen und Fischen an der Küste groß“, sagte Dudley im Juni nach dem Besuch ölverschmutzter Strände im Bundestaat Louisiana. „Was ich gesehen habe, war schmerzhaft, emotional und schockierend. Im Fernsehen wirken diese Bilder verstörend, aber wenn du so etwas aus erster Hand siehst, wird es persönlich“.

          Er ist seit mehr als 30 Jahren im Ölgeschäft, zunächst beim amerikanischen Unternehmen Amoco. 1998 schloss sich der Konzern mit BP zusammen. In dieser Zeit war Dudley bei zahlreichen Einsätzen im Ausland. So leitete er bis 2008 das britisch-russische Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP (siehe BP-Krisenmanager Dudley: Ein Mann für heikle Missionen). Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen BP und den russischen Aktionären des Unternehmens, die dem britischen Konzern vorwarfen, die Firma wie eine Filiale zu behandeln, musste Dudley das Land verlassen. Dieser Episode zum Trotz gilt der verheiratete Vater zweier Kinder als äußerst geschickt bei Verhandlungen. Der scheidende BP-Chef Hayward nannte Dudley einst den „Außenminister“ des britischen Ölkonzerns.

          Bob Dudley wird BP-Chef

          BP will Vermögenswerte in Höhe von 30 Milliarden verkaufen

          Die Ölpest im Golf von Mexiko hat BP nachhaltig geschädigt. Der Energiekonzern hat im zweiten Quartal den ersten Quartalsverlust seit 1992 verzeichnet. Wegen der Kosten für die Ölpest im Golf von Mexiko verbuchte der Londoner Konzern in seiner Bilanz für April bis Juni einen Verlust von 17,1 Milliarden Dollar (13,2 Milliarden Euro). Darin enthalten sind 32,2 Milliarden Dollar für die drohenden Verbindlichkeiten der Ölpest. Im ersten Quartal verbuchte der Konzern noch 6,1 Milliarden Dollar Gewinn. Wegen der Belastungen durch die Ölpest will das Unternehmen Vermögenswerte in Höhe von 30 Milliarden verkaufen, teilte BP am Dienstag in London mit. Vor einem Jahr hatte der Ölkonzern 4,39 Milliarden Dollar verdient.

          Dudleys wichtigste Aufgabe wird es sein, die Schäden der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko zu beseitigen. Analysten schätzen, dass BP dafür über 30 Milliarden Dollar aufwenden muss. „Es geht um einen Neuanfang“, sagte Peter Hitchens, Analyst bei Panmure Gordon & Co. in London, vor der Bekanntgabe der Zahlen. „Sie werden radikal vorgehen, um all diese Dinge möglichst bald aus dem Weg zu räumen, damit die Öffentlichkeit bei künftigen Ergebnissen nicht von nachtröpfelnden schlechten Nachrichten abgelenkt wird.“

          BP hatte vergangene Woche Ölfelder in den Vereingten Staaten, Kanada und Ägypten für 7 Milliarden Dollar an Apache verkauft. Weitere Vermögenswerte in Pakistan und Vietnam stehen zum Verkauf. Nach Angaben zweier mit den Vorgängen vertrauter Personen will BP auch die Gespräche mit Apache über Ölvorkommen in Alaska weiterverfolgen. Seit der Explosion der BP-Ölbohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April mit elf Toten wurde dem Konzern vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen die Ölpest vorzugehen. Hayward scheiterte in seiner Rolle als Chefaufräumer und Problemlöser.

          Im dritten Quartal drohen weitere Kosten

          Dudley ist zwar noch nicht Chef des Konzerns, aber er ist auch für das Krisenmanagement des Unternehmens im Golf von Mexico zuständig - und damit schon jetzt im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Spätestens ab Oktober wird er aber endgültig zeigen müssen, wie BP mit den möglichen Milliardenkosten der Ölpest umgehen kann.

          Die Lage für BP wird sich bis dahin kaum wesentlich verbessern: Im dritten Quartal könnten weitere Verbindlichkeiten hinzukommen, weil BP im abgelaufenen Quartal nicht alle erwarteten Kosten berücksichtigte. „Das Ausmaß und die Zeitspanne für mögliche Verpflichtungen in Bezug auf die Ölpest im Golf von Mexiko sind einem sehr hohen Grad an Unsicherheit ausgesetzt“, hieß es im Quartalsbericht.

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